18.12.2018 Bilder-Dialog: Ludwig Rinn über die Sammlung Hilde Eitel

Foto: Daniel Bubel

Beim ersten Bilder-Dialog im frisch sanierten Kunstmuseum Marburg erläuterte der Kunsthistoriker und Sammler Ludwig Rinn Entstehung und Konzept der Sammlung Hilde Eitel, die zur Wiedereröffnung des Museums vollständig ausgestellt ist. Mitte der 1980er Jahre begegnete Rinn der Marburger Unternehmerin Hilde Eitel, als er nach einem Gemälde von Otto Ubbelohde recherchierte. Ludwig Rinn berichtete nun, wie er überrascht und begeistert war, im Hause Eitel weitere Schätze moderner Kunst zu entdecken und Hilde Eitel als leidenschaftliche Kunstsammlerin kennen zu lernen.

Schon während ihrer Tätigkeit als Designerin im Familienunternehmen der Marburger Tapetenfabrik erlebte sie auf Reisen und bei Besuchen der documenta die aktuelle Kunstszene. Zudem arbeitete sie mit Künstlerinnen und Künstlern wie Rupprecht Geiger oder Niki de Saint Phalle zusammen, die Tapetenentwürfe für ihr Unternehmen kreierten. In der Einschätzung Ludwig Rinns folgte sie bei dieser Verbindung von Kunst und Design dem Vorbild des Bauhauses. Die Bauhaus -Tapete hatte nicht nur einen Verkaufserfolg gebracht, sondern auch eine soziale Wirksamkeit: eine Akzeptanz der Moderne durch die Aufnahme in die private Lebenswelt.

Fasziniert von der Ästhetik der zeitgenössischen Avantgarde begann Hilde Eitel ab den 1950er Jahren Kunstwerke zu erwerben. Mehr als dreißig Jahre später entwickelte sie gemeinsam mit Ludwig Rinn die Idee, ihren Besitz zu einer Museumssammlung zu erweitern und an die Bestände der Moderne im Kunstmuseum anzuschließen. Auf die Frage, welchen Impulsen Hilde Eitel folgte bei der Auswahl der Arbeiten von Lucio Fontana, Josef Albers, Jean Dubuffet, Yves Klein, Otto Piene, Hans Mack, Günther Uecker, Cy Twombly und vielen anderen, nannte Ludwig Rinn rein ästhetische Empfindungen von farblichen Klängen und körperlichen Gestaltungen, die die gesamte Komposition aus Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen bestimmen. Auch wenn Hilde Eitels Projekt mit der Ankunft der Werke im Museum den erwünschten Abschluss erfahren habe, so betonte Ludwig Rinn, bestünde doch die Notwendigkeit, ihre Sammlung als ein Zeitgespräch zu verstehen und sie für die heutige Wahrnehmung durch fortgesetzte Reflexionen und Kommentare lebendig zu halten.

Marija Marchuk

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