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Promotionen

Bis auf Weiteres können keine neuen Dissertationsprojekte aufgenommen werden. (I. Sahmland)

Liebe Doktorandin, lieber Doktorand der Marburger Medizingeschichte,

in der Medizin gehört der Doktortitel – mehr als in jedem anderen Studienfach – zum Berufsbild eines Hochschulabsolventen. Offenbar legen sowohl die Ärzte selbst als auch die Gesellschaft, in der sie leben und arbeiten, immer noch größten Wert auf diesen Titel.

Für Sie als Doktorand bedeutet die Promotion einen Erkenntnisgewinn in vielfacher Hinsicht. Sie müssen nachweisen, dass Sie in der Lage sind, eine wissenschaftliche Fragestellung selbständig zu bearbeiten. Das Medizinstudium ist leider weitgehend verschult. Die Fähigkeit, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten, wird dabei kaum vermittelt. Nutzen Sie also die Chance, auf diesem Wege Einblicke in die medizinische (und bei uns auch in die historische) Forschung zu gewinnen. Ihre Doktorarbeit soll natürlich nicht nur dazu dienen, Ihnen den begehrten Titel zu sichern, sondern soll auch dem wissenschaftlichen Anspruch der Fachwelt genügen.

Sie denken daran, im Fach Medizingeschichte zu promovieren oder haben sich bereits dazu entschieden. Da sich eine medizinhistorische Arbeit von dem unterscheidet, was Sie bisher in Ihrem Studium gelernt haben, wollen wir Ihnen mit Hilfe dieses Leitfadens eine kleine Hilfestellung an die Hand geben.

Die Themen der Medizingeschichte sind vielfältig und bieten viele Möglichkeiten für Doktorarbeiten. Bei einer medizinhistorischen Doktorarbeit handelt es sich im Allgemeinen um eine Literaturarbeit. Das hat den Vorteil, dass Sie örtlich ungebunden von einer Klinik oder einem Labor sind und sich Ihre Zeit frei einteilen können. Sie werden jedoch mit geisteswissenschaftlichen, genauer mit historischen Arbeitsmethoden konfrontiert werden. Auf diesem Gebiet sind Sie Laie, müssen also mit den Arbeitsmethoden erst vertraut werden. Wir bemühen uns deshalb, Sie möglichst individuell zu betreuen.  Wir erwarten jedoch auch von Ihnen, dass Sie sich in regelmäßigen Abständen bei uns melden und über Ihre Arbeitsfortschritte berichten.

Außerdem ist es sehr nützlich und wird vorausgesetzt, dass Sie durch die Vorlesung „Geschichte der Medizin“, Vorträge im Wissenschaftshistorischen Kolloquium und Seminare einen breiten Überblick über das von Ihnen gewählte Fach Medizingeschichte bekommen.

Wann ist der günstigste Zeitpunkt für den Beginn Ihrer Doktorarbeit? Das müssen Sie natürlich selbst entscheiden, aber auf jeden Fall gilt: „So früh wie möglich!“, d.h. spätestens zu Beginn des klinischen Studienabschnitts. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass eine medizinhistorische Arbeit nicht in drei Monaten zu schaffen ist und teilen Sie Ihre Zeit dementsprechend ein. Besonders die letzte Phase des „Schreibens“ erfordert meist sehr viel mehr Zeit als erwartet. Leider müssen wir immer wieder die Erfahrung machen, dass unsere Doktoranden, sobald sie im Berufsleben stehen, keine Zeit mehr haben, ihre Arbeit fertig zu stellen.

Hier also die wichtigsten Punkte für die Anfertigung einer medizinhistorischen Promotion:

Schritt für Schritt in Kurzfassung

  • Der erste und wichtigste Schritt: Sie müssen ein Thema finden. Ehe Sie sich mit ihrem künftigen Betreuer darüber unterhalten, sollten Sie sich über Ihre eigenen Vorlieben klar werden. Welcher Zeitabschnitt oder die Geschichte welches medizinischen Teilgebiets interessiert Sie besonders? Darüber sollten Sie sich mit Ihrem Betreuer verständigen und das Thema eingrenzen und formulieren.
  • Um Ihr Thema zu konkretisieren, ist es am Anfang ratsam, sich einen Überblick über die Forschungslage anhand von wissenschaftlicher Literatur und bisherigen Doktorarbeiten zu verschaffen. Dabei sollten Sie auf Literaturempfehlungen Ihres Betreuers zurückgreifen. Achten Sie darauf, welche Fragen die betreffenden Autorinnen und Autoren gestellt und welche Literatur und Quellen sie jeweils benutzt haben.
  • Erst wenn Sie einen besseren Überblick über Ihr Thema haben und vielleicht auch schon den einen oder anderen Aspekt wissen, der auf alle Fälle bearbeitet werden muss, ist es Zeit für den nächsten Schritt: die Erforschung der Quellen. Dazu müssen Sie sich mit zeitgenössischen Texten und Quellen aus Archiven beschäftigen. Hier geht es darum, Teilfragen zu entwickeln, die im Zusammenhang mit Ihrem Thema stehen.
  • Bei der Bearbeitung von alten Quellen sind paläographische Kenntnisse bzw. Kenntnisse von Hilfsmitteln/Lexika unerlässlich. Ihre Erschließung bedeutet in der Regel einen nicht geringen zeitlichen Mehraufwand, weil alle Texte wortgetreu, aber in moderner Orthographie und Interpunktion transkribiert werden müssen. Außerdem sind bei vielen Texten aus der Zeit vor 1800 gute bis sehr gute Lateinkenntnisse erforderlich.
  • Wenn Sie sich immer besser auskennen, können Sie parallel zu Ihren Forschungen die Gliederung der Arbeit entwickeln. Die Erstellung einer Gliederung kann entweder chronologisch oder systematisch erfolgen.
  • Sobald Sie sicher sind, dass bestimmte Aspekte in Ihrer Arbeit auf jeden Fall behandelt werden müssen, egal, ob Sie schon eine vollständige Gliederung angefertigt haben oder nicht, empfiehlt es sich, erste Kapitel zu schreiben. Sie können auch erst Material sammeln und dann den Schreibprozess in einer konzentrierten Phase angehen, doch zeigt die Erfahrung, dass Sie dann bereits viele Ergebnisse wieder vergessen haben und sich wieder neu erarbeiten müssen. Ausführliche formale Regeln zum Abfassen Ihres Textes erhalten Sie von Ihrem Betreuer.

Das Abfassen Ihrer Promotion wird also im wesentlichen aus folgenden Schritten bestehen:

  • Thema finden
  • Forschen in (Sekundär-)Literatur und Quellen
  • Gliederung der Arbeit
  • Ergebnisse schriftlich fixieren

Und bei Problemen egal welcher Art gilt:

Einfach anrufen und fragen, fragen, fragen.....

Die Grundregeln für die Anfertigung einer Doktorarbeit:

  • Es soll Spaß machen!
  • Viel fragen!
  • Nicht am Detail festbeissen!
  • Ausreichend Literatur lesen!
  • Einen eigenen, kritischen Standpunkt zum Promotionsthema finden!
     

Ihre Mitarbeiter/innen der Marburger Medizingeschichte

Weiterführende Literatur zum Thema medizinische Promotion:

  • Weiß, Christel; Bauer, Axel: Promotion. Die medizinische Doktorarbeit – von der Themensuche bis zur Dissertation. Thieme,  Stuttgart 2001, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart/New York 2008.
  • Promotionen am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg