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Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Das Modellprojekt im Überblick

  • Qualitätssicherung (QS) bedeutet für viele einfach nur: Mehr Bürokratie. Unser Projekt wendet sich dezidiert gegen den weiteren Ausbau bürokratischer Strukturen. Vielmehr stellen wir den Aspekt in den Vordergrund, der aus fachlicher Sicht an oberster Stelle stehen sollte: Den Nutzen und Behandlungserfolg für die Patientinnen und Patienten.

  • Bisher existieren im Bereich der Psychotherapie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters noch keine Qualitätssicherungs-Systeme, die es erlauben würden, objektive und zuverlässige Angaben zum Behandlungserfolg und zur Behandlungszufriedenheit zu gewinnen. Die wichtigsten Gründe hierfür liegen in ungelösten Problemen bei der Stichprobengewinnung (systematische Verzerrrungen), bei der Datenerhebung (unzureichende Datenqualität), beim Datenschutz für Patienten und Praxen und in den zu hohen Kosten.

  • Ansetzend an diesen Problemen wurde das kjp-Qualitätssysstem zur externen vergleichenden Qualitätssicherung diagnostischer und therapeutischer Leistungen in der Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters entwickelt. Das im Jahr 2004 begonnene Modellprojekt diente dazu, die Umsetzbarkeit dieses Systems zu erproben, erste Ergebnisse mit dem Verfahren zu gewinnen und es soweit zu "verschlanken", dass es möglichst kostengünstig in die Routine-Versorgung übernommen werden kann.

  • Die Untersuchung wurde als prospektive Längsschnittstudie angelegt (1-Stichproben-Design mit Wiederholungsmessungen). Insgesamt wurden 1182 Patienten in das Projekt aufgenommen; es werden Erhebungen zu 3 Zeitpunkten durchgeführt (1. Woche, 3 Monate, 1 Jahr). Die Laufzeit betrug 2 Jahre. Im ersten Projektjahr wurden die Patienten neu in das Projekt aufgenommen, im zweiten Projektjahr wurden nur Folgebefragungen durchgeführt. Es wurden 727 Fälle mit vollständigen Längsschnitt-Datensätzen ausgewertet.

  • Das Projekt wird realisiert durch neun kinder- und jugendpsychiatrische Modellpraxen in Zusammenarbeit mit der an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Philipps-Universität Marburg angesiedelten Studienzentrale. Die Organisation und wissenschaftliche Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. F. Mattejat und Prof. Dr. Dr. H. Remschmidt.

  • Die Ergebnisse zeigen, dass mit dem kjp-Qualitätssystem ein kostengünstiges und aussagekräftiges Verfahren zur Erfassung der Ergebnisqualität vorliegt, das in der Zukunft nicht nur für die Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, sondern auch für andere Bereiche der medizinischen Versorgung sehr attraktiv sein wird.

  • Es ist vorgesehen, das kjp-Qualitätssystem in weiteren Modellprojekten und in der Routineversorgung einzusetzen.