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Quartierswahl und Jagdaktivität von Fledermäusen

Projektleitung

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Foto: Natur 4.0
Prof. Dr. Thomas Nauss
Universitätsprofessor

Umweltinformatik | Fachbereich Geographie | Philipps-Universität Marburg

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Team

Jannis Gottwald
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Umweltinformatik | Fachbereich Geographie | Philipps-Universität Marburg

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Ausgangsbasis

Waldbewohnende Fledermausarten sind als hochmobile Artengruppe auf ein Netzwerk funktionaler Habitatmerkmale angewiesen. Waldstrukturen schaffen Schutz und bieten Jagdgebiete, deren Beutedichte von der Bejagungsfrequenz und Phänologie abhängt. Witterungsbedingungen führen zudem zu Quartierwechseln. Fledermäuse als naturschutzrelevante Gruppe, sowie als Proxy für Habitatbeziehungen begründen die Berücksichtigung in NatNet.

Ziele

  1. Erfassung der zeitlich differenzierten Nutzung von Quartierbäumen und künstlichen Quartieren und die Vorhersage der Nutzung durch Witterungsbedingungen und der Struktur der Quartierbäume (UM2).
  2. Identifikation von zeitlich variablen Jagdgebieten und Vorhersage der Habitatnutzung auf Basis der Insektenphänologie und -häufigkeit (UM2).

Hypothesen

  1. Die tägliche Quartierwahl lässt sich aus den Witterungsdaten vorhersagen.
  2. Künstliche Quartiere werden besser angenommen, wenn die gewonnenen Erkenntnisse zur strukturellen Ausstattung von Quartierstandorten dabei berücksichtigt werden.
  3. Jagdgebietsnutzung verändert sich mit der Phänologie und Dichte der Beuteinsekten.

Arbeitsprogramm

Zum Vergleich zwischen Quartierverfügbarkeit und Nutzung werden Bäume mit potentiellen Quartierstrukturen eingemessen. Zur Feststellung der Quartiernutzung werden während der Aktivitätsphase (April-Oktober, vgl. ÖP2) monatlich zwei weibliche Individuen pro Art in aufeinander folgenden Zeitabschnitten mit Radiosendern versehen und bei Tage gesucht. Mit manuellen Messungen von Wärmebildkameras wird die Position der Kolonie innerhalb des Baumes festgestellt. Mittels Waldstrukturableitung (UM2) wird der Strahlengenuss des Quartierbaumes berechnet und die Temperatur im Inneren geschätzt. Hierfür notwendige Transferfunktionen werden durch Messungen an den mit Baumboxen bestückten Zielbäumen (SN1, ÖP1) abgeleitet und in NatNet integriert (UM2). Zusätzlich werden künstliche Quartiere an unterschiedlich geeigneten Standorten installiert und deren Besatz regelmäßig geprüft. Zur Feststellung der Jagdgebiete wird die Raumnutzung der besenderten Individuen zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten im Monat trianguliert. Gleichzeitig werden die Aktivitäten kontinuierlich durch Ultraschallsensoren an einem Teil der Baumboxen gemessen (SN1) und die Bejagungsdichte und Diversität anhand von Rufsequenzen abgeleitet (UM2, UM3). Die Jagdaktivitäten werden mit dem Insektenbesatz korreliert (UM2) und die Raumnutzung flächendeckend vorhergesagt. Die Generalisierbarkeit basiert auf einem Vergleich mit Daten aus 15 Jahren Planungspraxis.