Hauptinhalt

In der guten Stube

Das Gemälde zeigt eine karg eingerichtete, von zwei niedrigen Fenstern erhellte Stube mit Tisch, zwei Bänken und zwei Stühlen. An der linken Wand hängt ein Spiegel, in der Fensternische ist links ein Blatt an die Wand geheftet. Auf dem Tisch liegen Bücher, von denen eines aufgeschlagen ist. Die Wände sind ockerfarben gestrichen und unten mit einem grünen Streifen versehen. Der rechte Teil des Raumes ist um zwei Stufen erhöht.
© Bildarchiv Foto Marburg

Carl Bantzer
Ziegenhain 1857 – 1941 Marburg
Bauernstube in Ockershausen, 1882
Öl auf Leinwand, auf Pappe aufgezogen, 50 x 63,5 cm
Leihgabe des Magistrats der Stadt Marburg 1993

Das Gemälde zeigt eine karg eingerichtete, von zwei niedrigen Fenstern erhellte Stube mit Tisch, zwei Bänken und zwei Stühlen. An der linken Wand hängt ein Spiegel, in der Fensternische ist links ein Blatt an die Wand geheftet. Auf dem Tisch liegen Bücher, von denen eines aufgeschlagen ist. Die Wände sind ockerfarben gestrichen und unten mit einem grünen Streifen versehen. Der rechte Teil des Raumes ist um zwei Stufen erhöht.
© Bildarchiv Foto Marburg

Durch zwei Fenster mit dunklen Sprossen fällt seichtes Licht in eine spärlich eingerichtete Bauernstube. Links an einem Wandvorsprung hängt ein Spiegel und daneben in der Fensternische wurde ein Blatt Papier an die Wand geheftet. Das einzige Mobiliar bilden zwei Sitzbänke und ein massiver Holztisch mit zwei rustikalen Holzstühlen. Zwei Treppenstufen führen auf der rechten Seite in einen weiteren Raum, der durch den Bildrand aus dem Blickfeld gerät.

Trotz der ärmlichen Einrichtung verströmt der dunkle Raum eine ruhige und geborgene Atmosphäre, nicht zuletzt wegen des indirekten Lichteinfalls. Es sind keine Menschen zu sehen, die den Raum bewohnen, doch könnte jeden Moment eine Person aus dem Nebenraum zurückkehren. Sie würde die Treppenstufen hinuntergehen und sich wieder auf den Stuhl unter der Fensternische setzen, um in dem noch aufgeschlagenen Buch weiterzulesen. Fühlt man sich beim ersten Blick in diesen Raum allein, erweckt das Buch als tragendes narratives Element die Hoffnung, dass sich jemand dazu gesellt und ist Symbol für die gleichzeitige Ab- und Anwesenheit einer Person.

Carl Bantzer malte in diesem Werk, welches zu seiner Studienzeit an der Berliner Kunstakademie entstand, eine Bauernstube im einstigen Dorf Ockershausen. Die Darstellung eines Wohnraumes in Ockershausen, einem heutigen Stadtteil Marburgs, gibt Aufschluss über die Herkunft des Künstlers. Nach dem Tod seines Vaters zog Carl Bantzers Mutter mit ihren vier Söhnen von Ziegenhain nach Marburg, wo der Maler seine Jugend verbrachte. Im Kunstwerk kommen Bantzers künstlerischen und heimatverbundenen Interessen zum Ausdruck, welche er während seiner Zeit in Willingshausen einige Jahre später vertiefte. In den Sommermonaten reiste er in die Schwalm, fertigte Skizzen seiner Umgebung an und verbrachte gesellige Abende im Gasthaus Haase. Die später im Atelier entstandenen Gemälde, die das Landleben der bäuerlichen Bevölkerung zeigen, machten ihn berühmt.

Karin Eisenkrein

-