30.04.2018 Ein neuer Lern- und Begegnungsort im Herzen der Stadt

Neue Marburger Universitätsbibliothek wurde feierlich eröffnet

Gruppenfoto mit symbolischem Schlüssel für die UB
Foto: Markus Farnung
Symbolische Schlüsselübergabe für die neue Universitätsbibliothek (von links): Thomas Platte (Direktor LBIH), Dr. Thomas Schäfer (Staatsminister Hessisches Ministerium der Finanzen), Boris Rhein (Staatsminister Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst), Prof. Dr. Katharina Krause (Präsidentin der Philipps-Universität) und Dr. Andrea Wolff-Wölk (Direktorin der Universitätsbibliothek Marburg).

Im Beisein von Wissenschaftsminister Boris Rhein und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer wurde am Montag, 30. April 2018, die neue Marburger Universitätsbibliothek (UB) nach rund vierjähriger Bauzeit offiziell eröffnet.

„Wir haben viele Gründe zum Feiern“, sagte die Präsidentin der Philipps-Universität Professorin Dr. Katharina Krause beim Festakt. „Nach 50 Jahren ist die Marburger Universitätsbibliothek wieder in die Innenstadt zurückgekehrt und bildet jetzt das Zentrum des geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Campus Firmanei. Darüber hinaus bietet die gelungene Architektur dieses Gebäudes den idealen Rahmen für das ambitionierte Bibliothekskonzept der neuen UB, das geprägt ist von Offenheit, wissenschaftlicher Interaktion und Kommunikation.“

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Wissenschaft und Forschung sind die Grundlagen für Wohlstand und wirtschaftliche Stärke in Hessen. Die Kosten von rund 120 Millionen Euro aus unserem Hochschulbauprogramm HEUREKA sind deshalb sehr gut in Marburg investiert. Mit der Universitätsbibliothek und dem gesamten neuen Campus schaffen wir die nötigen Rahmenbedingungen - auch bei steigenden Studierendenzahlen - für den Wissenschaftsstandort Marburg. Von der neuen Bibliothek profitieren aber nicht nur die Studierenden. Große Teile des hier gesammelten Wissens werden auch den interessierten Menschen dieser Stadt zugänglich sein.“

„Viel Licht und Luft sowie interessante Ein- und Ausblicke - das alles bietet die neue Universitätsbibliothek. Ich gebe unumwunden zu: So einen wunderbaren Ort zum Lesen und Lernen hätte ich mir in meiner Studienzeit an der Philipps-Universität auch gewünscht“, erklärte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Der Neubau füge sich zudem trotz seiner modernen Formensprache sehr harmonisch in das bestehende Stadtbild mit seinen historischen Gebäuden ein. „Den Architekten ist hier eine attraktive Verbindung zwischen Alt und Neu gelungen, der Campus Firmanei wird durch den zentralen Neubau weiter aufgewertet. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass sich die neue Bibliothek zu einem beliebten Treffpunkt entwickeln wird, an dem Studierende und Forscherinnen und Forscher gerne ihre Zeit verbringen. Die Mittel des Landes aus dem HEUREKA-Programm wurden hier sehr sinnvoll investiert.“

Die Bibliothek befindet sich am Fuß der historischen Marburger Oberstadt, zwischen Elisabethkirche und Altem Botanischen Garten. In dem Neubau wurden die Bestände von neun geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichsbibliotheken sowie der zentralen Universitätsbibliothek zusammengeführt. Dies ermöglicht längere Öffnungszeiten und fördert interdisziplinäres Arbeiten. Die alte UB entsprach nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Bibliothek: Sie war deutlich zu klein geworden; es fehlten vor allem Gruppenarbeitsräume und Computerarbeitsplätze. Zudem arbeiten heute deutlich mehr Studierende in der Bibliothek als früher.

„Räume ermöglichen Entwicklung und in diesem Sinne hat die UB Marburg mit ihrem neuen Bibliotheksgebäude beste Voraussetzungen, um Forschende, Lehrende und Studierende mit zeitgemäßen Diensten zu unterstützen“, erläuterte Bibliotheksdirektorin Dr. Andrea Wolff-Wölk. „Dabei geht es nicht nur um die klassische Literatur- und Informationsversorgung. Die Bibliothek versteht sich als zentraler Lern- und Arbeitsort, der durch seine differenzierten und offenen Raumangebote universitäres Leben und Lernen fördern möchte.“

In der neuen Universitätsbibliothek sind auf 18.500 Quadratmetern Fläche rund 1.250 moderne Nutzerarbeitsplätze entstanden, allesamt mit Zugang zu WLAN. Ein Großteil der Einzelarbeitsplätze ist in sogenannten "Leseinseln" bei den Freihandbereichen angeordnet. Die Bibliothek will nicht nur ein stiller Lernort sein, sondern auch ein Ort der wissenschaftlichen Interaktion und der Kommunikation. Daher stehen neben rund 727 Einzelarbeitsplätzen auch unterschiedlich große Gruppenräume zur Verfügung. Ergänzt wird das Angebot durch ein Medienzentrum, in dem in Zukunft audiovisuelle Medien nicht nur bearbeitet sondern auch produziert werden können. Die umfangreichen Altbestände der Bibliothek sind in einem klimatisierten Sondermagazin aufgestellt und können in dem angeschlossenen Lesesaal und Seminarraum genutzt werden.

Eine Besonderheit stellen die Lounge-Bereiche dar. Ausgestattet mit Sesseln und Sofas, sollen sie dem Arbeiten in entspannter Atmosphäre und als Kommunikationsorte dienen. Veranstaltungs- und Ausstellungsräume sollen die Bibliothek zu einem kulturellen Zentrum universitären und städtischen Lebens machen. Dazu trägt auch die im Erdgeschoss der UB gelegene Cafeteria „CoLibri“ bei, die circa 240 Plätze bietet und vom Studentenwerk Marburg betrieben wird.

Die Baukosten von rund 120 Millionen Euro (inklusive Gerätekosten) werden durch das HEUREKA-Programm (Hochschul-Entwicklungs- und Umbauprogramm: RundErneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre in Hessen) des Landes Hessen getragen. Der Entwurf für das Gebäude stammt von dem Darmstädter Architekturbüro Sinning.

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    Das viergeschossige Bibliotheksgebäude fügt sich harmonisch in die historische Umgebungsbebauung ein. Höhe und Farbgebung nehmen Bezug auf die historischen Nachbarbauten: Die rote Sandsteinfarbe von Elisabethkirche und Schäfer-Bau findet sich im Atrium wieder, der helle Putz der angrenzenden Gründerzeitbauten bestimmt die Farbigkeit der Fassaden. Das 190 Meter lange, zweifach geknickte Gebäude wird von einem gläsernen Atrium diagonal durchschnitten. Über das Atrium gelangen die Besucherinnen und Besucher in die Bibliothek. Zugleich dient die von einem geschwungenen Glasdach überspannte Halle auch als öffentlicher Durchgang und verbindet auf diese Weise die Bibliothek mit der Stadt. Auch im Innenraum greift der Neubau die Besonderheiten Marburgs auf: Die Vorsprünge der Atriumfassaden zitieren die typischen Fachwerkgassen, die große Freitreppe und die „Leseterrassen“ erinnern an die Topographie der Oberstadt.
    Ein in den 1920er Jahren errichtetes, inzwischen denkmalgeschütztes Gebäude, die ehemalige Hautklinik, wurde grundlegend saniert und für die Bibliotheksverwaltung umgebaut. Ein zweigeschossiges Medien- und Informationszentrum verbindet das Verwaltungsgebäude mit der Bibliothek.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Campus FirmaneiCampus Firmanei

    Der Campus Firmanei ist das zentrale Projekt für die Marburger Universitätsentwicklung im Lahntal innerhalb des HEUREKA-Programms des Landes Hessen. Seit 2007 wird daran gearbeitet, neben dem Erhalt starker und historisch bedeutsamer Einzelstandorte in der Innenstadt, die über die ganze Stadt verstreuten und in der Randlage an der Stadtautobahn platzierten Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften um die neue Gesamtbibliothek zusammenzuführen. In die historischen Kliniken und Bauten der Medizin, die die Bibliothek umgeben, sind bereits mehrere Fächer und Einrichtungen umgezogen. Das Centrum für Nah- und Mitteloststudien machte vor rund zehn Jahren den Anfang; es kamen hinzu: Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft, Germanistik, Kultur- und Sozialanthropologie, Schulpädagogik, das Zentrum für Lehrerbildung, die Marburg University Research Academy (MARA) sowie das Dezernat für Internationale Angelegenheiten und Familienservice. Schon seit langem sind die Fächer Geographie und Soziologie sowie das Zentrum für Konfliktforschung auf dem Areal des Campus Firmanei angesiedelt. Auf dem früheren Brauereigelände am Südrand des Campus ist 2016 der Forschungsbau Deutscher Sprachatlas entstanden; ein weiterer Forschungsbau für das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg sowie ein Seminargebäude sind in Planung.
    Auf dem Areal des „Campus Firmanei“ befand sich über Jahrhunderte hinweg eine Niederlassung des Deutschen Ordens. Der Name Firmanei geht zurück auf ein kleines Spital des Deutschen Ordens, das im 13. Jahrhundert an diesem Ort stand.

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