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14.12.2009

Wie klimabewusst sind die Deutschen wirklich?

Marburger Erziehungswissenschaftler veröffentlichen www.klimabewusstsein.de

Die Deutschen sind lange nicht so klimabewusst, wie sie selbst gerne glauben. Dies ist das Ergebnis eines Vergleichs der 27 EU-Länder, der von der Arbeitsgruppe Methoden und Evaluation der Philipps-Universität Marburg (Leitung Prof. Dr. Udo Kuckartz) vorgenommen wurde. Die Forscher haben die neuesten von der Europäischen Kommission erhobenen Daten (Eurobarometer-Studien) intensiv ausgewertet und auf der neuen Webseite www.klimabewusstsein.de zusammengestellt.
Ein Vergleich mit den anderen Ländern der EU zeigt, dass Deutschland in punkto Einstellungen tatsächlich in der europäischen Spitzengruppe liegt, aber in punkto Handeln sieht es weit weniger positiv aus. Besonders bemerkenswert: Eine gewisse Selbstzufriedenheit hat sich in Deutschland breit gemacht. Nirgendwo (außer in Irland) sind so viele Bürgerinnen und Bürger der Meinung, dass die Regierung doch schon genug im Kampf gegen den Klimawandel tue - und diese Stimmung "Wir tun doch schon genug" herrscht auch hinsichtlich des Beitrags der Zivilgesellschaft vor.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Differenz zwischen dem "Wir" und dem "Ich", die bei vielen Fragen der empirischen Untersuchungen augenscheinlich ist. So ist die große Mehrheit zwar der Meinung "Wir Bürger müssen mehr für den Klimaschutz tun" oder "Wir können durch unser Kaufverhalten viel bewegen" doch faktisch tun dies nur relativ wenige. Offenbar schließt das "WIR" die eigene Person nicht ein. So trübt sich das positive Bild des Klimabewusstseins der Deutschen, das man bei der Betrachtung der Einstellungen hat. Alle in der Studie abgefragten klimarelevanten Verhaltensweisen werden in Deutschland zwar etwas häufiger praktiziert als im europäischen Durchschnitt, doch belegen die Deutschen in keinem einzigen Fall den Spitzenplatz. Dennoch ist man mit sich zufrieden, denn in kaum einem anderen Land sind so viele der Meinung, dass der Bürger doch schon genug tue. Faktisch handeln viel zu wenige und das auch nur auf mehr oder weniger symbolische Weise, indem die eine oder andere Handlung gelegentlich praktiziert wird. Zwischen der allgemein bekundeten Bereitschaft und dem Routinehandeln im Alltag klafft eine gewaltige Lücke.

In der Eurobarometerstudie sagen bspw. 75% der Europäer, dass sie umweltfreundliche Produkte kaufen, aber nur 17% der gleichen Personen haben dies im letzten Monat tatsächlich getan.

Weitere Informationen
info@klimabewusstsein.de / Sekretariat 06421 2823026
Prof. Dr. Udo Kuckartz, 06421 2823024
Dipl-Päd. Stefan Rädiker, 06421 2822826