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14.04.2011

Streifzug durch mathematische Modelle und Instrumente

Kunstverein Marburg zeigt bis 14. Juni weitere "Sammlung der Universität"

Mathematische Modelle

Die Reihe der Kunstvereins „Die Sammlungen der Universität“ schließt mit einer letzten Ausstellung zu Mathematischen Modellen: Die Sammlung mathematischer Modelle der Philipps-Universität Marburg umfasst zur Zeit weit über 100 Modelle und technische Geräte, die einst für die Lehre verwendet wurden oder noch verwendet werden. „Die ältesten erhaltenen Modelle stammen aus dem 19. Jahrhundert, neue Exponate kommen laufend hinzu“, sagt die Kuratorin und Mathematik-Professorin Ilka Agricola.

1885 wurde auf Betreiben von Prof. Heinrich Weber das Mathematische Seminar gegründet und danach auch eine Sammlung mathematischer Modelle zur Unterstützung der Lehre eingerichtet. Nach dem 2. Weltkrieg gab es jedoch einen starken Abstraktionsschub in der Mathematik, Modelle galten als antiquiert. Die Sammlung wurde auseinander gerissen, zum Teil zerstört und geriet in Vergessenheit. „Erst 2008 wurden die verstaubten Kisten aus der Teeküche, hinter Schränken und aus vergessenen Schubladen zusammengesammelt und restauriert“, erinnert sich Agricola. Zum Festakt anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Mathematik in Marburg im Februar 2011 konnte die Sammlung neu eröffnet werden.

Die Sammlung umfasst verschiedene Teilgebiete der Mathematik und deren Überschneidungen mit den Fächern Informatik und Geographie. Im Kunstverein ausgestellt sind Objekte zu den Themen Topologie, Analysis, Geometrie, Rechenkunst und schließlich angewandte Mathematik wie das Vermessungswesen. Spannend sind zum Beispiel die ausgestellten Flaschen ohne Inhalt, die Flächen ohne Rückseiten und die Planeten ohne Südpol. Auf den ersten Blick lustig ist der „Affensattel“, auf dem das Maskottchen „Philipp“ sitzt und von dem tatsächlich jeder Studierende die Formel lernt. Neben historischen Gipsmodellen verschiedener Funktionen finden sich Geräte zum Ausmessen von Flächeninhalten und Auswerten von Graphen, wie sie noch bis in die 1970er Jahre verwendet wurden.

Die ästhetischsten Modelle liefert die Geometrie als eines der ältesten Teilgebiete der Mathematik und auch eines der ersten, in dem Modelle zur Veranschaulichung benutzt wurden. „Ob Kegelschnitte, Durchdringungen dualer Körper oder die Symmetrien eines Tetraederfünflings, man gelangt leichter zu Erkenntnissen, wenn man seinen Forschungsgegenstand plastisch vor sich hat“, weiß Agricola. Ein Ausstellungsbereich ist der angewandten Mathematik gewidmet: Wie zum Beispiel kopierte man Landkarten im Jahr 1866? Mit einem Pantographen und einer sehr ruhigen Hand. Vermessen wurde das Land mit Theodoliten, von denen zwei ältere Modelle ausgestellt sind. Der letzte Teil der Ausstellung zeigt Rechenmaschinen im Design von Nähmaschinen, Rechenschieber und Abakusse sowie Lochkarten und Glasfaserkabel. An einem zwei Meter langen Rechenschieber können Besucher ausprobieren, wie der Vorläufer des Taschenrechners funktionierte.

Weitere Informationen:

  • Ausstellung im Marburger Kunstverein e.V., Gerhard-Jahn-Platz 5, 35037 Marburg, Öffnungszeiten: Di.-So. 11-17 Uhr, Mi. 11-20 Uhr, Eintritt frei
  • Kontaktperson für die Sammlung ist Prof. Dr. Ilka Agricola, E-Mail: agricola@mathematik.uni-marburg.de