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17.03.2008

“Jederzeit wieder berufbar”: Festakt zum 70. Geburtstag von Josef Krieglstein

Der emeritierte Pharmakologe Professor Dr. Dr. Josef Krieglstein ist am vergangenen Samstag zu seinem 70. Geburtstag mit einer akademischen Feier in der Alten Aula der Philipps-Universität Marburg geehrt worden. Anschließend fand ein Symposium mit prominenter internationaler Besetzung über Neuroprotektion statt, das an die von Krieglstein initiierten "Marburg Meetings" zum gleichen Thema anknüpfte. Der Jubilar, der von 1974 bis 2005 in Marburg einen Lehrstuhl für Pharmakologie innehatte, wirkt seit seiner Emeritierung als Gastprofessor in Münster.

Professor Dr. Dr. Josef Krieglstein
Professor Dr. Dr. Josef Krieglstein wurde zu seinem 70. Geburtstag mit einer Akademischen Feier an der Philipps-Universität Marburg geehrt.

"Josef Krieglstein hat Marburg auf der Landkarte der herausragenden Forschungsstandorte für Neuroprotektion etabliert, er zählt zu den Pionieren dieses hoch kompetetiven Forschungsgebietes", sagte Professor Dr. Gerhard Heldmaier, Vizepräsident der Philipps-Universität, in seinem Grußwort. Krieglsteins erfolgreiches Wirken sei ein starkes Argument für die Schaffung eines fachübergreifenden Zentrums für Pharmakologie, wie es gegenwärtig geplant werde. Heldmaier wies darauf hin, dass der Jubilar in Publikationsdatenbanken mit 265 Veröffentlichungen verzeichnet sei, die mehr als 5.000-mal zitiert wurden: "Damit wären Sie für uns jederzeit wieder berufbar."

Der Pharmaziedekan Professor Dr. Michael Keusgen erinnerte an die signifikanten Beiträge, die Krieglsteins Arbeitsgruppe auf dem Feld neuronaler Erkrankungen geleistet habe. "Effektive Therapien gegen diese Krankheiten werden dringend benötigt, speziell für ältere Menschen", unterstrich Keusgen die Bedeutung von Krieglsteins Forschungsgebiet. Professor Dr. Matthias Rothmund als Medizindekan hob die enge Beziehung hervor, die Krieglstein aufgrund seines Doppelstudiums auch mit diesem Fachbereich verbindet.

In ihrer Laudatio zeichnete Professorin Dr. Susanne Klumpp von der Universität Münster den Werdegang des Jubilars nach. Krieglstein, geboren 1938 in Pechgrün im heutigen Tschechien, studierte Pharmazie und Medizin an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo er auch in beiden Fächern promovierte. Seine pharmazeutische Dissertation schrieb er über neuartige, äußerst stabile Zuckermoleküle, die er in Bakterien gefunden hatte. Nach der Doktorarbeit ging Krieglstein zur Habilitation nach Mainz und wurde 1973 im Alter von nur 35 Jahren auf den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie an die Philipps-Universität berufen. Hier wirkte er 32 Jahre lang als Institutsleiter. Zu den Schwerpunkten seiner wissenschaftlichen Arbeit zählen neurodegenerative Erkrankungen, die Rolle von Wachstumsfaktoren sowie Strategien gegen Schlaganfall. Unter anderem erkannte er erstmals die neuroprotektive Wirkung des Medikaments Memantine, das heute erfolgreich gegen Alzheimer angewendet wird.

Krieglstein bereicherte seine Disziplin nicht nur durch eigene Forschungsarbeiten, sondern auch als Initiator regelmäßiger pharmakologischer Fachtagungen über Durchblutungsstörungen des Gehirns. 20 Jahre lang, von 1986 bis 2004, richtete er im zweijährigen Rhythmus das in der Fachwelt höchst angesehene "Marburg Meeting" aus. Klumpp hob besonders die jüngsten Forschungsaktivitäten des Jubilars an der Universität Münster hervor, mit denen er an die erfolgreiche Tätigkeit vor seiner Emeritierung anschließt.

In seiner Danksagung äußerte Krieglstein seine Verbundenheit gegenüber Mitarbeitern und akademischen Lehrern. Er bekräftigte, dass er noch immer viele Pläne habe, und zeigte sich froh über die fortbestehende Arbeitsmöglichkeit: „Ich habe immer den Eindruck, es ist besser als je zuvor.“

Während des anschließenden Symposiums widmeten sich namhafte Wissenschaftler aus aller Welt verschiedenen Aspekten der Neuroprotektion – von der Aufklärung molekularer Signalwege bis zur Rolle moderner Bildgebung bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten. Zu Ehren des Jubilars waren eigens Referenten aus den USA, Großbritannien und Japan angereist. Greg del Zoppo von der University of Washington  stellte in seiner Einführung die neurovaskuläre Einheit aus Blutgefäß, Neuron und Astrozyte vor. Er ging vor allem auf die extrazelluläre Matrix ein, die zur Strukturerhaltung erforderlich ist und bei Durchblutungsstörungen abgebaut wird. Krieglsteins Schüler und kommissarischer Nachfolger als Leiter des Marburger Instituts für Pharmakologie und Toxikologie, Professor Dr. Carsten Culmsee, sprach unter anderem über den Wirkstoff Clenbuterol, der in Kombination mit Memantine eine verbesserte neuroprotektive Wirkung ermöglicht. Vorträge von Nicolas Bazan aus New Orleans, Koji Abe aus Okayama sowie Alastair Buchan aus Oxford vervollständigten das Vortragsprogramm. Das Philippos Quartett Marburg sowie die Chorgruppe Piano Marbach besorgten die musikalische Umrahmung der Veranstaltung, die mit Gesprächen am Buffet ausklang.

Illustre Gäste: Prof. Dr. Susanne Klumpp hielt die Laudatio, Alastair Buchan reiste aus Oxford an.

Der Jubilar im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Keusgen (links), dem Dekan des Fachbereichs Pharmazie.