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Neues vom Langen Anton - Schloss Ambras in Innsbruck besitzt ebenfalls ein Gemälde von Anton

Kürzlich erhielten wir von Dr. Thomas Kuster, Kurator am Museum Schloss Ambras/Innsbruck, Tirol, die Nachricht über ein Bild der dortigen Kunstsammlung, das im Inventar als „Person in Ainem Rothen Klaid, und schwar:zen Mantl, darbey das Thomele Zwer:gen Figur" bezeichnet wird. Laut Dr. Kuster hatte Erzherzog Ferdinand II. offenbar bei einem seiner Hofmaler die Darstellung eines Riesen und eines Zwergs in Auftrag gegeben. Aus einem falschen Traditionszusammenhang heraus wurde der Riese mit dem Italiener Bartolomeo Bona und der (kindliche) Zwerg mit dem Münchner Hofzwerg „Thomele“ gleichgesetzt. Aufgrund sorgfältiger Vergleiche der (spiegelverkehrt gemalten) Gesichtszüge des Dargestellten mit dem Straßburger Holzschnitt-Porträt des „Anthonij Franckenpoint“ gelangte Dr. Kuster nun zu der Überzeugung, dass die jetzige Bezeichnung des Bildes „Der Riese Anton Frank (Franck) mit Zwerg Thomele, vormals: Riese Bartlmä Bona mit dem Zwerg Thomele“ zutreffender ist (https://www.khm.at/de/objektdb/detail/5519/). Interessanterweise konnte er einen Eintrag in den Verzeichnissen der Münchner Kunstkammer nachweisen, der lautet: "Ein gar große dafel, darinnen der groß Mann Anthoni Francopan, bei seinen füeßen ein zwergl gehaißen Thomänl, so bei Erzherzog Ferdinand von Österreich etc. zu Insprug gewesen". Die nahe verwandten Wittelsbacher Herzöge und Habsburger Erzherzöge beschenkten sich gelegentlich gegenseitig mit besonderen Kunstwerken, und so mag eine Kopie des Ambraser Bildes nach München gelangt sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Anton Franck sich jemals in München oder Innsbruck aufgehalten hat. Gleichwohl ist das Porträt ein Beweis für den Bekanntheitsgrad des „Langen Anton“, dessen imposante Figur sogar, wie anzunehmen ist, von einem deutschen Kaiser mit Interesse und Wohlgefallen betrachtet worden sein dürfte.

 Nina Ulrich, Gerhard Aumüller           

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