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Interaktion | Institution | Innovation

Angehörige der Philipps-Universität diskutieren und entwickeln die Zukunft ihrer Universität

  • Hier: Ein Nachbericht.

Außerdem:

Ein Nachbericht

Am 2. und 3. November 2017 kamen Angehörige der Philipps-Universität unter dem Titel Interaktion | Institution | Innovation zu zwei Veranstaltungen in Marburg zusammen. Den Auftakt bildete eine Podiumsdiskussion in der Alten Aula, bei der Präsidentin Katharina Krause sich mit Gästen aus Aachen, Hohenheim und Maastricht sowie einem sehr engagierten, etwa 120 Personen umfassenden Publikum, über innovative Konzepte für die Universität der Zukunft austauschte.

Die Erkenntnisse der Podiumsdiskussion dienten am nächsten Tag 80 Angehörigen der Philipps-Universität als Ausgangspunkt für ein „Zukunftsforum“, bei dem Angehörige aller universitären Gruppen gemeinsam Ideen und Projekte zum Ausbau der fächerübergreifenden Interaktion an der Philipps-Universität erarbeiteten. Die Veranstaltungen wurden organisiert vom Projekt „UMR 2027 – Interaktion in Forschung und Lehre ausbauen“, das unter der Leitung von Prof. Dr. Krause seit Oktober 2016 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wird.

Interaktion in Forschung und Lehre ausbauen

„Universität lebt vom gemeinsamen Denken, Experimentieren und Diskutieren, lebt von Interaktion. Das möchten wir wieder stärker in den Vordergrund rücken.“ So beschrieb Frau Krause die Motivation hinter UMR 2027. Den Weg dahin möchte die Projektleitung nicht streng vorgeben sondern gemeinsam mit allen Angehörigen der Universität entwickeln. „Wir wollen, dass Sie die Idee formen, dass wir alle die Idee sind“, beschrieb Prof. Dr. Evelyn Korn, Vizepräsidentin für Studium und Lehre, den geplanten Prozess bei der Eröffnung der Podiumsdiskussion.

Ein von Studierenden gedrehter Film zum Thema „Interaktion an der UMR“ führte in das Thema ein, dann übernahm Moderator Martin Zierold, Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Vorstellung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde: Prof. Dr. Doris Klee, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs der RWTH Aachen, Prof. Dr. Martin Blum, Leiter des Projekts „Humboldt reloaded“ der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Martin Paul, Präsident der Universität Maastricht sowie die Präsidentin der Philipps-Universität Prof. Dr. Katharina Krause.

Interaktion | Institution | Innovation – Der Auftakt

Martin Zierold, Doris Klee, Martin Blum, Katharina Krause und Martin Paul diskutieren bei
Foto: Markus Farnung

Prof. Klee berichtete bei der Podiumsdiskussion vom „Aachener Weg“, einem speziellen Personalentwicklungskonzept, das darauf abzielt, Netzwerke zu stärken und vielfältige Karrierewege zu ermöglichen, z.B. durch die Weiterbildung von Forschenden zu „Science Managern“. Prof. Blum stellte dem interessierten Publikum in der Alten Aula das Projekt „Humboldt reloaded“ der Universität Hohenheim vor, welches Bachelorstudierende in Doktorarbeiten und andere aktuelle Forschungsprojekte einbindet, auf gänzlich freiwilliger Basis, extracurricular und mit großem Erfolg. In Maastricht arbeitet man an Strukturen, die es ermöglichen, Forschung und Lehre enger zu verzahnen und darüber hinaus dauerhaft dynamisch auf Veränderung zu reagieren, auch auf Veränderungen der Fächer und Fachgrenzen.Aus Sicht der Präsidentin der Philipps-Universität ist eine der drängendsten Zukunftsaufgaben der zunehmenden Vielfalt der Studierenden gerecht zu werden. Universität sollte Studierende bedarfsorientiert auf die Zeit nach dem Studium vorbereiten, ihnen aber gleichzeitig die Haltung der Wissenschaft zur Welt zu vermitteln. Außerdem betonte Prof. Krause die Wichtigkeit von Austausch und Kommunikation und der Förderung entsprechender Strukturen.

Formate zu entwickeln, die diesen Austausch ermöglichen und verbessern, war Fokus der Veranstaltung am nächsten Tag: Interaktion | Institution | Innovation – Das Forum. 80 Lehrende, Studierende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung arbeiteten in acht Gruppen an den Oberthemen fächerübergreifendes Miteinander, Spezialisierung vs. fachliche Breite für den wissenschaftlichen Nachwuchs, Studium in 5 Jahren, gemeinsame Fragen für Forschung und Lehre, Lehre für Forschung und Forschung für Lehre nutzbar machen, studentische Arbeitsergebnisse sichtbar machen sowie gesellschaftlich aktuelle Herausforderungen in der Universität thematisieren.

Interaktion | Institution | Innovation – Das Forum.

Eine der Kleingruppen beim Ausarbeiten ihrer Projektidee.
Foto: Katja John

In einer ersten Workshop-Phase am Vormittag wurden die Themen, moderiert von Mitgliedern des Projektbeirats und der Lenkungsgruppe von UMR 2027, in Kleingruppen exploriert, bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer daraus konkrete Ideen ableiteten. Jeweils eine Idee wurde nach dem Mittagessen dann zu einem mehr oder minder konkreten Projektvorhaben weiterentwickelt. Zwischendurch bestand Gelegenheit, an den Prozessen und Ergebnissen der anderen Arbeitsgruppen teilzuhaben. Im Foyer des Hörsaalgebäudes kam man, beim Betrachten von Arbeitsergebnissen oder einer Tasse Kaffee, leicht ins Gespräch mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Am Ende des Tages stellten die Gruppen ihre Ergebnisse vor. Diese reichten von Ideen für Entwicklungsprozesse bis hin zu bereits terminlich festgelegten Veranstaltungen.

  • Für den Ausbau des fächerübergreifenden Miteinanders ist ein „Creative Lab” in der neuen Universitätsbibliothek angedacht, in dem Angehörige der Universität miteinander Ideen für fächerübergreifende Formate entwickeln und weiter denken ().

  • Mit einem „Tag der Zentren“ könnten bereits existierende Kooperationen sichtbarer gemacht und gleichzeitig Studierende für Forschung begeistert werden. Ein mittelfristiges Ziel könnte zudem die Formulierung einer klaren Strategie „Interdisziplinäre Universität“ sein ().

  • Speziell für den wissenschaftlichen Nachwuchs soll in enger Zusammenarbeit mit den Fächergruppen die gewünschte Verortung im Spannungsfeld Spezialisierung und fachliche Breite ausgelotet werden. Daraus könnte mittelfristig ein „Leitbild Marburger Wissenschaftler-Persönlichkeit“ entwickelt werden; hierfür ist ein Workshop-Tag geplant ().

  • Für die Weiterentwicklung von Studienformaten wird sich eine Projektgruppe auch über das Forum hinaus u.a. mit der Option eines Kollegs beschäftigen, in dem Forschende verschiedener Fächer Studierenden ihre Projekte vorstellen. Insbesondere möchte die Gruppe aber bereits vorhandene Formate sichten, bündeln und weiterentwickeln ().

  • Auf der Suche nach mehr Freiraum für fächerübergreifende Exploration für Studierende und Lehrende wurde darüber nachgedacht, ein entsprechendes Modul in den Studiengängen zu verankern.

  • Themen für fächerübergreifende Forschung und Lehre zu finden und entwickeln wird der Fokus eines „Bar Camps“ sein. Hierfür steht sogar bereits ein Termin fest: der 20. April des nächsten Jahres ().

  • Eine weitere Gruppe möchte Wege finden, studentische Arbeitsergebnisse sichtbar zu machen; in Zusammenarbeit mit AStA und Fachschaftenkonferenz sollen dafür sowohl virtuelle als auch tatsächliche Räume entwickelt werden, außerdem wird über eine Anreizstruktur nachgedacht.

  • Schließlich wurde auch das Thema Wirkung der Universität nach Außen bedacht, die Wirkung der Wissenschaft auf die Gesellschaft. Hierfür soll ein Forum für Dialog entwickelt werden, um das an der Universität vorhandene Wissen besser in die Öffentlichkeit zu tragen ().

Vernetzen | Entwickeln | Gestalten

Versammlung der
Foto: Katja John

Aus der engagierten Arbeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums ist eine Fülle von Ideen für die weitere Gestaltung von Forschung, Lehre und Studium an der Philipps-Universität hervorgegangen. Ganz nebenbei wurden außerdem viele neue Kontakte geknüpft. Spürbar war auch der belebende Effekt den Austausch und Interaktion auf Augenhöhe. Derart inspiriert und motiviert wollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jetzt der Weiterentwicklung der erdachten Projekte widmen. Auch neue Interessierte sind dabei herzlich willkommen. Das Team von UMR 2027 wird diese Prozesse, je nach Wunsch und Bedarf der Beteiligten, unterstützen.„Wir erfinden uns immer wieder neu. Wir verändern und entwickeln uns seit 500 Jahren und wir werden das auch weiter tun“, sagte Prof. Dr. Michael Bölker, Vizepräsident für Forschung, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und Internationales zum Ende der Veranstaltung. Wohin die Entwicklung der nächsten Jahre gehen soll, wurde durch das Forum klar: Hin zu mehr fächerübergreifendem Austausch an der Philipps-Universität, zu mehr Raum für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Innovation.