10.06.2021 Gastvortrag: „… Sie war als nackte Venus porträtiert in einer sehr anstößigen Weise.“ Die Rolle(n) der Frau im bürgerlichen portrait historié in den Niederlanden, Svenja Lehnhardt (Köln) am 17.06.21

Svenja Lehnhardt (Köln)

Donnerstag, 17.06.21 

18.00 Uhr 

Die Teilnahme ist per Videokonferenz über folgenden Link möglich: https://webconf.hrz.uni-marburg.de/c/lis-jqd-nve-yeg

 

Amsterdam, 1676: Cornelia Lijntjens tritt als Zeugin in der Anklage gegen den Maler Lodewijk van der Helst auf, der eine Bekannte in ‚anstößiger Weise‘ als Venus porträtiert haben soll. Die Porträtierte fordert, dass das Bildnis zerstört werde. Über den Verbleib des Werkes ist nichts bekannt, es haben sich jedoch zahlreiche Porträts niederländischer Bürgerinnen in der Rolle der Liebesgöttin aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Ihre Freizügigkeit erscheint auch heute noch bemerkenswert. Allerdings stellt das Rollenporträt an sich schon einen Verstoß gegen das bürgerliche Decorum dar: Das portrait historié war ursprünglich eine Tradition des Adels, die eigene Person in Verkleidung einer historischen Figur oder gar mythologischen Gottheit zu überhöhen.    

In dem Vortrag wird anhand der Ikonographie der Venus im niederländischen Rollenporträt gezeigt, wie das aufstrebende Bürgertum den höfischen Porträt-typus zur Präsentation genuin bürgerlicher Werte nutze. Die Behandlung des Frauenkörpers in den Bildnissen offenbart außerdem eine Geschlechter-differenz, die Hinweis auf die Funktionsweise der bürgerlichen Rollenporträts gibt. So soll schließlich deutlich werden, dass die Anklage gegen den Maler van der Helst jeder Grundlage entbehrte.

 

Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltung als pdf

 

Kontakt / Organisation: Dr. Lisa Hecht ()