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05.10.2007

Festakt zu Wolfgang Klafkis 80. Geburtstag

Würdigung des Marburger Erziehungswissenschaftlers

Klafki Angesichts der fortgeschrittenen Zeit lasse er die Dinge, die er hatte sagen wollen und die belanglos seien, bekannte der 80-Jährige vor rund 400 angereisten Freunden und Weggefährten, die darauf in Lachen ausbrachen: Aus den letzten Jahrzehnten war bekannt, dass Wolfgang Klafki in der Regel nichts Belangloses sprach. In Anerkennung seiner Bedeutung waren dem international renommierten Marburger Erziehungswissenschaftler während des Festaktes in der Alten Aula gleich drei Bücher überreicht bzw. gewidmet worden. Neben der Festschrift von einigen seiner 73 ehemaligen Doktoranden und einer Buchwidmung erschien ”Wege pädagogischen Denkens. Ein autobiografischer und erziehungswissenschaftlicher Dialog”, den Klafki zusammen mit Karl-Heinz Braun herausgegeben hat. Wer ist dieser Mann, der im neunten Lebensjahrzehnt ankündigt, nun müsse er eine längere Pause einlegen, um wieder zu Atem zu kommen und neue Ideen zu schöpfen?

Klafki gilt als einer der bekanntesten deutschen Erziehungswissenschaftler der Gegenwart, der entscheidende Beiträge zum heutigen Wissenschaftsstandard der Didaktik sowie zur Schulforschung, Schulentwicklung und Schulpolitik geleistet hat. ”Wolfgang Klafkis Bedeutung für die Philipps-Universität lag und liegt vor allem darin, dass er seit seiner Berufung nach Marburg die Didaktik (verstanden als Theorie des Lehrens und Lernens unter besonderer Berücksichtigung der Auswahl und Begründung der Lerninhalte) zum Gegenstand seiner wissenschaftlichen Forschung und Lehre gemacht hat“, so der Präsident der Philipps-Universität, Prof. Dr. Volker Nienhaus. Dadurch habe er zahlreiche Studierende aus der alten Bundesrepublik Deutschland angezogen und mehrere Generationen von Lehrerinnen und Lehrern nachhaltig beeinflusst.

Als er Ende der 1960er Jahre zusammen mit den Kollegen des damaligen Pädagogischen Seminars der Philipps-Universität das unter der Federführung des Hessischen Rundfunks ausgestrahlte "Funk-Kolleg Erziehungswissenschaft" konzipierte und realisierte, stieß Klafki auf ein so großes Interesse innerhalb der Lehrerschaft und anderer pädagogischer Berufe, dass er Marburg als ein Zentrum der Erziehungswissenschaft bundesweit bekannt machte. Dabei versteht Klafki Unterricht als demokratisch und emanzipatorisch: Entwickelt werden sollen die Fähigkeiten zu Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität. Den damaligen Frontalunterricht mit maximaler Stoffvermittlung leitete der ehemalige Volksschullehrer Klafki zum Teil in Gruppenunterricht und entdeckendes und exemplarisches Lernen über.

Doch resultiert die überragende Bedeutung Klafkis, der 1963 an die Universität Marburg berufen wurde und hier auch nach seiner Emeritie­rung 1992 aktiv ist, nicht nur aus seiner wissenschaftlichen Reputation, sondern ebenso aus seinem bildungspolitischen Engagement. Er selbst sah sich als Vertreter einer kritisch-konstruktiven Wissenschaft, die Veränderungen und Verbesserungen anstoßen will. So war das Gründungsmitglied des Bundes demokratischer Wissenschaftler unter anderem 20 Jahre im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Erzie­hungswissenschaften und versuchte hier die Sondersituation der er­ziehungswissenschaftlichen Disziplin zwischen Theorie und Praxis zu vermitteln. In Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen arbeitete Klafki in Bildungskommissionen und beriet die jeweiligen Kultusministe­rien. 1971 startete er das Marburger Grundschulprojekt und probierte acht Jahre lang mit Lehrern und Kollegen neue Formen des Unterrichts aus. Seit über 40 Jahren setzt der Erziehungswissenschaftler sich für das Gesamtschulkonzept ein.

Der Ehrenvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften trägt nicht nur das Bundes­verdienstkreuz 1. Klasse, sondern ebenso die dreifache Ehrendoktor­würde.