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Carl Bantzer, Frühlingsmorgen

© Bildarchiv Foto Marburg

Carl Bantzer
Ziegenhain 1857-1941 Marburg
Frühlingsmorgen, 1891
Öl auf Leinwand, 65 x 88,5 cm
Ankauf 1957

Das Aufblühen des Lebens

Carl Bantzer zählt zu den bekanntesten Vertretern der Willingshäuser Malerkolonie. Insbesondere die Darstellungen bäuerlicher Genreszenen faszinierten den Künstler sein Leben lang und erlangten große Bekanntheit.

Bantzer Frühling
© Bildarchiv Foto Marburg

Das Gemälde „Frühlingsmorgen“ aus dem Jahr 1891 entstand vermutlich in Dresden und zeigt einen nach rechts ansteigenden, mit unzähligen Blumen bedeckten grünen Wiesenhang. Der Hintergrund wird von einer teilweise zerfallenen Mauer und zahlreichen unbelaubten Bäumen gesäumt. Der rechte obere Bildausschnitt lässt einen schmalen Streifen des graublauen Himmels erkennen. Ein Jungbaum am linken Bildrand, der von einem Holzpflock gestützt wird, erzeugt durch seine Positionierung in vorderster Bildebene den Eindruck von Tiefenräumlichkeit. Eine am Hang stehende, leicht aus dem Zentrum gerückte junge Frau stellt das Hauptmotiv dar. Liebevoll hält sie ein Kleinkind auf ihren Armen. Sie trägt ein dunkles Kleid mit blauer Schürze und ist mit offenem Blick den Betrachter/innen des Gemäldes zugewandt.

In dem vom Künstler verwendeten Farbspektrum dominieren Grün- und Brauntöne, die von kräftigen Akzenten in Gelb und Weiß ergänzt werden. Das Gemälde lässt Bantzers selektive Aneignung der impressionistischen Malweise erkennen. So setzt sich die den Vordergrund bestimmende Blumenwiese aus einer Vielzahl von kurzen Pinselstrichen und flirrenden Farbtupfern zusammen. Bei deren Betrachtung entsteht eine optische Farbmischung. Durch diese dem Impressionismus entlehnte Malweise entsteht ein besonders lebendiger Bildeindruck, der den Betrachter/innen die Frische eines Frühlingsmorgens anschaulich vermittelt. Die weiteren Bildelemente, die Mutter mit ihrem Kind und der junge Baum im Vordergrund, weisen dagegen eine eher naturalistische Ausführung auf. Beide Malstile konnte Bantzer zu einem harmonischen Gesamteindruck vereinen, der die im Bild thematisch angelegte Wirkung von Ruhe und Geborgenheit verstärkt. Goldene Sonnenstrahlen beleuchten die Szenerie und hüllen sie in weiches Licht. Besonders die junge Frau und ihr Kind werden auf diese Weise optisch hervorgehoben. Ihre erhöhte Positionierung im Bild wird durch die sich an den Hang schmiegenden Schatten der umliegenden Bäume betont.

Die den Hügel überziehenden Blüten, Vorboten des Frühlings, leiten das Erwachen der neuen Jahreszeit ein. Der noch zarte Baum im Vordergrund kann als ein Symbol des Lebens gedeutet werden. Mit seinem Gemälde „Frühlingsmorgen“ thematisiert Carl Bantzer auf einfühlsame Weise nicht nur das Aufblühen der Natur, sondern auch das Aufblühen eines neuen Lebens, verkörpert durch das Kind im Arm seiner Mutter.

Winona Lisette Michel