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21.01.2009

Marburger Neuzeithistoriker ausgezeichnet

Nachwuchswissenschaftler André Griemert erhält Arnsberg Preis

Der Marburger Neuzeithistoriker André Griemert erhielt am 20. Januar 2009 im Rahmen eines Festaktes den Rosl und Paul Arnsberg Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt/Main. Mit dem Preis werden wissenschaftliche Publikationen und Vorhaben ausgezeichnet, die wesentlich zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden beigetragen haben. Griemert wird für seine Abschlussarbeit zur Geschichte des jüdischen Bildungswesens in Frankfurt im Zeitalter der Aufklärung geehrt. Im Mittelpunkt der preisgekrönten, demnächst publizierten Arbeit steht das Philantropin, eine über Frankfurt hinaus bedeutende Schulgründung des 18. Jahrhunderts. Das Philantropin hatte sich zum Ziel gesetzt, durch Bildung und Ausbildung zur Gleichstellung der Frankfurter Juden beizutragen. Das aufgeklärte Bildungskonzept der Schule war Ende des 18. und im frühen 19. Jahrhundert auch innerhalb der jüdischen Gemeinde Frankfurts nicht unumstritten und führte zu heftigen publizistisch-literarischen Konflikten, die Griemert auf dem Hintergrund der grundsätzlichen Bildungsdebatten der Zeit nachzeichnet. Die Preisjury unter Leitung von Prof. Dr. Arno Lustiger hat dieser Arbeit, die von Professor Dr. Christoph Kampmann (Seminar für Neuere Geschichte) betreut wurde, den Förderpreis zuerkannt.

Griemert
Stifterin Rosl Arnsberg, Dr. Helga Krohn (Hauptpreisträgerin), André Griemert.
Die Frankfurter Polytechnische Gesellschaft, die im kulturellen Leben der Stadt Frankfurt eine herausgehobene Rolle spielt, hat den Preis nach dem Ehepaar Arnsberg benannt, das ihr Lebenswerk der Erforschung und Bewusstmachung des reichen jüdischen Erbes Frankfurts gewidmet hat. Derzeit arbeitet Griemert an seiner Dissertation im Fach Neuere Geschichte, die gleichfalls ein Thema der deutsch-jüdischen Geschichte in der Frühen Neuzeit untersucht. Griemert erforscht darin Prozesse, die im Heiligen Römischen Reich vor dem damals höchsten Gerichtshof, dem kaiserlichen Reichshofrat in Wien, unter jüdischer Beteiligung geführt wurden. Von der Arbeit, die von Kampmann betreut wird, sind wichtige Aufschlüsse über das wechselseitige Verhältnis des Kaisers und der jüdischen Reichsangehörigen im 17. und 18. Jahrhundert zu erwarten. Die jüdischen Reichsangehörigen hatten eine für die Entwicklung des frühneuzeitlichen römisch-deutschen Reichs lange Zeit unterschätzte Bedeutung.