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Qualitätsstudie: Medizinische Versorgung in kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen mit guten Ergebnissen

Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) hat in einer Studie die Qualität der Behandlung in kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen untersucht. Das Ergebnis: Die angebotenen Therapien sind sowohl für betroffene Kinder und Jugendliche als auch für ihre Eltern sehr hilfreich. "Die Lebensqualität von 85% der betreuten Familien mit psychisch kranken Kindern hatte sich innerhalb eines Jahres deutlich verbessert. Mit diesem Modellforschungsprojekt wurde zugleich ein neuartiges System entwickelt, mit dem objektiv überprüft werden kann, wie erfolgreich die psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung in der praktischen Versorgung ist", erklärt Projektleiter Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Fritz Mattejat vom Institut für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin an der Philipps-Universität Marburg. Unter der Führung der Universität Marburg wurde die Behandlung von 728 Kindern und Jugendlichen in neun kinder- und jugendpsychiatrischen Modellpraxen über ein Jahr lang begleitet. Zu Beginn der Behandlung, drei Monate später und ein Jahr nach der Erstvorstellung wurde mit den Eltern eine standardisierte telefonische Befragung durchgeführt, die durch Fragebogenerhebungen mit Eltern sowie Kindern und den Diagnosedaten des Therapeuten ergänzt wurden.

Eltern bewerten Behandlungserfolg und -zufriedenheit positiv

Insgesamt waren 75-85% der befragten Eltern mit der Betreuung in der kinder- und jugendärztlichen Praxis zufrieden, die Hälfte der Erziehungsberechtigten war sogar "sehr zufrieden". Die Belastung der Eltern und Kinder durch die Krankheit nahm laut der Studie deutlich ab. Auch wenn bei manchen Krankheiten nur in Teilbereichen eine Symptomverbesserung erzielt werden konnte. "80% der Eltern gaben an, dass sich die Probleme, die zu Beginn vorlagen, deutlich verringerten. Die behandelten Kinder litten u.a. unter einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), emotionalen Störungen, Anpassungsstörungen oder Störungen des Sozialverhaltens, wie z.B. Aggressivität. Mehr als die Hälfte der Kinder- und Jugendlichen waren zudem von Entwicklungsstörungen, wie z.B. Sprach- und Sprechstörungen, motorischen Entwicklungsrückständen oder Legasthenie betroffen", so Professor Mattejat. Weder die Eltern noch die Kinder erlebten die psychiatrische Untersuchung und Therapie als belastend. Das Klima in der Praxis empfanden die Befragten überwiegend als freundlich, lediglich bei der Praxisorganisation gab es bei manchen Unzufriedenheit, z.B. aufgrund langer Wartezeiten oder wenig flexibler Terminangebote.

Befragungen wichtiges Hilfsmittel

10% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an seelischen Erkrankungen. Bei ihnen sind die Lebensqualität und das Familienleben häufig extrem beeinträchtigt. Für sie und ihre Angehörigen kann eine objektive Überprüfung des Erfolgs und des Nutzens der kinder- und jugendpsychiatrischen Therapie wichtige Erkenntnisse liefern, um den Behandlungserfolg zu optimieren. "Da die Eltern eine hohe Bereitschaft zeigten und sich etwa 95% von ihnen für eine telefonische Befragung zur Qualitätssicherung aussprachen, könnte dieses neuartige System auch in Zukunft ein wichtiges Hilfsmittel zur Überprüfung der Effizienz der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychiatrischen Problemen sein. Diese Methode ist nicht zu zeit- und kostenintensiv und dennoch sehr aussagekräftig", folgert Dr. Christa Schaff, Vorsitzende des BKJPP.