26.11.2025 Nachruf auf Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann (1939-2025) Am 22. November 2025 verstarb Frau Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann in Marburg.
Nachruf auf Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann (1939-2025)
Am 22. November 2025 verstarb Frau Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann in Marburg. Der
Fachbereich Evangelische Theologie, das Fachgebiet Religionsgeschichte sowie das Fachgebiet
Religionswissenschaft am FB03 und das Marburger Centrum für Nah- und Mitteloststudien CNMS
trauern über diesen Verlust einer engagierten Kollegin.
Christa-Ursula Spuler wurde am 7. Juni 1939 in Mannheim geboren und machte dort am
Humanistischen Karl-Friedrich Gymnasium im Jahr 1958 Abitur. Als Großnichte des Orientalisten
Berthold Spuler studierte sie Islamkunde, Vergleichende Religionswissenschaft, Semitistik sowie
Germanistik in Heidelberg, Hamburg, München und Bonn, ergänzt um Studienaufenthalte in der
Türkei während ihrer Promotion sowie einen Forschungsaufenthalt als Research-Assistant in Los
Angeles 1962/63.
Nach ihrer Promotion zum Dr. phil. 1967 in Bonn im Fach Turkologie bei Otto Spies mit der Arbeit Das
Türkische Drama der Gegenwart. Eine literaturhistorische Studie (1968) entwickelte sie sich zu einer
namhaften Islamkennerin.
Die ersten Jahre nach ihrer Promotion machte sie im Umfeld des Bundeskanzleramtes in Bonn
Karriere als Regierungsbeamtin und blieb dabei der Forschung treu. Aus der Position einer
Regierungsdirektorin heraus wechselte sie im Jahr 1977 nach Marburg und wurde bis 1980
Mitarbeiterin eines DFG-finanzierten Forschungsprojektes zu religiösen Minderheiten im Islam unter
der Leitung von Albrecht Noth und Tilman Nagel. 1979 heiratete sie den damals in Marburg tätigen
Neutestamentler Prof. Dr. Dr. Hartmut Stegemann.
Ab 1977 war sie Lehrbeauftragte für Türkisch, später für Religionsgeschichte. 1995 wurde sie
aufgrund ihrer langjährigen akademischen Verdienste am Fachbereich Ev. Theologie zur
Honorarprofessorin für Religionsgeschichte mit Schwerpunkt Islam ernannt. 2007 unterstützte sie
das neu begründete CNMS angesichts einer Vakanz im Fach Islamwissenschaft, und bis ins Alter von
75 Jahren lehrte sie regelmäßig am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie in der
Religionswissenschaft.
Für die Evangelische Kirche Kurhessen Waldeck fungierte sie als Beraterin in Islam-Angelegenheiten
und war Mitglied der Ökumenischen Kammer. Ihre mehrfach neu aufgelegte Publikation „Muslime in
Deutschland“ (1998) war lange ein Standardwerk und eine der ersten Möglichkeiten überhaupt, sich
über den sich in Deutschland in der Nachfolge der Arbeitsmigration etablierenden Islam zu
informieren. Ursula Spuler-Stegemann warf einen objektiv-kritischen Blick auf Interaktionen
zwischen politischen Organisationen und religiösen Gruppierungen, ebenso wie auf alltägliche
Formen des religiösen Lebens, etwa Sufi-Gemeinschaften oder Moscheestrukturen. Ein weiteres
Werk, das über Jahre als wesentliche Quelle für eine interessierte Öffentlichkeit galt, war „Die 101
wichtigsten Fragen zum Islam“ (2007). Ihre unbestechliche Haltung spiegelt sich zudem in der in
Kooperation mit Christine Schirrmacher publizierten Arbeit „Frauen und die Scharia: Menschenrechte
im Islam“ (2004). Das Werk beleuchtet die Schnittstellen von Geschlechtergerechtigkeit, religiösen
Normen und Menschenrechten aus wissenschaftlicher und ethischer Perspektive.
Ursula Spuler-Stegemann fungierte als viel beachtete Beraterin öffentlicher Institutionen in
religionspolitischen Fragen zu Islam und Integration. Ihre Gutachten trugen maßgeblich zur
Anerkennung der Aleviten als Körperschaft öffentlichen Rechts in Hessen bei. Sie vertrat eine
dezidiert religionswissenschaftliche, deskriptive Perspektive und war jahrzehntelang eine engagierte
Lehrende an der Philipps-Universität. Auch nach dem Ende ihrer Lehrtätigkeit partizipierte sie
regelmäßig an universitären Vorträgen und Veranstaltungen.