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16.12.2016

Die Universität ehrte den wissenschaftlichen Nachwuchs

Von Virusepidemien bis zum Tierschutz, von der Finanzpolitik bis zur Nanotechnologie: Ein breites Themenspektrum kennzeichnet die Dissertationen des Jahres 2015, für die vier junge Forscher und eine Forscherin jetzt mit Promotionspreisen der Philipps-Universität bedacht wurden.

Die Universität ehrte den wissenschaftlichen Nachwuchs
Im Bild von links: Hendrik Baumbach, Florian Neumeier, Michaela Gerlach und Joël Charles nahmen die Promotionspreise für das Jahr 2015 von Vizepräsident Prof. Dr. Michael Bölker (M.) in Empfang. Nicht im Bild da erkrankt: Raimo Hartmann. Foto: Philipps-Universität Marburg | Christian Stein

„Die gewürdigten Qualifikationsschriften zeigen einmal mehr, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Fragestellungen arbeiten, die eine große Relevanz für die Gesellschaft besitzen“, erklärte anlässlich der Verleihung Professor Dr. Michael Bölker, Vizepräsident der Philipps-Universität für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, der die Auszeichnungen am Donnerstag, den 15. Dezember 2016  im Marburger „Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas“ feierlich überreichte.

„Die Förderung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Qualifikationsphasen liegt der Philipps-Universität besonders am Herzen“, sagte Bölker. „Die diesjährigen Preisträger und die Preisträgerin sind der lebende Beweis dafür, dass sich unsere Bemühungen auszahlen. Der Promotionspreis ist Anerkennung für die hohe Qualität der vorgelegten Dissertationen und Ansporn, auf dem beschrittenen Weg weiterzugehen.“

Die Promotionspreise der Philipps-Universität Marburg werden in vier Sektionen verliehen: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Philosophie und Kulturwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften sowie Biowissenschaften und Medizin. „Was die ausgezeichneten Arbeiten bei aller Vielfalt verbindet, ist ihre Qualität, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt“, führte der Vizepräsident aus. „Unser wissenschaftlicher Nachwuchs ist schon jetzt exzellent!“

Die Auszeichnung ist mit je 1.000 Euro Preisgeld dotiert. Teil des Preises ist außerdem ein Training in Wissenschaftskommunikation. In der Sektionen Mathematik und Naturwissenschaften wurde der Preis für 2015 geteilt. 

Alles integriert

Wie sprach der deutsche König im Spätmittelalter Recht? Wie bewältigte er die schier endlose Flut der Streitfälle in seinem Riesenreich, das von Dänemark bis Oberitalien und von Flandern bis Mähren reichte? Um das herauszufinden, wertete Hendrik Baumbach 50.000 Dokumente aus – unter anderem mit selbst entwickelten, quantitativen Methoden.

Der gebürtige Thüringer studierte an der Philipps-Universität Mathematik und Geschichte für das Lehramt. Schon für seine Staatsexamensarbeit erhielt er im Jahr 2011 den Marburger Preis für mittelalterliche Geschichte. Anschließend schrieb er seine Doktorarbeit bei dem Marburger Mediävisten Professor Dr. Andreas Meyer.

Baumbach kommt in seiner Dissertation zu dem Schluss, dass sich die Königliche Gerichtsbarkeit und Landfriedenssorge im Lauf des Mittelalters grundlegend gewandelt habe: Die inhaltliche Streitschlichtung durch den König ging in eine verfahrensorientierte Konfliktverwaltung über – ein Begriff, der „sämtliche Formen königlicher Streitlösung zu integrieren“ vermag, wie Doktorvater Professor Dr. Andreas Meyer hervorhebt. Baumbachs Dissertation wurde im Jahr 2015 mit dem Preis der „Wolf Erich Kellner-Stiftung“ ausgezeichnet.

Durch Licht halbiert

Wie lässt sich die Zahl der Tierversuche in der Krebsforschung verringern?  Wie kann die Untersuchung relevanter Gene vereinfacht werden, so dass man mit weniger Versuchstieren das bestmögliche Ergebnis erhält? Joël Charles entwickelte in seiner Doktorarbeit eine Methode, mit der sich das Tumorwachstum in Versuchstieren leichter und früher nachweisen lässt als bislang.

Der gebürtige Wiesbadener studierte Biologie in Mainz, von wo er zur Promotion an die Philipps-Universität wechselte.  Charles machte sich Enzyme zunutze, die Licht erzeugen, so genannte Luciferasen. Charles markierte Tumorzellen mit Luciferasen, die von den Zellen selbst produziert und ins Blut abgegeben werden. Auf diese Weise kann man auf einen Tumor und sein Wachstumsverhalten schließen, indem man kleinste Mengen der Luciferasen im Blut detektiert.

Da der Nachwuchswissenschaftler unterschiedliche Luciferasen verwendete, die verschiedene Arten von Tumorzellen kennzeichnen, lassen sich mehrere solcher Tumorzellsorten in ein- und demselben Tier vergleichen. „Das verringert die Zahl der verwendeten Tiere um die Hälfte, ohne die statistische Aussagekraft zu beeinträchtigen“, sagt Charles‘ Doktorvater Professor Dr. Thorsten Stiewe. Für die erzielten Fortschritte erhielt Charles zusammen mit Kollegen den Hessischen Tierschutzpreis 2014.

Die Abwehr umgehen

Wie passen sich Grippeviren an neue Wirte an? Wie springen sie von Tieren auf Menschen über? Die Dissertation von Michaela Gerlach macht besser als bisher verständlich, wie sich der Körper gegen RNA-Viren wehrt – zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel das Grippe- sowie das Ebolavirus.

Die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin absolvierte ihr Studium der Humanbiologie an der Philipps-Universität und fertigte hier anschließend ihre Dissertation bei Professor Dr. Friedemann Weber an. Ihre Doktorarbeit widmete sie dem Protein RIG-I, das der Abwehr von RNA-Viren dient. Gerlach zeigt erstmals, dass RIG-I ein Virus sofort erkennt, nachdem dieses in die Zelle eingedrungen ist – nicht erst, wenn es sich darin vermehrt. Neu ist auch die Erkenntnis, dass RIG-I die Vermehrung bereits hemmt, indem es an die soeben eingedrungenen viralen Genome bindet.

Die Dissertation klärt außerdem, wie Viren die körpereigene Abwehr umgehen, wenn sie auf neue Wirte überspringen, etwa von Geflügel auf Menschen. Bereits ein einziger geänderter Baustein des Virus verhindert, dass RIG-I dieses erkennt und angreift. Für Ihre Dissertation erhielt Gerlach im vergangenen Jahr den “DZIF Doktorandenpreis der Gesellschaft für Virologie“.

Aufnahme von Nanopartikeln

Was bewirken Nanopartikel und Mikrokapseln, wenn sie von lebenden Zellen aufgenommen werden? Raimo Hartmann hat in seiner Doktorarbeit kleinste Partikel in Zellen eingeschleust und studiert, welche Effekte sie hervorrufen.

Der gebürtige Niedersachse erwarb einen Bachelor- sowie einen Masterabschluss der Physik in Marburg, wo er bei Professor Dr. Wolfgang Parak auch seine Doktorarbeit anfertigte. Um die Wechselwirkungen mit Zellen zu untersuchen, verwendete er Nanopartikel aus Gold sowie Mikrokapseln aus geladenen Polymeren. Das Ergebnis: Auch wenn die eingesetzte Dosis gering ist, kommt es zu Veränderungen von Zellbestandteilen, etwa des Zellskeletts; die Teilungsfähigkeit ist beeinträchtigt.

Wie schnell Mikrokapseln in einer Zelle weitergereicht werden, hängt davon ab, ob die Kapseln weich oder starr sind; das konnte der Nachwuchsphysiker mithilfe spezieller Farbstoffe nachverfolgen. „Hartmanns besondere Leistung besteht darin, aus mikroskopischen Bildern mittels digitaler Bildverarbeitung quantitative Daten zu gewinnen“, hebt sein Doktorvater Wolfgang Parak hervor. So konnte gezeigt werden, wo sich die Partikel befinden und ob Zellbestandteile verformt sind. Die Software entwickelte Hartmann selbst

Was Biografien erklären

Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit von Politikern auf deren Finanzpolitik? Wie steht die Bevölkerung zu fiskalpolitischen Themen? Florian Neumeier widmete sich diesen Fragen, indem er Daten aus der Bundesrepublik, den USA und OECD-Ländern analysierte.

Der Nordhesse studierte an der Philipps-Universität Volkswirtschaftslehre auf Bachelor und erwarb ein Diplom in Soziologie. Dem schloss sich die Doktorarbeit bei Professor Dr. Bernd Hayo an. Die Arbeit beschäftigt sich einerseits damit, wie die Biografie einflussreicher Politiker deren finanzpolitische Entscheidungen beeinflusst. „Neumeier zeigt, dass der empirische Erklärungsgehalt dieses Ansatzes weit über den von bestehenden ökonomischen Theorien hinausgeht“, konstatiert Doktorvater Bernd Hayo. Unter anderem ergibt die Analyse, dass Regierungschefs zu höheren Staatsausgaben neigen, wenn sie aus einer niedrigeren sozialen Klasse stammen.

Andererseits hat der Nachwuchsökonom auch ermittelt, wie die Bevölkerung zu fiskalpolitischen Fragen steht. Eines der Resultate: Die Befragten unterstützen eine Konsolidierungspolitik eher, wenn sie wirtschaftlich gut dastehen, ökonomisch gut Bescheid wissen – und wenn sie nicht viel von der Kompetenz der Politiker halten.
(Text: Johannes Scholten, Forschungskommunikation)


Weitere Informationen:

Die ausgezeichneten Promotionen

  • Hendrik Baumbach: „Königliche Gerichtsbarkeit und Landfriedenssorge im deutschen Spätmittelalter. Eine Geschichte der Verfahren und Delegationsformen zur Konfliktbehandlung“

  • Joël Charles: „Einfluss der DNA-Bindungskooperativität von p53 auf die Tumorsuppressoraktivität und Beobachtung der Entwicklungsdynamik von Tumorklonen in vitro und in vivo mittels sezernierter Luciferasen“

  •  Michaela Gerlach: „Virus-host-interplay: Immediate virus recognition by RIG-I and PKR“

Pressemitteilung zu RIG-I: http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2013a/0318a

Pressemitteilung zu neuen Wirten: http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2013a/0318a

  • Florian Neumeier: Political Leaders’ Characteristics, Voters’ Preferences, and Fiscal Policy

  • Raimo Hartmann: “Examining Uptake of Nanomaterials by Eukaryotic Cells with Digital Image Cytometry”


Kontakt

Dr. Anne Holzapfel
Philipps-Universität Marburg
Referat Wissenschaftlicher Nachwuchs

Tel.: +49 (0)6421 28-26470
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2016 · Matthias Fejes

 
 
 
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