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Neuerscheinungen

Ralf G. Päsler

Ludwig Tiecks ‚Heldenbuch‘. Texte und Materialien

Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Beihefte 27

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Ludwig Tieck zählt zu den Gründungsvätern der modernen Germanistik und Anglistik. Als einer der ersten hat er die Quellen mittelalterlicher Literatur - die Handschriften - studiert. Daraus leitete er ein Programm ab, diese Literatur einem modernen Publikum zugänglich zu machen. Seine Methode beschrieb er in der Vorrede zu seiner Minnelieder-Ausgabe von 1803. Doch war die Erneuerung der mittelalterlichen Literatur kein Selbstzweck – sie sollte vielmehr für eigene literaturtheoretische Positionen nutzbar gemacht werden. Da er mit seinem Vorhaben schnell in Konkurrenz zu ähnlichen Unternehmungen und zur sich universitär etablierenden Germanistik geriet, sind zu Tiecks Lebzeiten nur die Bearbeitungen der Minnelieder, des Frauendienstes und eines Bruchstücks aus dem König Rother (vollständig erst 1979) erschienen. Ralf G. Päsler macht mit diesem Band die noch unpublizierten Bearbeitungen Tiecks sowie eine Reihe seiner dazugehörigen Notizen erstmals zugänglich und zeigt den Gesamtumfang der Studien auf. Sie dokumentieren Tiecks ausgedehnte Forschungen und Kenntnisse der mittelalterlichen Literatur. Für alle weiteren Studien zum Thema bildet der Band somit eine wichtige Grundlage.

Natalija Ganina, Klaus Klein, Catherine Squires, Jürgen Wolf (Hg.)

Deutsch-russische Kulturbeziehungen in Mittelalter und Neuzeit. Aus abendländischen Beständen in Russland

Sonderschriften der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt Band 49
Deutsch-russische Forschungen zur Buchgeschichte Band 4

Christa Bertelsmeier-Kierst

Buchkultur und Überlieferung im kulturellen Kontext

Herausgegeben von Tina Terrahe, Regina Toepfer und Jürgen Wolf

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Der Band enthält eine Zusammenstellung ausgewählter Aufsätze der Marburger Mediävistin Christa Bertelsmeier-Kierst, die für die Publikation überarbeitet, aktualisiert und durch ein Register erschlossen wurden.
Die Untersuchungen umfassen die Themenfelder Literatur- und Überlieferungsgeschichte, Lyrik, Recht, Frauenfrömmigkeit und Boccaccio-Rezeption. Sie werden in der Einleitung in das wissenschaftliche Werk der Autorin eingeordnet, das traditionelle Fächergrenzen überschreitet, den gesamteuropäischen Kontext berücksichtigt und gängige Forschungsauffassungen in Frage stellt.
Christa Bertelsmeier-Kierst richtet ihr Interesse stets auf den kulturellen Kontext und die Materialität von Literatur. Als implizites Lehr- und Forschungsprogramm lässt sich das Konzept einer überlieferungsgeschichtlich fundierten, kulturwissenschaftlich orientierten und komparatistisch ausgerichteten Mediävistik fassen, das für die Zukunft des Faches wegweisend sein dürfte.

 

Benedikt Klein, Bernhard Streck (Hg.)

Luthers große Türkenschriften

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Die drei großen Türkenschriften des Reformators sind hier erstmals in einer benutzerfreundlich transkribierten Ausgabe der jeweiligen Erstdrucke vereint. Vor allem in diesen Texten Luthers spiegeln sich die zeitgenössischen Differenz-Diskurse und protokollieren gut, wie eng bereits zu Beginn des Druckzeitalters politische wie religiöse Agitation miteinander verbunden sind. Sie zeigen weiterhin, dass Kriege immer auch rhetorisch geführt werden und letztlich ein Kampf über Deutungshoheiten und vermeintliche Wahrheiten sind, dass es Kämpfe um die Hegemonie der (Drucker-)Presse, d.h. medialen Vorherrschaft sind und dass auch die Konflikte der Gegenwart als historisch gewachsen verstanden werden müssen.

 

Daniel Könitz (Hg.)

Der Bussard. Edition, Übersetzung und Kommentar

Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Beihefte 24

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Mehr als 160 Jahre nach dem Abdruck einer Bremer Handschrift des "Bussard" in von der Hagens "Gesammtabenteuern" wird die Verserzählung erstmals nach dem textgeschichtlich bisher kaum beachteten Moskauer Codex ediert; hier nennt sich ein bisher unbekannter Vlâgelîn als Dichter des "Bussard". Die Neuausgabe bietet in synoptischer Form die gesamte handschriftliche Überlieferung aus dem 14.–16. Jahrhundert (zwei Handschriften und zwei Fragmente), einen ausführlichen Stellenkommentar sowie eine neuhochdeutsche Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes.

 

Christa Bertelsmeier-Kierst, Rainer Stillers (Hg.)

700 Jahre Boccaccio. Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

Kulturgeschichtliche Beiträge zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit 7

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In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.

 

Natalija Ganina, Klaus Klein, Catherine Squires, Jürgen Wolf (Hg.)

Von mittelalterlichen und neuzeitlichen Beständen in russischen Bibliotheken und Archiven

Ergebnisse der Tagungen des deutsch-russischen Arbeitskreises an der Philipps-Universität Marburg (2012) und an der Lomonossov-Universität Moskau (2013)
Sonderschriften der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt Band 47
Deutsch-russische Forschungen zur Buchgeschichte Band 3

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Im nunmehr dritten Band der internationalen Arbeitsgruppe zur Erforschung abendländischer Handschriften und Drucke in Russland werden weitere zentrale Zeugnisse der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Buchkultur in russischen Bibliotheken aufgearbeitet.
Im Mittelpunkt stehen diesmal außer den im Zuge des 2. Weltkrieges nach Russland verbrachten Stücken auch genuin russische Altbestände in Moskauer und St. Petersburger Sammlungen, so etwa die alten deutschen Moskauer Professorenbibliotheken, die Kupferstiche und Epigramme aus der Porträtsammlung von Philipp Wiegel und einige Dracula-Fassungen aus dem 15. Jahrhundert.
Herausragende Forschungserkenntnisse gibt es ferner zu einem Moskauer Neufund des 'Liber aggregatus in medicinis simplicibus', zum 'Halberstädter Mariengebet', zur Moskauer 'Macer'-Handschrift, zum 'Huysburg-Aristoteles', zu einer bisher unbekannten Handschrift mit Texten der Täuferbewegung sowie einigen mittelalterlichen Gebetbüchern und Psalterien. Ein stückweit gelöst werden konnten auch die Rätsel um die seit dem 2. Weltkrieg verschollene Königsberger Stadtbibliothek. Spuren dieses einzigartigen Bestandes wurden in Moskau entdeckt.

http://www.steiner-verlag.de/reihe/view/titel/60810.html

 

Alissa Theiß

Eine Glockengussanlage vom Gelände der Elisabethkirche in Marburg. Untersuchungen zur mittelalterlichen Glockengießereitechnik

Forschungen des Instituts für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte 1 (Bamberg 2015)

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Bereits in den 1970er Jahren wurde in unmittelbarer Nähe der Elisabethkirche in Marburg eine Glockengussanlage aus dem späten Mittelalter ausgegraben. Die gut erhaltene Anlage konnte damals nicht ausgewertet werden und wird im 1. Band der Forschungen des Instituts für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte erstmals umfassend vorgestellt.
Das Zusammenspiel der Disziplinen Glockenkunde, mittelalterliche Geschichte und Kunstgeschichte ermöglichte, Aussagen zu treffen, die weit über die Erkenntnisse der rein archäologischen Analysen hinausgehen. So konnte nachgewiesen werden, dass die in der Gussanlage hergestellte Glocke noch heute in der Elisabethkirche läutet. Es handelt sich dabei um die spätmittelalterliche Elisabethglocke. Dies ist als besonderer Glücksfall für die Forschung zu werten, da nur sehr selten sowohl die Glocke wie auch die dazugehörende Gussanlage erhalten geblieben sind.
Die Forschungsergebnisse lassen sich sehr gut mit den schriftlichen Überlieferungen zum Guss der berühmten Erfurter Gloriosa parallelisieren, dort fehlen allerdings die archäologischen Zeugnisse. Im Vergleich mit anderen archäologisch untersuchten Gussanlagen in Europa kommt dem Marburger Ensemble aus Glocke samt zugehöriger Gussgrube dadurch eine besondere Stellung im kulturellen Erbe des Mittelalters zu.

https://www.uni-bamberg.de/ubp/verlagsprogramm/reihen/forschungen-des-instituts-fuer-archaeologie-denkmalkunde-und-