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Jahresfeier 2013 | 6. Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht mit Professor Udo di Fabio

Das Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse feierte am 21. November 2013 im Rahmen der Jahresfeier sein zehnjähriges Bestehen. In diesem Rahmen fand auch die mittlerweile zur Tradition gewordene 6. Marburger Vorlesung zum Völkerstrfarecht statt. Wir durften in diesem Jahr Professor Udo di Fabio als Gastredner begrüßen.

Es war ein Projekt des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte und der University of California, Berkeley, aus dem das Internationale Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) vor nunmehr zehn Jahren hervorging. Innerhalb dieser Zeit gelang es einem Team aus Rechtswissenschaftlern, Historikern, Politikwissenschaftlern und Friedens- und Konfliktforschern das Zentrum  zu internationaler Anerkennung zu führen. Seit fünf Jahren ist das Zentrum fest an der Philipps-Universität etabliert. Diese beachtliche Entwicklung galt es am 21. November in Marburg zu würdigen.

Foto Jahresfeier 2013 Panel Marburger Rathaussaal
Foto: ICWC

In den frühen Nachmittagsstunden begann das Festprogramm zunächst mit einem dreistündigen interdisziplinären Werkstatttreffen. Im gut besuchten historischen Rathaussaal der Stadt Marburg diskutierten Vertreter des ICWC gemeinsam mit Vertretern aus der Praxis und weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von verschiedenen deutschen Hochschulen grundsätzliche Fragen des Völkerstrafrechts. Von höchster Stelle der völkerstrafrechtlichen Praxis, nämlich vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, erwies dabei Richter Dr. Hans-Peter Kaul dem Zentrum seine Ehre. Die Werkstattgespräche vor und mit einem breiten Publikum aus Fachleuten, Studierenden und interessierten Bürgern hatten die aktuell viel diskutierten Themen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Völkerstrafrechtliche Vorgesetztenverantwortlichkeit“ zum Gegenstand und wurden durch Impulsreferate aus der jüngsten Forschungsarbeit der ICWC-Nachwuchswissenschaftler Christian Pöpken, M.A., und Dr. Alena Hartwig-Asteroth eröffnet. Hieran schloss sich am Abend die eigentliche Festveranstaltung in der Alten Aula der Phillips-Universität an.

Foto Jahresfeier 2013 Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio
Foto: ICWC

Einige hundert Besucherinnen und Besucher füllten den Saal bis auf den letzten Platz und ließen den Abend mit ihrer Anwesenheit so zu einem feierlichen Ereignis werden. Höhepunkt war dabei die "6. Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht", die, gleichsam als Festvortrag, Professor Dr. Dr. Udo di Fabio, ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts, hielt. Unter dem Titel "Die Strafgewalt der Weltgesellschaft" spannte di Fabio einen weiten Bogen von den ethischen Grundlagen des staatlichen Gemeinwesens und den damit verbundenen Grundlagen der Legitimation des staatlichen Strafens zu dem heutigen Anspruch einer "Weltgesellschaft", schwerwiegende Verbrechen im internationalen Rahmen zu ahnden. Letztlich, so di Fabio, sei es die "Verbindlichkeit der Menschenwürde" die Gesellschaften zum Strafen berechtige. So wie im Rahmen einzelstaatlichen Handelns müsse dieser Gedanke auch auf die Weltgesellschaft übertragen werden und die Menschenwürde auch für internationale Gerichte zum verbindlichen Maßstab werden. 

Foto Jahresfeier 2013 Prof. Dr. Katharina Krause
Foto: ICWC

Nach Grußworten der Präsidentin der Philipps-Universität Professor Dr. Katharina Krause und des stellvertretend für alle am Zentrum beteiligten Fachbereiche sprechenden Dekans des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften, Professor Dr. Christian Kleinschmidt – beide hoben die trotz finanzieller Knappheit so erfolgreiche Entwicklung des interdisziplinären Ansatzes des Zentrums und seine Bedeutung für den "Forschungsstandort Marburg" hervor –, machte zunächst aber der Geschäftsführende Direktor des Zentrums, Professor Dr. Christoph Safferling, LL.M., den Auftakt. Er gab einen spannenden Bericht über die Entwicklung des Zentrums seit dem Jahr 2003 und über den aktuellen Stand der vielfältigen Tätigkeiten des ICWC. Der Direktor hob hierbei neben dem neuesten Zuwachs der beeindruckenden Aktenbestände im Rahmen des Dokumentationsauftrags des ICWC besonders die aktuellen Forschungsprojekte und Veröffentlichungen hervor. Auch in der internationalen Zusammenarbeit sei das Zentrum seit seiner Gründung engagiert und dieser Aspekt werde stetig weiter ausgebaut: So habe man erst kürzlich das chinesische Forschungsinstitut "Einheit 731" als Partner gewonnen. Professor Safferling bedankte sich bei allen, die für das Zentrum Verantwortung übernehmen und betonte das außergewöhnliche Engagement der aus verschiedenen Fachrichtungen kommenden Mitarbeiter, die die erfolgreiche Entwicklung erst möglich gemacht hätten. Neben dem Festredner konnte er noch weitere Vertreter des Bundesverfassungsgerichts, des Bundesgerichtshofs, verschiedener weiterer Justizeinrichtungen, verschiedener Universitäten und insbesondere eine große Zahl Studierender verschiedenster Fachbereiche zum Festakt begrüßen.

Foto Jahresfeier 2013 Monitors
Foto: ICWC

Seinen gebührenden Platz an diesem Abend hatte auch das am Forschungs- und Dokumentationszentrum angesiedelte Marburger "Trial-Monitoring Programme", in dem Marburger Studierende zu zertifizierten Prozessbeobachtern ausgebildet werden, die bei internationalen Gerichtsprozessen zum Einsatz kommen können. Wie Professor Safferling betonte, handelt es sich beim Marburger "Trial-Monitoring" um "eine Ausbildungsmöglichkeit, die in dieser Form einmalig ist." Zum erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung wurden "Monitoring-Zertifikate" an die Studierenden Sabrina Manteuffel, Nicolai Bülte, Maik Fielitz, Laura Mennonna, Zohra Hadjizada, Katrin Wagener, Anne Lang und Ruth Theile verliehen. Der Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaften, Professor Dr. Hans-Detlef Horn, und die Direktoren des ICWC, neben Safferling der Historiker Professor Dr. Eckart Conze, gratulierten den "Monitors" dazu herzlich. Auch mit ihren Qualifikationen können sie einen Beitrag dazu leisten, was Conze in Hinblick auf die historisch-forschende und dokumentarische Tätigkeit des Zentrums als Ziel nannte: "Wir deuten die Vergangenheit des Völkerstrafrechts, um die gegenwärtige Entwicklung mitgestalten zu können." Seinen Ausklang fand dieser Jubiläumstag bei einem Stehempfang im historischen Kreuzgang der Universitätsaula, bei dem so manches interdisziplinäre Gespräch bei einem Glas Wein fortgesetzt werden konnte und sicher auch die Gestaltung der Gegenwart immer wieder Thema war.