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Studieninhalte

Allgemeines

Die Studieninhalte leiten sich aus dem Hauptanliegen der Geographie ab: Die komplexe Ursächlichkeit von Raummustern, Raumbeziehungen, Raumprozessen und Raumbewertungen zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären, sowie daraus Konsequenzen für die räumliche Planung zu ziehen.
Gegenstand geographischer Forschung und Lehre ist folglich die Analyse des Wirkungsgefüges Mensch–Umwelt auf unterschiedlichen Maßstabsebenen (lokal, regional, national, international und global). Brandaktuelle Beispiele sind der menschlich verursachte Klimawandel, der Biodiversitätsverlust, Standortdiskussionen von Firmen im Zuge der Globalisierung (z.B. Nokia, Opel), das ansteigende Wachstum der Bevölkerung, die Wasserverknappung in vielen Teilen der Welt oder der zunehmende Einfluss des Tourismus auf die Umwelt.
Die Geographie wird als Fach üblicherweise in die naturwissenschaftlich orientierte Physische Geographie und die sozialwissenschaftlich ausgerichtete Humangeographie eingeteilt. Beide Teilgebiete ergänzen sich jedoch in vielfältiger Weise.

Physische Geographie

Die Physische Geographie befasst sich mit der natürlichen Umwelt. Diese kann als ein komplexes Wirkungsgefüge der Geofaktoren (Gestein, Boden, Relief, Klima und Wasserhaushalt) mit den Biofaktoren (Flora und Fauna) und dem Faktor Zeit verstanden werden. Dazu kommt in immer stärkerem Maße der Faktor Mensch, der diese Teilbereiche nachhaltig beeinflusst und verändert.
Forschungsgegenstand der Physischen Geographie sind die Wirkungen und Interdependenzen der Geo- und Biofaktoren auf die Umwelt. Dabei spielt die Analyse des menschlichen Einflusses eine herausragende Rolle. Ein klassisches Beispiel ist die Sahelproblematik: Armut führt zu einer Intensivierung der Landwirtschaft, die kurzfristig die Erträge erhöht, langfristig aber die Bodenqualität verschlechtert (Bodendegradation). Für Geographen stellen sich hierbei z.B. unterschiedliche Fragestellungen: Wie hängen Armut und Bodendegradation zusammen? Wie kommt es zu der Armut? Welche Maßnahmen beugen einer Bodendegradation vor? Ein weiteres Beispiel ist der Verlust von Artenvielfalt in den tropischen Bergregenwäldern: Um Weideflächen zu gewinnen, greift der Mensch durch Brandrodung massiv in das Ökosystem ein. Eine Folge ist der Artenverlust. Geographen versuchen durch eine Analyse des Ökosystems Bergregenwald herauszufinden, wie der Mensch die Natur nutzen kann, ohne sie zu zerstören.

Die Physische Geographie ist in Marburg durch folgende Teilbereiche vertreten:

  • Geomorphologie (Betrachtung von Geo- und Reliefsphäre),
  • Bodengeographie (Pedosphäre),
  • Klimageographie (Atmosphäre),
  • Hydrogeographie (Hydrosphäre)
  • sowie Biogeographie und Biodiversitätsforschung (Biosphäre),

die in Marburg alle durch Professuren vertreten sind. Die Verbindung zur Humangeographie ist durch die Fokussierung auf die Anthroposphäre gegeben (siehe Sahelproblematik und Artenverlust). Im Sinne eines integrativen Ansatzes steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Lehrtätigkeit die Analyse von Ökosystemen sowie von komplexen Raumstrukturen. In der angewandten Praxis sucht die Physische Geographie nach Verbesserung der Nutzung von Raum und Ressourcen; sie betont die Notwendigkeit einer angemessenen Raum- und Regionalplanung.
Der ökologische Ansatz des Erkennens und Bewertens der Zusammenhänge zwischen Natur, Technik und Gesellschaft steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Lehrtätigkeit in Marburg. Erst mit Hilfe dieser naturwissenschaftlichen Konzeption und Methodik der Landschaftsanalyse können Grundsätze und Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege umweltgerecht erfüllt werden.

Humangeographie

Die Humangeographie befasst sich mit räumlichen Systemen im Bereich des wechselseitigen Beziehungsgefüges von Mensch und natürlicher oder aber der durch den Menschen geschaffenen Umwelt. Es ist ihre Aufgabe, solche Systeme auf unterschiedlichen Maßstabsebenen theoriegeleitet zu beschreiben und zu erklären. Übergeordnetes Ziel ist es hierbei, einmalige oder regelhafte Strukturen, Funktionen und Prozesse in ihrem jeweiligen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Begründungszusammenhang als Resultat der Entscheidungen von Menschen zu analysieren. Ein Beispiel hierfür ist die Analyse von Regionen hinsichtlich ihres Innovationspotentials: Wie können politische Akteure die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistung von Regionen durch geeignete Förderung verbessern? Welche Entwicklungspotentiale haben weniger entwickelte Länder zum Aufbau von Innovationskapazitäten? Ein weiteres Beispiel ist die zunehmende Landschaftsschädigung durch den Ausbau von Stadt- und Infrastrukturen, sowohl in Industrie- wie auch in Entwicklungsländern. Immer mehr Firmen bauen außerhalb der Stadt auf der „grünen Wiese“ ihre Produktionsanlagen, immer mehr Menschen siedeln sich an den Randbereichen der Großstädte an. Dies führt unter anderem zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen, einer funktionale Teilung der Städte und zu einem massiven Flächenverbrauch. Geographen versuchen z.B. herauszufinden, welche Steuerungsmöglichkeiten es für die zunehmenden Probleme in den Großstädten gibt. Aber nicht nur die Großstädte haben durch die Bevölkerungszunahme massive Probleme. Im Gegenzug wird der ländliche Raum immer menschenleerer. Damit einher geht auch ein Verlust von Infrastruktureinrichtungen (Schulen, Einzelhandel etc.). Geographen suchen nach Lösungsmöglichkeiten für die Aufrechterhaltung von Infrastruktureinrichtungen im ländlichen Raum.

Die Humangeographie ist in Marburg durch folgende Teilbereiche vertreten:

  • Geographie der Dienstleistungen, Kommunikation und Innovation,
  • Regionalforschung und -politik,
  • Stadtgeographie und Raumplanung,
  • Wirtschaftsgeographie und Standortforschung,

die Marburg alle durch Professuren vertreten sind. In der Lehre werden weiterhin Bevölkerungsgeographie, Tourismus und Dynamik der Entwicklungsländer behandelt.

Gerade bei der Analyse aktueller Prozesse in Mensch-Umwelt-Systemen werden Erkenntnisse über aktuelle Wirkungszusammenhänge gewonnen, die heutzutage von besonderer Bedeutung für realistische Prognosen und für erfolgversprechende Planungskonzeptionen sind. Dies gilt sowohl für integrative Planungsansätze, wie z.B. in der Regional- oder Stadtplanung, als auch für Fachplanungen in Bereichen wie Arbeit, Wohnen, Bildung, Tourismus oder Verkehr.

Methoden

Neben der Vermittlung von Basiswissen ist die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Methoden von zentraler Bedeutung im Rahmen des B.Sc.-Studiengangs. Auf die solide Kenntnis der Anwendung unterschiedlichster Methoden (Statistik, GIS, Fernerkundung, Interviewführung und –auswertung, Laborpraktika, Altersdatierungen etc.) wird an unserem Fachbereich besonders großer Wert gelegt, um den Studierenden berufliche Möglichkeiten auch außerhalb der Geographie (z.B. Zugang zu IT-Berufen durch Geoinformatik oder Zugang zu Meinungsforschungsinstituten durch empirische Sozialforschung) zu eröffnen.