Ein halbes Jahrhundert Vogelzugforschung mit der 'Superfledermaus'

Öffentlicher Vortrag

Veranstaltungsdaten

27. September 2019 20:00 – 27. September 2019 21:30

Hörsaalgebäude, Biegnstraße 14

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Foto:Jean-Lou Zimmermann/Prof. Dr. Bruno Bucherer

Der für die Erfassung und automatische Verfolgung von Flugzeugen konzipierte Zielfolgeradar "Superfledermaus" wurde ab 1968 für Vogelzugstudien eingesetzt. Die Messung der räumlichen Verteilung des nächtlichen Vogelzugs mit auf verschiedenen Elevationswinkeln fixiertem oder konisch rotierendem "Bleistift-Strahl" sowie die Aufzeichnung des Flugverhaltens einzeln verfolgter Vögel blieben über 50 Jahre hinweg weitgehend gleich. Verbessert wurden die Empfängerempfindlichkeit und die im Laufe der Zeit zunehmend automatisierte elektronische Registrierung und Auswertung der Daten. 

Von Beginn an wurde angestrebt, jeweils ganze Zugperioden an speziell ausgewählten Standorten abzudecken und die Radardaten mit gleichzeitig erhobenen Fangdaten und Sichtbeobachtungen zu kombinieren. Die Standorte wurden so ausgewählt, dass spezifische Fragen zur Umweltabhängigkeit des Vogelzugs beantwortet werden konnten.

Anfänglich ging es um den Einfluss von Wind und Wetter auf das Flugverhalten sowie die Intensität, Höhenverteilung und Richtung des Vogelzugs im Schweizerischen Mittelland. Später kamen Studien unmittelbar am Alpenrand, auf Alpenpässen und im Anflugbereich zu den Alpen dazu.

Ab 1991 vergrößerte sich der Einsatzradius: Im Aravatal (150 m unter dem Meeresspiegel) und im Negev-Hochland (470 m ü. M.) stellten wir u.a. fest, dass Zugvögel im Herbst mit den nordöstlichen Passatwinden vorwiegend in Höhen unter 2000 m ü.M. fliegen, während sie im Frühling in die Anti-Passate über 2000 m aufsteigen. Die Höhenschichten mit besten Rückenwinden werden durch auf- und absteigen aktiv gesucht. Das Israelprojekt erbrachte auch bedeutende Erkenntnisse zum Flugverhalten ziehender Greifvögel und Störche. Parallelbeobachtungen an der spanischen Südküste und auf den Balearen (1996-1997) ergaben, dass der Zug über das Festland deutlich stärker ist als der Zug übers Mittelmeer (trotz wahrscheinlicher Attraktionswirkung der Inseln). Bei Málaga schwenken die Zugvögel im Herbst mit fortschreitender Nacht zunehmend auf die E-W verlaufende Küste ein, während auf Mallorca gegen Morgen viele Vögel mit Umkehrzug auf die Insel zurückkehrten.

Im Sahara-Projekt (2003-2004) wurde in Mauretanien neben je einer festen Radarstation an der Küste und 600 km Inland zusätzlich ein auf einem Lastwagen montierter mobiler Radar eingesetzt, der von der Küste bis 1000 km ins Inland vorrückte. Es zeigte sich (vor allem im Herbst) eine starke Abnahme der Zugintensität von der Küste in die Vollwüste. Zudem wurde klar, dass Singvögel ähnliche wie in Israel das Passatwindsystem nutzen und nach einer Zugnacht mehrheitlich in der Wüste rasten. Durchschnittliche Höhenverteilungen von diesen und weiteren Beobachtungsorten zwischen der Ostsee, der europäischen Atlantikküste und den Passatwindgebieten zeigten typische Zusammenhänge zwischen der örtlichen Geomorphologie und den Zughöhen; insbesondere wurde klar, dass Nachtzieher nach der Überquerung eines Gebirgszuges dazu tendieren ihre Flughöhe beizubehalten, auch wenn sie anschliessend tiefer liegendes Gelände überfliegen.

Referierende

Prof. Dr. Bruno Bruderer

Veranstalter

Deutsche Ornithologen Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Roland Brandl und Prof. Dr. Nina Farwig

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