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29.05.2009

Universität Marburg zeichnet Friedensprojekt mit Peter-Becker-Preis aus

Eine der höchstdotierten sozialwissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland erhielt am 29. Mai das Projekt „Peace Counts on Tour“, das vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen und dem Journalistennetzwerk „Peace Counts Project“ getragen wird.

Den Repräsentanten des ausgezeichneten Projekts, Uli Jäger und Uli Reinhardt (hinter dem Preisstifter Dr. Peter Becker (Mitte), gratulieren Prof. Mathias Bös und der Laudator Prof. Dieter Senghaas (li) und Universitätspräsident Prof. Volker Nienhaus (re.)
Mit dem Peter- Becker - Preis für Friedens- und Konfliktforschung zeichnete die Philipps-Universität Marburg am 29. Mai das Projekt „Peace Counts on Tour“ aus. Das Projekt , das seit sieben Jahren vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen und dem Journalistennetz-werk „Peace Counts Project“ getragen wird , zielt darauf ab, in Konflikt- und Kriegsregionen die Wahrnehmung für Ursachen und Eskalationsverläufe von gewaltsamen Auseinandersetzungen zu erweitern. Friedens- und Konfliktfähigkeit sollen gefördert und der Blick für neue Handlungs- und Lösungsansätze geschärft werden. Das Projekt verknüpfe Erkenntnisse aus der Friedens- und Konfliktforschung mit moderner Friedenspädagogik und konstruktivem Journalismus, lobte der Laudator Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Senghaas, der die kritische Friedens- und Entwicklungsforschung in Deutschland und weit darüber hinaus entscheidend geprägt hat.

Uli Jäger vom Tübinger Institut für Friedenspädagogik bedankte sich im Namen des Projektteams: "Wir verstehen den Preis als Ermutigung für die geleistete Arbeit, als Ausrufezeichen (Aufmerksamkeit für Friedensprozesse) sowie als Herausforderung!" Die Herausforderung sei, in Zukunft noch einen weiteren Schritt in Richtung Friedensforschung zu gehen und in diesem Bereich stärker mit dem Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg zusammenzuarbeiten.

Kern der weltweiten „Peace Counts on Tour“ ist bislang die multimediale Ausstellung „Die Erfolge der Friedensmacher“. Die Ausstellung zeigt die Peace Counts Project recherchierten, veröffentlichten und vom Institut für Friedenspädagogik didaktisch aufbereiteten Best Practice-Beispiele für Friedensstiftung. Das gesammelte Wissen über erfolgreiche Methoden dient als Quelle der Inspiration für die jeweiligen Konflikte vor Ort. Zur Eröffnung der Ausstellung sprechen lokale Friedensmacher. Während der Laufzeit werden vom Institut für Friedenspädagogik Workshops mit ausgewählten Zielgruppen (Multiplikatoren, Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen, Jugendorganisationen) veranstaltet, in denen ein zunächst in Deutschland, zwischenzeitlich weltweit erprobtes „Peace Education Package“ eingesetzt wird. Peace Counts Project veranstaltet außerdem Workshops für lokale Journalisten und Fotografen. Gefördert wird das Projekt vom Auswärtigen Amt bzw. vom Institut für Auslandsbeziehungen mit seinem Förderprogramm „zivik“.

Der Peter- Becker - Preis der Philipps-Universität Marburg wird für Arbeiten oder Projekte vergeben, die wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung, den Verlauf und die Bearbeitung von Konflikten vorantreiben und eine praktische Umsetzung im Sinne der Konfliktregelung ermöglichen beziehungsweise durchführen. Der zum dritten Mal verliehene Preis ist mit 10.000 Euro honoriert und damit eine der höchstdotierten sozialwissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland.

"Nachdem die ersten beiden Preisträger stärker wissenschaftlich ausgerichtet waren, haben wir nun ein hervorragendes, auf die Praxis ausgerichtetes Projekt auszeichnen können", freute sich Dr. Peter Becker. Der Marburger Rechtsanwalt hat den nach ihm benannten Preis 2004 gestiftet. Ziel des Preis es ist die Förderung der aktiven Mitarbeit an zivilen Friedensprozessen und die Ehrung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die ihre Theorien in die Tat umsetzen. Entsprechend praxisorientiert wurde die Preisverleihung abgeschlossen: Journalisten des SWR und des HR diskutierten zusammen mit Friedensforschern zum Thema "Kriegsjournalismus oder Friedensjournalismus? Agieren zwischen vielen Fronten".