16.04.2020 Prof. Dr. Klaus Böhmer verstorben †

Nachruf

Klaus Böhmer hat von 1956-62 an der TH Karlsruhe und an der Universität Hamburg Mathe­matik, Physik und Philosophie studiert. 1962 beendete er sein Studium mit dem Diplom in Mathematik. 1969 folgte die Promotion in Karlsruhe und 1972 die Habilitation, ebenfalls in Karlsruhe. Es folgten Rufe auf C3-Stellen in Göttingen und Paderborn. Klaus Böhmer entschloss sich allerdings, in Karlsruhe zu bleiben, wo er von 1974-80 als C3-Professor tätig war. 1980 folgte er dem Ruf an die Philipps-Universität Marburg als C4-Professor für Numerik. Hier war er intensiv am Aufbau der Angewandten Mathematik beteiligt und unterstützte danach auch die Erweiterung des Fachbereichs um das Fach Informatik. Am Fachbereich war er bis zu seiner Pensionierung 2001 tätig.

Klaus Böhmer hat ein wissenschaftlich äußerst aktives Leben geführt. Man verbindet seinen Namen vor allen Dingen mit der Bifurkationsnumerik. Zu diesem Gebiet hat er einige wegweisende Beiträge geleistet, auf die hier allerdings nicht im Detail eingegangen werden kann. Er war wissenschaftlich recht breit aufgestellt. Nach Anfängen in der Reinen Mathematik wandte er sich der Numerik zu und veröffentlichte sein Buch zur Spline-Theorie. Danach arbeitete er an Defektkorrektur-Verfahren, für die er Grundlagen unter dem Stichwort „Diskrete Newton-Verfahren“ herausarbeitete. Sicherlich einen Höhepunkt seiner Forschungen stellt das Buch „Numerical Methods for Nonlinear Elliptic Differential Equations, a Synopsis“ dar, welches 2010 im renommierten Verlag Oxford University Press erschienen ist. Klaus Böhmer war national und international sehr gut vernetzt und hat unter anderem mit so bekannten Kollegen wie E. Allgower und R. Schaback zusammengearbeitet. Insgesamt hat er im Laufe seines Lebens mehr als 80 wissenschaftliche Arbeiten verfasst und viele Doktoranden betreut. Sehr früh hatte Klaus Böhmer auch die wachsende Bedeutung von Drittmittel-Aktivitäten erkannt und war unter anderem am DFG-Schwerpunktprogramm „Ergodic Theory, Analysis and Efficient Simulation of Dynamical System“ aktiv beteiligt.

Wir haben Klaus Böhmer als einen sehr energischen, stets positiv denkenden Kollegen kennengelernt, der sich stets mit Begeisterung neuen, vielversprechenden Projekten zuwandte. Bis ins hohe Alter verfolgte er die modernen mathematischen Entwicklungen und war als Forscher weiterhin sehr aktiv. Seine Begeisterung galt nicht nur der Mathematik, sondern auch der klassischen Musik. Außerdem hat sich Klaus Böhmer auch intensiv mit theologischen Fragestellungen beschäftigt. Klaus Böhmer entschlief friedlich zu Hause am 25. März 2020.

Marburg, den 16.04.2020
Stephan Dahlke und Bernhard Schmitt