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Erste Zwischenergebnisse des kjp-Qualitätsprojekts:

75 Prozent der Kinder geht es drei Monate nach Behandlungsbeginn besser.

Eine äußerst positive erste Zwischenbilanz kann im Modellversuch "kjp-Qualität" gezogen werden: 79 % der Eltern sind zufrieden mit der Betreuung durch die kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen, schon nach 3 Monaten geben 75% an, dass es ihren Kindern besser geht als bei der Erstvorstellung in der Praxis und 60 % geben an, die Probleme ihrer Kinder hätten sich verbessert.

"Aus ärztlicher Sicht hatte sich bei den Kindern in den ersten drei Monaten objektiv noch nicht viel am Krankheitsbild verändert. Im ersten Vierteljahr konzentrieren wir Psychiater uns vor allem auf die Diagnosefindung, die Kinder hatten durchschnittlich erst vier Termine in den Praxen. Das bedeutet, die subjektiv empfundene Veränderung geht der objektiven voraus — und bereitet so der sich anschließenden intensiven Therapiephase im besten Sinne den Boden", erläutert Dr. med. Christa Schaff, Bundesvorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und -psychotherapie (BKJPP) und Teilnehmerin an der Studie zur Qualitätssicherung. Das Modellprojekt zur Erfassung der Ergebnisqualität in den ambulanten Praxen für Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde von Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt und Prof. Dr. phil. Fritz Mattejat von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Marburg in Zusammenarbeit mit 9 ambulanten sozialpsychiatrischen Praxen entwickelt. Angesprochen wurden alle Kinder, die zum Projektstart im Sommer 2004 neu in die Praxen kamen. Die jungen Patienten (zumeist im Alter zwischen 8 und 10 Jahren) und ihre Eltern werden zu Beginn ihrer Behandlung, 3 Monate später und nach insgesamt einem Jahr Behandlungsdauer von der in Marburg angesiedelten Studienzentrale telefonisch und schriftlich befragt, wobei nicht nur die psychiatrischen Krankheitssymptome sondern auch die Lebensqualität der Kinder und Eltern erhoben wird.

Das Symposium

Am 4. Juni stellte die Marburger Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Remschmidt und Prof. Mattejat auf einem Symposium in der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie die ersten Ergebnisse vor. Die ca. 100 Besucherinnen und Besucher, vornehmlich selbst in der Kinder- und Jugendpsychotherapie tätig, nahmen interessiert zur Kenntnis, dass sich bereits nach 3 Monaten erste Verbesserungen zeigten, obwohl die Kinder im Durchschnitt erst 3-4 Termine bei den Ärzten wahrgenommen hatten und nur in wenigen Fällen bereits eine Therapie begonnen worden war.

Die Symptomatik

Mehr als die Hälfte der Kinder zeigte nach den ersten 3 Monaten weniger psychiatrisch relevante Symptome, etwa ein Drittel der Eltern berichtete aber auch von einem Anstieg der Symptomatik. In der lebhaften Diskussion, die den Darstellungen der Ergebnisse folgte, betonte Prof. Dr. Mattejat am Samstag allerdings, dass solche ‚Verschlechterungen' vermutlich zu einem großen Teil auf eine sensiblere Problemwahrnehmung der Eltern zurückzuführen seien.

Lebensqualität

Die Lebensqualität der Kinder hatte nach 3 Monaten Behandlung zugenommen. Vor allem die seelische und psychische Verfassung der Kinder wurde von den Eltern positiver beurteilt. Besonders deutlich wurden die positiven Effekte der psychiatrischen Behandlungen in der global subjektiven Einschätzung der Eltern. 61% gaben im Telefoninterview an, die Probleme ihrer Kinder hätten sich in den letzten 3 Monaten verbessert, auf die Frage, wie es ihrem Kind im Vergleich zu der Zeit ginge als sie die Praxis das erste Mal besucht hatten, antworteten sogar 75% der befragten Eltern, es gehe ihrem Kind ‚sehr gut' oder ‚eher gut'.

Eine der Kernfragen der Marburger Studie konnte demnach uneingeschränkt positiv beantwortet werden: Den Patienten geht es nach 3 Monaten besser als zu Beginn der Behandlung.

Darüber hinaus waren die Eltern überaus zufrieden mit der Betreuung, die sie in den kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen erhalten hatten (79% ‚sehr' oder ‚eher zufrieden'). Als besonders erwähnenswert empfanden viele Befragte die angenehme und freundliche Atmosphäre in den Praxen sowie hilfreiche Beratungen und Verhaltenstipps. Allerdings wurde auch negative Kritik geäußert. So kann es in vielen kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen einige Zeit dauern, bis man einen Termin erhält, zudem kritisieren viele Eltern die langen Wartezeiten in den Praxen. "Insgesamt überwog jedoch die positive Einschätzung die Kritik an der Arbeit der niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater deutlich", stellt Dr. Schaff erfreut fest.

Das Modellprojekt kjp-Qualität läuft noch bis zum Mai 2006. Bis dahin möchte die Marburger Arbeitgruppe nachgewiesen haben, dass möglich ist, was von vielen Ärzten noch bezweifelt wird: Qualitätssicherung mit geringem bürokratischem Aufwand, aber tatsächlichem Nutzen für die Ärzte und vor allem die Patienten.