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Resafa

Archivaufnahme der Hauptkirche Basilika A.
Fotoarchiv: Christliche Archäologie
Archivbild: Die Hauptkirche des spätantiken Pilgerzentrums war über Jahrhunderte religiöses Zentrum der Stadt. (1985, G. Koch)

Zwischen Pilgerstadt, Wüstenruine und gefährdetem Erbe

Resafa in der syrischen Wüste gehört zu den eindrucksvollsten spätantiken Stadtanlagen des Nahen Ostens. Die Stadt war Militärstation, Pilgerzentrum und später auch islamische Residenz – ein Ort also, an dem sich religiöse Verehrung, politische Macht und monumentale Architektur über Jahrhunderte überlagerten. Heute steht Resafa exemplarisch für die komplexe Gefährdung archäologischen Erbes: Naturereignisse, Erosion, Plünderung, Krieg und unterbrochene Restaurierungsarbeit greifen hier ineinander. Gerade deshalb ist Resafa für eine Ausstellung zum Cultural Heritage Management ein besonders aufschlussreicher Fall. 

Resafa auf einen Blick

Ort: Nordsyrische Wüste, nahe Euphrat und Assad-Stausee
Zeit: Römisch, spätantik, umayyadisch
Bedeutung: Militärstation, Pilgerzentrum und spätere Kalifenresidenz
Besonderheit: Monumentale Stadtmauer und christliches Pilgerheiligtum
UNESCO-Kontext: International bedeutende Ruinenlandschaft
Heutiger Zustand: Teilweise erhalten, aber durch Umwelt, Plünderung und Konflikte gefährdet

Ort und historischer Kontext

Stadtplan von Resafa. Die Anlage zeigt die monumentale Struktur der Stadt mit sakralen, urbanen und defensiven Bereichen.
Dr.-Ing. Martin Gussone
Stadtplan von Resafa. Die Anlage zeigt die monumentale Struktur der Stadt mit sakralen, urbanen und defensiven Bereichen.

Resafa liegt am Rand der syrischen Wüste in strategischer Nähe zum Euphrat und an der antiken Heer- und Handelsstraße Strata Diocletiana. Diese Lage machte die Stadt zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Militär, Mobilität und Versorgung.

In römischer Zeit entwickelte sich Resafa aus einer befestigten Station zu einem bedeutenden Zentrum. Später wurde der Ort vor allem als christliches Pilgerziel berühmt, da hier die Verehrung der Märtyrer Sergios und Bakchos lokalisiert wurde. Nach der arabischen Eroberung blieb Resafa weiterhin bedeutend und erlebte unter den Umayyaden eine neue Blüte. Erst im 13. Jahrhundert wurde die Stadt im Zuge der Mongolenstürme endgültig aufgegeben.

Gerade diese lange und vielschichtige Geschichte macht Resafa so besonders: Der Ort war nie nur Militärstandort oder Heiligtum, sondern immer Teil größerer politischer, religiöser und landschaftlicher Zusammenhänge. 

Die Stadt und ihre Monumente

Zu den wichtigsten erhaltenen Baustrukturen gehören:

  • die monumentale Stadtmauer
  • Basilika A als Hauptkirche des Pilgerzentrums
  • die heute weitgehend zerstörte Basilika B
  • weitere sakrale, infrastrukturelle und spätere Wohnstrukturen

Besonders zentral war Basilika A, die als religiöses Zentrum der Stadt diente und über Jahrhunderte hinweg mehrfach erweitert, umgebaut und repariert wurde. Sie war eng mit dem Pilgerkult um den heiligen Sergios verbunden und zeigt, wie religiöse Bedeutung konkrete architektonische Formen hervorbringen konnte.

Ebenso wichtig ist die Stadtmauer, die nicht nur Schutzfunktion hatte, sondern auch repräsentativen Charakter besaß. Sie verweist darauf, dass Resafa nicht nur eine heilige Stadt war, sondern auch eine bewusst monumental inszenierte urbane Landschaft. 

Resafa im Wandel

Der Wandel Resafas ist in mehrfacher Hinsicht sichtbar. Zum einen zeigt die Stadt, wie Monumente über Jahrhunderte hinweg umgebaut, repariert und wiederverwendet wurden. So wurden etwa Bauteile aus der zerstörten Basilika B später in anderen Bereichen der Stadt erneut verbaut.

Zum anderen dokumentiert Resafa auch Prozesse des langsamen Zerfalls. Die Wüstenumgebung konserviert manche Strukturen überraschend gut, setzt andere aber gleichzeitig langfristig unter Druck. Historische Aufnahmen und neuere Fotografien zeigen, dass sich der Zustand vieler Monumente nicht durch ein einzelnes Ereignis verändert hat, sondern durch eine lange Folge von Einstürzen, Erosion, Materialverlust und partiellen Eingriffen.

Gerade darin ähnelt Resafa manchen anderen Orten dieser Ausstellung, ist aber zugleich komplexer: Hier überlagern sich historischer Wandel, natürliche Zerstörung und moderne Eingriffe in besonders dichter Weise. 

Gefährdung und Herausforderungen

Resafa ist heute nicht nur durch einen einzelnen Faktor bedroht, sondern durch mehrere gleichzeitig wirkende Prozesse:

1. Natur und Umwelt

Erdbeben haben über die Jahrhunderte wiederholt zu Einstürzen geführt, besonders deutlich an der fast vollständig zerstörten Basilika B. Hinzu kommen Erosion, unterspülter Baugrund und Überflutungen, die die Stabilität des Geländes weiter beeinträchtigen. 

2. Plünderung

Luftaufnahme von Resafa mit Spuren von Raubgrabungen.
Google Earth - Satellitenaufnahme
Luftaufnahme von Resafa mit Spuren von Raubgrabungen. Die zahlreichen Gräben zeigen, dass nicht nur Monumente, sondern auch archäologische Kontexte massiv bedroht sind.




Ein besonders gravierendes Problem sind die zahlreichen Raubgrabungen, die im gesamten Stadtgebiet sichtbar sind. Laut der Luftaufnahme sind diese Eingriffe noch 2020 deutlich zu erkennen. Sie zerstören nicht nur einzelne Bereiche, sondern den archäologischen Zusammenhang der gesamten Stadt. 

3. Krieg und Besatzung

Zwischen 2011 und 2017 war Resafa vom sogenannten IS besetzt. In dieser Zeit kam es zu illegalen Plünderungen, Vandalismus und weiteren Schäden. Berichtet wird außerdem von der Zerstörung eines Teils der westlichen Stadtmauer, um Fahrzeugen die Durchfahrt zu ermöglichen. Auch solche Eingriffe zeigen, wie schnell selbst monumentale Bausubstanz funktional umgedeutet und beschädigt werden kann. 

Gerade diese Mehrfachgefährdung macht Resafa zu einem der deutlichsten Beispiele dafür, dass Kulturerbe selten nur „von einer Sache“ bedroht ist.

Zukunft und Bewahrung

Grundrissplan Basilika A mit Planung der erforderlichen Maßnahmen
Klessing-Hoffschildt-Architects
Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen an Basilika A. Die Arbeiten dokumentieren, wie technische Stabilisierung und denkmalpflegerische Planung zum Erhalt der Ruinen beitragen sollen
Temporäre Absicherung mit Holzbalken der Basilika A
Klessing-Hoffschild Architects
Temporäre Absicherung mit Holzbalken

   

Trotz dieser Gefährdungen ist Resafa zugleich ein Beispiel dafür, wie wichtig langfristige Dokumentation und internationale Kooperation sein können. Vor 2011 wurden unter Beteiligung der TU Berlin, des DAI und syrischer Behörden umfangreiche Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, insbesondere an Basilika A. Die Arbeiten – etwa Konsolidierungen, temporäre Absicherungen und Lagepläne der Maßnahmen – zeigen, wie sorgfältig und technisch anspruchsvoll solche Eingriffe geplant wurden. 

Auch das DAI-Projekt „Stunde Null“ ist in diesem Zusammenhang wichtig, weil es deutlich macht, dass Wiederaufbau nicht erst mit dem physischen Bauen beginnt, sondern bereits mit Archivierung, Ausbildung, Dokumentation und Wissenssicherung.

Für die Zukunft wären besonders zentral:

  • langfristige Bauwerksicherung
  • weitere digitale Dokumentation
  • Schutz vor Raubgrabungen
  • Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren
  • internationale Programme und Ausbildung zur Konservierung 

Resafa zeigt damit, dass Cultural Heritage Management nicht nur Schadensbegrenzung bedeutet, sondern immer auch Vorsorge, Dokumentation und institutionelle Kontinuität.

Kulturerbe ist oft nicht nur durch einzelne Faktoren bedroht – Orte wie Resafa zeigen, wie Natur, Krieg, Plünderung und Zeit gemeinsam an einer historischen Stadt arbeiten.

Beitrag von: Tyler Hawkes, Maja Löbl, Lara Wolf