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Lehr- und Forschungsschwerpunkte des Arbeitsbereiches "Empirische Unterrichts- und Wissenschaftsforschung"

Unter den Bedingungen gesellschaftlicher Modernisierung unterliegen auch die Erwartungen an die Leistungen öffentlicher Erziehung einem ständigen Formwandel. Indikatoren für den aktuellen Formwandel sind die international-vergleichenden Schulleistungsuntersuchungen (TIMSS, PISA, IGLU), die Einführung von Lernstandserhebungen, Bildungsstandards, verkürzte Schulzeiten (G 8), Ganztagsschulen, aber auch die rechtlichen Veränderungen bei der Beschulung ‚behinderter‘ Kinder („Inklusion“), der gestiegene Einfluss neuer Medien und Lernkulturen auf das Unterrichtsgeschehen sowie die Folgen sozialen Wandels (Migration, soziale Ungleichheit).

Forschung

Laufendes Forschungsprojekt: "Von der Förderschule zur inklusiven Regelschule. Eine mikroethnographische Studie zu pädagogischen Praktiken in der Etablierungsphase eines neuen Bildungsgangs am Beispiel der Carl-Strehl-Schule" (Laufzeit 04/2018 – 07/2020)

Im Arbeitsbereich „Empirische Unterrichts- und Wissenschaftsforschung“ werden die Folgen des sozialen, gesellschaftspolitischen, schulorganisatorischen und pädagogischen Wandels für die Praxis des Unterrichts mit den Mitteln der Allgemeinen Erziehungswissenschaft empirisch untersucht. In Mikroanalysen des Interaktionsgeschehens geht es darum, die Mehrdimensionalität des sozialen, zugleich pädagogischen und didaktischen Geschehens im Unterricht realistisch zu beschreiben, um so zur operativen Struktur- und Prozesslogik des Schulunterrichts und zu seinem Formwandel vorzudringen.

Neben dem Schulunterricht wird im Arbeitsbereich „Empirische Unterrichts- und Wissenschaftsforschung“ die Schulpädagogik/Unterrichtsforschung zu einem Gegenstand der Forschung gemacht. Aus der Perspektive einer erziehungswissenschaftlichen Wissenschaftsforschung wird mit dem Ziel der disziplinären Selbstaufklärung nach den Methoden, Konjunkturen und Themenfelder der Schulpädagogik/Unterrichtsforschung als einer wissenschaftlichen Disziplin gefragt.

Lehre

Lehrveranstaltungen im Arbeitsbereich „Empirische Unterrichts- und Wissenschaftsforschung“ setzen auf die Universität als einen Ort, an dem es um die systematische, theoriegeleitete und empirische Durchdringung von Sachverhalten im Medium der Wissenschaft geht. Die qualitativ-empirische Schul- und Unterrichtsforschung, die den wissenschaftstheoretischen Rahmen des Arbeitsbereiches absteckt, liefert der universitären (Lehrer-)Bildung ein methodisches Prinzip, das die Verbindung von Forschung und Lehre als Fallarbeit/Kasuistik begründet. Ihre Aufgabe ist es, Studierende historisch und systematisch in die Tradition schulpädagogischen Denkens einzuführen und ihnen durch theoriegeleitete Analysen des Unterrichtsgeschehens einen realistischen Blick auf die Organisation Schule, das Interaktionssystem Unterricht und die aktuellen Herausforderungen des Lehrerhandelns zu eröffnen.

In diesem Sinne erstreckt sich die Ausbildung von professioneller Handlungs- und Urteilskompetenz künftiger Lehrkräfte auf die methodisch-didaktische Planung/Gestaltung von Unterricht, die bildungstheoretische Reflexion von Lehr-Lernprozessen, aber auch auf den Umgang mit (Planungs-)Ungewissheit, die der Unterricht als Interaktionssystem mit sich bringt; sodann auf die Einschätzung der Lebens- und Sozialisationsbedingungen heutiger Schüler und die Fähigkeit, den Lehrberuf schultheoretisch und -historisch, bildungspolitisch aber auch im Horizont der jeweils eigenen Biographie kritisch einzuordnen.