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Geförderte Projekte

Wie unterstützen der Gesetzgeber und die Finanzmarktaufisicht Verbraucherinnen und Verbraucher dabei, informierte Anlageentscheidungen zu treffen?
Transparenzverordnungen, die die Offenlegung von relevanten Informationen zu verfügbaren Finanzprodukten regulieren, zählen inzwischen zu den am häufigsten genutzten Verbraucherschutzmaßnahmen und führen dazu, dass Privatanlegerinnen und -anleger sich einer Flut von Informationen gegenübersehen.

Aber sorgen die umfangreichen Informationspflichten auch wirklich dafür, dass Investoren bessere Entscheidungen treffen können oder wird dieses Ziel in Wirklichkeit gar nicht erfüllt? Eine Überfülle an Informationen ("information overload") kann beispielsweise sogar einen gegenteiligen Effekt haben. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass bislang nur wenig belastbare Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Finanzproduktinformationen für Privatanlegerinnen und -anleger vorliegen.

Mit dem Forschungsprojekt "Mutual fund information disclosure: regulatory compliance, signaling, and investor response", das die Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung ab dem 01.04.2020 über zwei Jahre mit rund 120.000 Euro fördert, wollen Prof. Dr. Stolper und sein Team zum Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Wirksamkeit von Regelungen beitragen, die die Offenlegung von Finanzproduktinformationen vorschreiben. Dabei werden anhand der wichtigsten Vermögensklasse für deutsche Haushalte – offene Investmentfonds – in drei Teilprojekten unterschiedliche Aspekte der Informationsbereitstellung beleuchtet. Zunächst werden die Lesbarkeit und Verständlichkeit von wesentlichen Anlegerinformationen, die seitens der Fondsanbieter bereitgestellt werden müssen, auf den Prüfstand gestellt. In einem weiteren Projekt werden die Auswirkungen einer Intervention untersucht, die Privatanlegerinnen und -anlegern erstmals ein Maß dafür an die Hand gibt, inwiefern das Fondsmanagement sein Wertversprechen einhält, durch geeignete Transaktionen eine Überrendite gegenüber dem Markt zu erzielen. Das dritte Teilprojekt widmet sich schließlich der Frage, ob und inwieweit die bewusste Offenlegung privater Investments von Mitgliedern des Fondmanagements in die von ihnen verwalteten Fonds einen Einfluss auf das Investorenverhalten hat.

Prof. Dr. Stolper und sein Team danken der Fritz Thyssen Stiftung für die Förderung dieses Forschungsprojekts.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Sind Produktinformationen für Investmentfonds verständlich?Sind Produktinformationen für Investmentfonds verständlich?

    Mit der Einführung von zusammenfassenden Produktinformationsblättern (PIBs) für Investmentfonds in 2012, unterstreicht die europäische Finanzregulierung die Wichtigkeit in der Verwendung von einfacher und verständlicher Sprache für die Beschreibung von Finanzprodukten. Zielsetzung ist es dem Privatanleger einen einfacheren und transparenteren Zugang zu Produktinformation für Investmentfonds zu verschaffen. Wir bewerten, ob durch die Einführung von PIBs sowie zugehörige Richtlinien zur Standardisierung und Vereinfachung der Sprache die Verständlichkeit von Informationen für Investmentfonds verbessert wurde. Mittels Methoden automatisierter Textanalyse untersuchen und bewerten wir hierbei erstmals quantitativ im Rahmen einer Vollerhebung alle in Deutschland zum Verkauf registrierten Investmentfonds.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Welchen Effekt haben lokale Veröffentlichungspflichten für Investmentfonds auf Anleger und Anbieter?Welchen Effekt haben lokale Veröffentlichungspflichten für Investmentfonds auf Anleger und Anbieter?

    Leistung und Kosten eines Investmentfonds sollten transparent für den Anleger sein. Während die Kosten eines Investments in Fonds seit langem transparent veröffentlicht werden, wird die Leistung nur in Form von erzielten Renditen veröffentlicht, welche gemäß bestehender Literatur nicht unbedingt Vorhersagekraft für künftige Leistung liefern. Vielmehr scheint es für den Anleger, welcher sich entscheiden in einen aktiv gemanagten Fonds zu investieren, zu verstehen, ob das Fondsmanagement historisch versucht hat "aktiv" den Markt zu schlagen. Seit April 2018 sind eine Reihe der größten US-Investmentfondsanbieter verpflichtet, Privatanlegern neben den Kosten ebenfalls ein Maß für die Leistung, d.h. die "wahre Aktivität" des Fondsmanagements offenzulegen. Wir bewerten die Reaktion der Privatanleger und die angebotsseitige Reaktion der Branche auf diese Intervention. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die vom Regulator intendierten Effekte nicht eingetreten sind: i) die Intervention hat keinen Effekt auf das Portfoliomanagement der Anbieterseite gehabt, ii) Privatanleger sind in nicht in der Lage die entscheidungsrelevante Information der historischen Aktivität des Fondsmanagements rational in Anlageentscheidungen zu übersetzen.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Reagieren Anleger auf bewusstes (strategisches) Signaling des Fondsmanagements?Reagieren Anleger auf bewusstes (strategisches) Signaling des Fondsmanagements?

    "Skin-in-the-Game" (SitG)–private Beteiligungen des Fondsmanagements am eigenen Fonds– ermöglichen es Interessen von Fondsmanagern und Anlegern durch Risikopartizipation in Einklang zu bringen. Seit 2005 sind amerikanische Fondsmanager verpflichtet ihre Anteile an selbst verwalteten Fonds offenzulegen. Jedoch kann die Information für Privatanleger als unzugänglich betrachtet werden, da sie weder standardisiert noch transparent gegenüber diesen ausgewiesen wird. Wir verwenden einen alternativen, für Privatanleger deutlich zugänglicheren, Kommunikationskanal, über den Fondsmanager SitG signalisieren: Aktionärsbriefe. Diese lassen zumeist zwar nicht das exakte Investment des Managers ableiten, liefern sehr wohl aber eine verbale Indikation, ob persönliche Anteile durch das Fondsmanagement gehalten werden. Mit Hilfe von Textanalyse untersuchen wir eine umfassende Stichprobe an Aktionärsbriefen von Investmentfonds (~ 16.000 Beobachtungen). Erste Erkenntnisse zeigen, dass Privatanleger auf bewusstes "Signaling" des Fondsmanagers reagieren. Wir finden signifikante Mittelzuflüsse durch Privatanleger im unmittelbaren Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Aktionärsbriefen, die verbal SitG kommunizieren. Im Gegensatz dazu beobachten wir, dass Privatanleger nicht auf den tatsächlich vom Management investierten Betrag, der alleinig durch Sekundärquellen und spezialisierte Fondsdatenprovider ausgewiesen wird, reagieren.