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24.03.2016

Auszeichnung für archäologische Ausnahmearbeit

Dr. Petra Eisenach erhält den Eduard-Anthes-Preis 2015

Nach der Preisverleihung umringt von den Laudatoren (von links: Landesarchäologe Dr. Udo Recker, Preisträgerin Dr. Petra Eisennach, Vors. Verein Altertumsfreunde im Reg.-Bez. Darmstadt e. V. Prof. Dr. Franziska Lang und Staatssekretär Ingmar Jung (HMWK). Foto: E. Grönke

Ehrung für die an der Philipps-Universität Marburg verfasste Dissertation von Dr. Petra Eisenach: Sie erhielt den mit 7.500 Euro dotierten Eduard-Anthes-Preis für Archäologie 2015. „Mit der Verleihung des Eduard-Anthes-Preises an Dr. Petra Eisenach zeichnen wir eine ambitionierte Archäologin aus, die zur Rekonstruktion einer antiken Kulturlandschaft in unserem Land beigetragen hat, die nicht nur für die Fachwissenschaft von größtem Interesse ist“, gratulierte Staatssekretär Ingmar Jung bei der Preisverleihung im Landesmuseum Wiesbaden.

Jung betonte zudem: „Nur die Archäologie kann erforschen, wie Menschen im Laufe der Vorgeschichte ihre natürliche Umwelt in Kulturlandschaften verwandelten, welche sozialen, kulturellen und politischen Veränderungen damit einhergingen und wie umgekehrt die Umwelt auf die menschlichen Entwicklungen Einfluss hatte. Dr. Petra Eisenach hat dies in ihrer vorliegenden Dissertation mit ihren Untersuchungen für die bedeutende eisenzeitliche Siedlungsstelle Amöneburg eindrucksvoll belegt.“

Terrassen auf Amöneburg vielfältig verwendet

Die Amöneburg ist die zentrale Höhensiedlung im Amöneburger Becken (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und existierte von der beginnenden Mittellatènezeit (ca. 250 bis 150 v. Chr.) bis in die frühe römische Kaiserzeit (ca. 27 bis 68 v. Chr.). Petra Eisenach bearbeitete die Ausgrabungen auf der Amöneburg der 1980er-Jahre. Ihre Studie befasst sich eingehend mit der Terrassierung des Südosthangs der Amöneburg.

Die Preisträgerin kommt zu dem Ergebnis, dass die Umgestaltung des Hanges in einen Baugrund eine große Arbeits- und Ingenieursleistung darstellte, so dass bisherige Konstruktionsmodelle modifiziert werden können. Die Terrassen auf der Amöneburg dienten vermutlich nicht nur als Standflächen für Häuser, sondern wurden auch für Bestattungszwecke oder religiöse Riten genutzt.

„Das Verdienst von Frau Eisenach ist es, die große Menge an Funden, die seit vielen Jahrzehnten von der Amöneburg zusammengetragen wurden, erstmals umfassend wissenschaftlich ausgewertet zu haben“, ordnete Dissertations-Betreuer Prof. Dr. Claus Dobiat von der Philipps-Universität Marburg die Arbeit ein.

Hessen in vorgeschichtlicher Zeit Grenzraum

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit: Die Frage, auf welche Kulturkontakte und Kulturzugehörigkeit die materielle Kultur der Bewohner von Amöneburg schließen lässt. Dabei geht es nicht zuletzt um germanische und keltische (Ost- und Westlatène-) Einflüsse auf Kleinfunde und Keramiken beziehungsweise um die Vermittlung solcher Einflüsse auf die Amöneburg und in den als Kontaktzone charakterisierten Mittelgebirgsraum.

Petra Eisenach kam zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung nicht nur durch die weiter im Süden und Westen verbreitete keltische Kultur geprägt wurde, sondern immer wieder auch germanische Einflüsse, die aus östlicher Richtung in der hessischen Mittelgebirgszone wirksam wurden. Das zeigt, dass Hessen in vorgeschichtlicher Zeit ein Grenzraum war, in dem Kulturprägungen aus den verschiedensten Himmelsrichtungen aufgenommen wurden.


Zur Person

Dr. Petra Eisenach studierte Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Europäische Ethnologie an der Philips-Universität in Marburg und promovierte dort 2012 bei Prof. Dr. Claus Dobiat über das Thema „Späteisenzeitliche bis frühkaiserzeitliche Siedlungsspuren auf der Amöneburg. Studien zu Befunden, Kleinfunden und Keramiken der Fundstelle 9“ für das sie mit dem Eduard-Anthes-Preis 2015 ausgezeichnet wurde.

Der Eduard-Anthes-Preis

Seit 1985 verleiht der Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e. V. alle zwei Jahre den Eduard-Anthes-Preis für Archäologie, seit 1991 in Verbindung mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, seit 2012 beide zusammen mit der hessenARCHÄOLOGIE. Mit dem ältesten Archäologiepreis Deutschlands, benannt nach dem hessischen Archäologen Eduard Anthes (1859-1922), werden Dissertationen junger Archäologinnen und Archäologen, die über die Vor- und Frühgeschichte des deutschen Mittelgebirgsraums zwischen oberem Neckar und norddeutscher Tiefebene geforscht haben, ausgezeichnet.

Kontakt

Prof. em. Dr. Claus Dobiat
Philipps-Universität Marburg
Fachgebiet: Vor- und Frühgeschichte

Tel.: +49 (0)6421 28-22485
E-Mail