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Forschungsschwerpunkt Amerindianische & Afroamerikanische Studien

Beispielbild für Forschungsschwerpunkt Amerindianische und Afroamerikanische Studien
Foto: Anja Bohnenberger


Beschreibung

Der Forschungsschwerpunkt Amerindianische und Afroamerikanische Studien umfasst die Beschäftigung mit Sozialorganisation, Sprache, Kunst, materieller Kultur sowie anderen Formen lokaler Wissenssysteme wie Mythologie, Kosmologie und Rituale sowie Geschichte der amerindianischen und afroamerikanischen Bevölkerung der Amerikas im Kontext aktueller Dekolonisierungs- und Selbstbestimmungsprozesse. Ein besonderer Schwerpunkt sind die indigenen Bevölkerungsgruppen Amazoniens, jene der intermediären Zone zwischen den Anden, Mesoamerika und Amazonien, sowie die afroamerikanischen Bevölkerungsgruppen insbesondere der Karibik, Brasiliens und Kolumbiens. Hierbei wird dem Verhältnis zwischen indigenen, afroamerikanischen und nicht-indigenen Bevölkerungsgruppen, zwischen dominanten nationalen und globalen Wissensformen, Konzeptionen und Praktiken und lokalen Weltkonzeptionen und Wissenssystemen besondere Aufmerksamkeit geschenkt und diese im Kontext staatlicher Politiken und globaler Dynamiken, welche Rahmenbedingungen für ethnisch-kulturelle Prozesse und aktuelle indigene Modernitäten setzen,  analysiert. Dabei ergeben sich in der Forschungspraxis Schnittstellen sowohl zur Umwelt-, und Konfliktanthropologie sowie zu der Beschäftigung mit materieller Kultur. Die Auseinandersetzung mit  amerindianischen und afroamerikanischen Bevölkerungsgruppen geht über das Regionalgebiet Lateinamerika und Karibik hinaus und umfasst auch die USA und Kanada.

Die ethnologische Beschäftigung mit den amerindianischen und afroamerikanischen Kulturen der Amerikas blickt auf eine lange Tradition in Marburg zurück. Karl von den Steinen, der zwischen 1884-88 mehrere Forschungsreisen nach Brasilien unternahm, wurde 1890 Privatdozent für Ethnologie an der Philipps-Universität Marburg. Leonhard Schutze-Jena war zwischen 1913 und 1937 in Marburg tätig und legte u.a. wegweisende Arbeiten zur Linguistik und Ethnologie Mittelamerikas vor. Der umfangreiche Nachlass des im hessischen Grünberg geborenen Brasilien-Forschers Theodor Koch-Grünberg (1872-1924) wird von der Ethnographischen Sammlung des Fachgebiets verwaltet und bearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Institutionalisierung des Faches und den Forschungsaktivitäten der an ihm tätigen Professoren der regionale Fokus auf Lateinamerika weiter ausgebaut. Der Forschungsschwerpunkt Amerindianische und Afroamerikanische Studien spiegelt sich auch in den laufenden Forschungsprojekten des Institutes wieder.

 
Mitarbeiter*innen


Prof. Dr. Ernst Halbmayer
Dr. Lioba Rossbach de Olmos
Anne Goletz M.A.  

 
Forschungsprojekte

Sprache und Mythen der Yukpa im Kontext. Zur linguistischen und ethnologischen Verortung eines Außenseiters in der Carib-Sprachfamilie und im nördlichen Andentiefland.

Amerindian Socio-Cosmologies of North-Western South America.
Toward an integrated analysis across Chibcha, Carib and Arawakan language families.

Grenzüberschreitungen:
Die afrokubanische Santería in Deutschland im Spannungsfeld transnationaler Dynamiken.