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Indologie und Tibetologie in Marburg

Studiengänge, Abschlüsse, Berufsfelder

Von Roland Steiner

Studium
Foto: Shantipriya

I. Was sind „Indologie“ und „Indo-Tibetologie“?

Unter dem Fach „Indologie“ versteht man die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Sprachen und Kulturen des indischen Subkontinents. Aufgrund der bis heute fortdauernden Kontinuität der indischen Kultur bezieht sich die Indologie auf einen Zeitraum, der von den ersten vorchristlichen Jahrtausenden bis in die Gegenwart reicht.

Unter dem Fach „Indo-Tibetologie“ versteht man die wissenschaftliche Erforschung der Literatur des indischen Buddhismus nach tibetischen Quellen sowie der tibetischen Rezeption indisch-buddhistischen Kulturguts und dessen Weiterentwicklung in Tibet und außerhalb Tibets bis in die Gegenwart. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Erschließung der in den beiden äußerst umfangreichen kanonischen Sammlungen des tibetischen Buddhismus enthaltenen Werke (Kanjur und Tanjur), bei denen es sich zum überwiegenden Teil um direkte Übersetzungen indischer Texte handelt. Tibetische Übersetzungen buddhistischer Texte wurden etwa ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. angefertigt und stellen oft die einzige getreue Wiedergabe von in ihrem Ursprungsland nicht mehr überlieferten indischen Schriften dar.

Die beiden Fächer Indologie und Indo-Tibetologie bedienen sich dabei sowohl philologisch-historischer als auch kulturwissenschaftlicher Methoden; man kann sie deshalb auch als auf Texten basierende Kulturwissenschaften bezeichnen.

Im Rahmen des B.A.-Studiengangs „Historische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften“ (HSLK) kann der „Schwerpunkt Indologie und Tibetologie“ gewählt werden, so dass neben den allgemeinen Grundlagen und Methoden der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Texten verschiedener Kulturen auch die spezifischen sprachlichen, kulturellen und – in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geographie – landeskundlichen Gegebenheiten Indiens und Tibets studiert werden können. Eine weitere Besonderheit der Marburger Indo-Tibetologie besteht darin, dass die tibetologischen Studien auf indologischem und buddhismuskundlichem Grundlagenwissen basieren.

Die verschiedenen Marburger Studiengänge bieten die andernorts kaum noch angebotene Möglichkeit, sich mit allen wichtigen Sprachen des indologischen und tibetologischen Sprachenkanons auf der Grundlage philologischer Methodik zu beschäftigen. Das günstige Verhältnis zwischen der Zahl der Studierenden und der Dozenten garantiert dabei eine intensive persönliche  Betreuung, wie sie in den Massenfächern ganz und gar unmöglich geworden ist.

II. Studiengänge:

1. Bachelor: B.A.-Studiengang „Historische Sprach- Literatur- und Kulturwissenschaften (HSLK)“

Indologie kann wahlweise zusammen mit Tibetologie als „Schwerpunkt Indologie und Tibetologie“ des B.A.-Studiengangs „Historische Sprach- Literatur- und Kulturwissenschaften (HSLK)“
studiert werden. Neben der Beschäftigung mit den klassischen und modernen Sprachen Indiens und Tibets – sowie ihrer Literatur, Geschichte, Philosophie und Religion vom 1. Jahrtausend v. Chr. bis heute – sollen die Studierenden in sechs Semestern die allgemeinen Grundlagen und Methoden der wissenschaftlichen Arbeit mit den schriftlichen Zeugnissen alter Kulturen erlernen. Im ersten Studienjahr können mehrere Fächer (Vergleichende Sprachwissenschaft, Keltologie, Gräzistik, Latinistik, Indologie, Tibetologie, Altorientalistik, Semitistik, Ägyptologie) kennengelernt und dann der Schwerpunkt nach individuellem Interesse gewählt werden. Außerdem können im so genannten „Wahlpflichtbereich 2“ Veranstaltungen anderer Fächer belegt werden (das entspricht ungefähr den früheren „Nebenfächern“).

Zusätzlich zu der fachspezifischen – indologischen oder tibetologischen – Ausbildung ist es das allgemeine Ziel des Studiengangs, den Studierenden zu einer hervorragenden mündlichen und schriftlichen Ausdrucksfähigkeit zu verhelfen. Der Studiengang enthält neben der wissenschaftlichen Ausbildung die Möglichkeit zu einem Praktikum und zu einem Auslandsjahr.

2. Mag. art.: M.A.-Studiengang „Indologie“

Der M.A.-Studiengang „Indologie“ baut auf den in dem fächerübergreifenden B.A.-Studiengang HSLK erworbenen allgemeinen Kenntnissen über die Inhalte und Forschungsfelder der beteiligten Philologien sowie dem besonderen Fachwissen aus dem gewählten indologischen Schwerpunkt auf. Er dient dem vertieften Studium indischer Originalliteratur und der Ideengeschichte der vielfältigen philosophischen und religiösen Strömungen Indiens. Zugrunde gelegt wird dabei stets das zugängliche Quellenmaterial, das mit den Methoden historisch-kritischer Philologie zugänglich gemacht und erforscht wird. Außerdem soll die bereits vorhandene Kenntnis indischer Sprachen ausgebaut und mit dem Studium einer dritten Sprache begonnen werden.

Der Studiengang bietet die – wenn überhaupt – nur noch an sehr wenigen Standorten angebotene Möglichkeit, sich mit mehreren wichtigen Sprachen des indologischen Sprachenkanons auf
der Grundlage philologischer Methodik zu beschäftigen. Neben den bereits im B.A.-Studium erworbenen Kenntnissen im Klassischen Sanskrit und einer weiteren indischen Sprache soll im .A.-Studium eine dritte indische Sprache studiert werden, wobei an die Stelle der einen indischen Sprache auch das Klassische Tibetische treten kann. So ist es möglich, neben dem Sanskrit eine mittel- (z.B. Pali) und eine neuindische Sprache (z.B. Hindi) oder eben Tibetisch (statt Pali oder Hindi) zu studieren. Darüber hinaus besteht durch das Lehrangebot des Fachgebiets Vergleichende Sprachwissenschaft die zusätzliche Möglichkeit, sich sprachwissenschaftlich mit dem vedischen Altindisch zu befassen. Die Absolventen dieses Studiengangs können in Marburg also alle für die Indologie besonders wichtigen Sprachen – Vedisch, Sanskrit, mittelindische und neuindische Sprachstufen unter Einschluss des Tibetischen als der für die Buddhismuskunde wichtigsten nicht-indischen Quellensprache – studieren oder eine Auswahl daraus treffen, die sich aus dem jeweils gewählten Schwerpunkt ergibt.

Neben dem Erlernen einer dritten Sprache dient der Studiengang dem Ausbau der bereits vorhandenen Sprachkenntnisse und dem vertieften Studium der philologischen Methodik. Durch das
Arbeiten mit Handschriften werden die Studierende n darauf vorbereitet, Erstausgaben von indischen Primärquellen zu erstellen. Inhaltlich und methodisch verfolgen die M.A.-Lehrveranstaltungen darüber hinaus das Ziel, fundierte und vertiefte Kenntnisse auf den Gebieten der indischen Religions-, Philosophie- und Kulturgeschichte zu vermitteln und die Studierenden zur Bearbeitung und Darstellung komplexerer Fragestellungen auf der Grundlage von Primärquellen zu befähigen.

III Promotion

Eine Promotion im Hauptfach „Indologie“ oder „Tibetologie“ zum Dr. phil. ist möglich. Informieren Sie sich in der aktuellen Promotionsordnung.

IV Berufsfelder

Die M.A.-Studiengänge „Indologie“ und „Indo-Tibetologie“ sind als forschungsorientierte Studiengänge konzipiert, die es den Absolventen ermöglichen sollen, die wissenschaftlich-universitäre Laufbahn einzuschlagen, sie aber auch für alle Berufsfelder qualifizieren soll, auf denen eine Nachfrage nach historisch und linguistisch spezialisierten Absolventen von Asienfächern besteht
(Wirtschaft, Journalismus, Bibliotheken, Archive und Museen, Public Relations und Marketing, Bildung und Übersetzung, Entwicklungszusammenarbeit, Projektkoordination, Planungsstäbe, internationales Versicherungswesen).

Ergebnisse einer schriftlichen Befragung unserer Absolventen „zum Studienverlauf, zum Übergang aus der Hochschule und zu den Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt“ finden Sie in unserer Absolventenstudie.

V Kontakt

Philipps-Universität Marburg
Fachbereich 10: Fremdsprachliche Philologien
Indologie und Tibetologie
Deutschhausstraße 12
35032 Marburg

Tel.:     06421 28 24741
Fax:     06421 28 24995
E-Mail:
Sek.:   Dagmar Becker
Web:   http://www.uni-marburg.de/de/fb10/iksl/faecher/indologie