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Beschreibung des GRKs

Erwartungen – definiert als bedingte Vorhersagen über zukünftige Ereignisse im Sinne von “wenn-X-dann-Y”-Hypothesen – werden häufig selbst dann beibehalten, wenn sie empirisch widerlegt wurden. Dieses Phänomen (hier als „Erwartungspersistenz“ bezeichnet) wurde in unterschiedlichsten Forschungskontexten beobachtet und beschrieben, etwa in der Sozialpsychologie (Persistenz von Intergruppen-Stereotypen trotz positiven Kontakts mit Mitgliedern der Fremdgruppe), der Klinischen Psychologie (Persistenz katastrophisierender Erwartungen trotz kognitiv-behavioraler Psychotherapie) oder der Entwicklungs- bzw. Pädagogischen Psychologie (Persistenz von Leistungserwartungen trotz erwartungsinkompatibler Rückmeldungen bzw. Zensuren). In jeder dieser psychologischen Teildisziplinen wurden entsprechende Konzepte, theoretische Erklärungen und methodologische Ansätze entwickelt. Eine gemeinsame, integrative Perspektive auf das Phänomen der Erwartungspersistenz fehlt jedoch bislang.

Das hier angebotene Graduiertenkolleg wird diese Lücke zu schließen versuchen. Die unterschiedlichen Promotionsprojekte, die im Rahmen dieses Kollegs durchgeführt werden, decken sowohl grundlagenorientierte als auch anwendungsorientierte Teildisziplinen der Psychologie ab. Der hier verfolgte multidisziplinäre Ansatz wird dazu beitragen, das Phänomen Erwartungspersistenz besser zu verstehen und zu konzeptualisieren.

Das beantragte Graduiertenkolleg wird eine Forschungsumgebung schaffen, in der Doktorand/innen die Grenzen ihrer jeweiligen psychologischen Subdisziplin überschreiten. Darüber hinaus sind (1) bedarfsorientierte Unterstützungsangebote, (2) eine optimale wissenschaftliche und soziale Infrastruktur vor Ort sowie (3) eine nachhaltige Internationalisierungsstrategie Grundpfeiler des Betreuungskonzepts.

Der Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg hat einen sehr guten internationalen Ruf und bietet Nachwuchswissenschaftler/innen hervorragende Forschungsbedingungen. Die an diesem Graduiertenkolleg beteiligten Wissenschaftler/innen sind sowohl in der Betreuung und Anleitung von Doktorand/innen als auch in der Durchführung und Koordination von Verbundprojekten erfahren.

Empfohlene Literatur:

  • Rief, W., Glombiewski, J. A., Gollwitzer, M., Schubö, A., Schwarting, R. & Thorwart, A. (2015). Expectancies as core features of mental disorders. Current Opnion in Psychiatry, 28(5), 378–385, DOI:10.1097/YCO.0000000000000184 (beinhaltet ein allgemeines Modell für Erwartungspersistenz und -veränderung in Menschen, welches von einigen der Principal Investigators dieses Projektes entwickelt wurde, sowie weiterführende Literaturempfehlungen)