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Karl Lenz, Braut in Mardorfer Tracht

Frau in traditioneller Mardorfer Hochzeitstracht. Hinter der von Blumengewächsen umgebenen Braut zeigt sich eine Dorflandschaft.
© Bildarchiv Foto Marburg

Karl Lenz
Frankfurt a. M. 1898 – 1948 ebenda
Braut in Mardorfer Tracht, 1935
Öl auf Leinwand, Holz, 42 x 35,5 cm

Frau in traditioneller Mardorfer Hochzeitstracht. Hinter der von Blumengewächsen umgebenen Braut zeigt sich eine Dorflandschaft.
© Bildarchiv Foto Marburg

Der hessische Maler Karl Lenz porträtierte in diesem Werk eine Frau in traditioneller Hochzeitstracht. Die Dargestellte sitzt in aufrechter Haltung im Dreiviertelprofil am vorderen Bildrand. Ihre Hände liegen ruhig auf ihren Oberschenkeln, während sie den Blick in die Ferne richtet und sich vom Betrachtenden abwendet. Ungewöhnlich an diesem Porträt ist, dass die Dargestellte nicht im Innenraum positioniert wurde, sondern, dass sich hinter der von Blumengewächsen umgebenen Braut eine Dorflandschaft präsentiert. Zu sehen sind Fachwerkhäuser, Misthaufen, Bäume und im Hintergrund eine blasse Hügellandschaft.

Auffällig zeigt sich im Vordergrund die farbenfrohe, detailreiche Hochzeitstracht des katholischen Dorfes Mardorf im Erbsdorfergrund, in der Nähe von Amöneburg. Neben der Schwälmer Tracht, die vor allem von den Willingshäuser Maler/innen dargestellt wurde, ist die Hinterländer Tracht, als Zeugnis der einstigen Trachtenvielfalt Mittelhessens, die zweitbekannteste Form. Unterschieden wird zwischen sehr verschiedenen regionalen Formen der evangelischen und der katholischen Tracht. Die Mardorfer Tracht, wie im Porträt von Karl Lenz zu sehen, ist eine Form der katholischen Marburger Tracht, deren Kennzeichen ein besonderer Farbenreichtum ist.

Unübersehbar erscheint das „Offgesetz“, die florale Brautkrone auf dem Haupt der Porträtierten, von der aus ein bunt-geblümtes Seidenband den Rücken entlang hinabfällt. Ebenso einprägsam ist die opulente rot-weiße Spitzenkrause sowie die auf dem darunter gelegten weißen Brauttuch befestigten blauen Bänder, die sogenannten „Quäst“. Farblich bilden sie eine Ergänzung zu den um die Ärmel gebundenen, blau-grünen „Moirebändern“. Die „Quäst“ zeichnen sich, wie die Bänder der Brautkrone, durch eine bunte, florale Bestickung aus. Die eng geschnürte, lebhaft kolorierte Kleidung wirkt in Anbetracht der Emotionslosigkeit im Ausdruck der Dargestellten und dem Fernbleiben der Hochzeitsfeierlichkeiten jedoch eher beklemmend als festlich.

Das Entstehungsjahr 1935 von Karl Lenz Braut in Mardorfer Tracht verbindet das Werk mit der Zeit des Nationalsozialismus, in welcher die Kunst zum Spielball innerhalb der nationalsozialistischen Ideologie wurde. Regionale Motive, wie Dorflandschaften oder Trachten, deren Detailreichtum oder Farbenpracht wir heute vordergründig bewundern, wurden als häufige Beispiele der völkisch-nationalistischen Heimatkunst gesehen. Der Künstler selbst, der aus Frankfurt am Main stammte, in Erdhausen lebte und 1935 im Marburger Universitätsmuseum ausstellte, war bei der Entstehung des Porträts bereits seit zwei Jahren Mitglied der NSDAP. Seine Faszination mit der bäuerlichen Lebenswelt, deren Sitten und Brauchtum, entwickelte sich jedoch schon früh innerhalb seiner künstlerischen Schaffenszeit und es entstand eine Vielzahl von Werken, die die Arbeit und den Alltag im ländlichen Hessen dokumentieren.

Karin Eisenkrein

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