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Ausbildung von Medizinphysik-Experten für die Röntgendiagnostik

Mit der Einführung des neuen Strahlenschutzgesetzes werden jetzt zusätzlich zu den bereits bisher verpflichtenden Medizinphysik-Experten (MPE) für die Strahlentherapie und die Nuklearmedizin (Fachkunde bisher nach StrlSchV von 2001) Medizinphysik-Experten für die Röntgendiagnostik, Kardiologie und andere klinische Bereiche (Fachkunde bisher nach RöV von 2002) notwendig. Insbesondere werden diese Medizinphysik-Experten neu für die Röntgeneinrichtungen, bei denen höhere Dosiswerte für den Patienten auftreten – Computertomographie und interventionelle Röntgeneinrichtungen –, gefordert. 

Die Tätigkeiten des Medizinphysik-Experten werden in der aktuellen (2018) Strahlenschutzverordnung definiert und umfassen insbesondere die Verantwortung für die Dosimetrie und die Optimierung des Strahlenschutzes von Personen. Weiterhin ist die Mitwirkung bei der Qualitätssicherung, der Auswahl der einzusetzenden Ausrüstungen, Geräte und Vorrichtungen, die Überwachung der Exposition von Patienten, Überwachung der Einhaltung der diagnostischen Referenzwerte, Untersuchung von Vorkommnissen und die Unterweisung und Einweisung der bei der Anwendung tätigen Personen Bestandteil der Aufgaben. 

Die Medizinphysik-Experten für die Röntgeneinrichtungen (MPE Röntgen) stehen in der benötigten Anzahl am Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und müssen zunächst ausgebildet werden. Weiter erschwerend ist dabei, dass die MPE Röntgen, die als Ausbilder in den Kliniken benötigt werden, ebenfalls nicht in ausreichender Anzahl bereitstehen. Es gibt zwar eine Anzahl von Medizinphysik-Experten, die in der Strahlentherapie arbeiten und auch nach alter Röntgenverordnung fachkundig sind, aber nicht die Kenntnisse über die Regelung neuerer interventioneller Röntgeneinrichtungen und Computertomographen und die klinischen Abläufe in der Röntgendiagnostik verfügen, die essentiell für die notwendige Tätigkeit der Optimierung des Strahlenschutzes notwendig sind. 

Daher ist eine Strukturierung des Sachkundeerwerbs mittels externer MPE Röntgen notwendig. Dies wird bereits in der Empfehlung der Strahlenschutzkommission - SSK (Hinzuziehung eines Medizinphysik-Experten bei medizinisch-radiologischen Tätigkeiten vom 25./26. September 2017) angeregt. Ein Modell hierzu ist der weiterbildende Zertifikatskurs „Sachkunde für Medizinphysiker", wie er an der Philipps-Universität Marburg durch den Lehrstuhl für Radiologie und die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikum Marburg in Kooperation mit Partnern aus dem Fachbereich „Life Science Engineering" der Technischen Hochschule Mittelhessen angeboten wird.