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Erfahrungsbericht zur Zusatzqualifikation im privaten Baurecht

Von Jonas Freitag

 

Mein Entschluss zur Teilnahme

Die unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Voit stehende Zusatzqualifikation im privaten Baurecht, die der Fachbereich Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg seit dem Wintersemester 2004 / 2005 durchgehend anbietet, hat bereits mit dem Beginn meines Jura-Studiums im Jahr 2007 mein Interesse geweckt. Damals hatte ich noch keine konkrete Vorstellung von dem, was mich bei einem Entschluss zur Teilnahme erwarten würde. Als empfohlener Einstieg für Studenten wurde auf der Homepage der Zusatzqualifikation das 5. Fachsemester genannt. So lag für mich eine etwaige Teilnahme damals noch in relativ weiter Ferne. Aufgrund der neuen Eindrücke in meinem Studium und der Konfrontation mit den vielen neuen, von mir zu erlernenden Bereichen der Rechtswissenschaft, gerieten in den dann kommenden zwei Jahren auch meine Gedanken an eine Teilnahme etwas in den Hintergrund. Als mein 5. Fachsemester dann immer näher rückte und ich mich mitten in den Vorbereitungen für die mittlerweile „großen Scheine“ befand, stellte sich die Frage, ob ich mir tatsächlich die durch eine Teilnahme an der Zusatzqualifikation entstehende Mehrarbeit zumuten sollte. Diese Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht, mich dann aber für eine Anmeldung entschieden. Beim Entschluss für die Teilnahme war vor allem die einzigartige Gelegenheit, mich von der Masse meiner Kommilitonen absetzen zu können, ausschlaggebend. So viel will ich bereits vorwegnehmen: Ich habe es nie bereut!

 

Die Vorlesungen

Mein Einstieg fand im dritten Semesterturnus der Zusatzqualifikation und damit in dem letzten halben Jahr der insgesamt auf drei Semester ausgelegten Zusatzqualifikation statt. Zu meiner Freude fanden sich einige mir bereits bekannte Gesichter bei den Neuangemeldeten. Zu einigen von ihnen habe ich auch noch heute guten Kontakt. Mein Anfang der Qualifikation im letzten Abschnitt der Ausbildung war aufgrund der mir bis dahin völlig unbekannten Rechtsgebiete, wie zum Beispiel das Architekten- oder Vergaberecht, mit Sicherheit etwas schwieriger, als wenn ich bei Beginn eines neuen Durchgangs eingestiegen wäre. Die Konfrontation mit dem gänzlich Unbekannten hatte aber gleichzeitig auch seinen speziellen Reiz. Durch eine konsequente Nachbereitung des in den Vorlesungen vermittelten Stoffes war es mir bereits von Anfang an möglich, die Klausuren mit vernünftigen Resultaten zu lösen. Das lag auch an den erfahrenen Dozenten, bestehend aus Richtern, Anwälten und Professoren, ohne die das Erlernen der Grundlagen der teilweise recht schwierigen Rechtsgebiete mit Sicherheit nicht möglich gewesen wäre.

Inhaltlich deckt die Zusatzqualifikation das gesamte private Baurecht ab. Für mich am prägendsten war meine vertiefte Auseinandersetzung mit den Regelungen des BGB. In dieser Form hätte ich mich ohne die Zusatzqualifikation wohl nicht so intensiv mit den §§ 631 ff. BGB, den Schadensersatznormen der §§ 280 ff. BGB oder anderen Normen des allgemeinen und besonderen Schuldrechts auseinandergesetzt. Die enorme Examensrelevanz der Zusatzqualifikation im privaten Baurecht darf meiner Meinung nach nicht unterschätzt werden. Dadurch, dass ich die Systematik des Werkvertragsrechts verinnerlichte und für mich kein Sachverhalt in diesem Bereich mehr zu schwierig erschien, machten mir auch Fälle mit kaufvertraglichem Einschlag keine Probleme. Ein doppeltes Erlernen von Kauf- und Werkvertragsrecht ist aufgrund der weitgehenden Übereinstimmungen und Ähnlichkeit der Regelungen, wie beispielsweise die auf die §§ 280 ff. BGB verweisenden Gewährleistungsrechte oder das Verjährungsrecht, nicht erforderlich. Doch nicht nur das konkrete Erlernen der Regelungen im Rahmen der Zusatzqualifikation war für mein Examen förderlich. Auch die Auseinandersetzung mit vielen unbekannten Rechtsgebieten schulte meine Fähigkeit der systematischen Herangehensweise an einen Fall. Ohne es übertreiben zu wollen denke ich, dass mein Ergebnis im ersten Staatsexamen auch zu großen Teilen auf die Teilnahme an der Zusatzqualifikation zurückzuführen ist. Eine vergleichbar gute Ausbildung in einer solchen, relativ kurzen Zeitspanne, habe ich ansonsten noch nicht erlebt.

 

Mein Lernaufwand

Neben der Anwesenheit der vierstündigen Präsenzveranstaltung in den Räumlichkeiten der Uni Marburg mittwochnachmittags habe ich für die gelegentliche Vor-, vor allem aber für die regelmäßige Nachbereitung des Vorlesungsstoffes ohne Frage Zeit investiert. Selten waren das aber mehr als ein paar Tage im Monat. Letztlich war es für mich ohne weiteres möglich, begleitend während meines regulären Jura-Studiums die Zusatzqualifikation zu besuchen und mich auf die Klausuren im privaten Baurecht sicher vorzubereiten. Gegenteiliges habe ich von meinen Kommilitonen auch nicht gehört. Die Klausuren nur mit der Anwesenheit bei den Vorlesungen zu bestehen mag vielleicht für den einen oder anderen auch möglich sein. Sollte man einen gewissen Anspruch an seine Leistungen haben, so ist der Lernaufwand auch nicht zu unterschätzen. Etwas Belastbarkeit und Ausdauer verlangt die Zusatzqualifikation in jedem Fall ab.

 

Mein Praktikum

Das einmonatige Pflichtpraktikum der Zusatzqualifikation habe ich nach Ablegung der Klausuren bei einer auf privates Baurecht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei in Frankfurt a. M. absolviert. Dieses Praktikum wurde auch zugleich als mein Pflichtpraktikum für das erste Staatsexamen anerkannt. Das Praktikum hat mir interessante Einblicke in den Bereich des privaten Baurechts ermöglicht, die ich in dieser Form noch nicht hatte. So habe ich zum Beispiel nicht nur an interessanten Besprechungen mit Mandanten teilgenommen, Akten studiert oder Schriftsätze verfasst, vielmehr erhielt ich auch den Einblick in den alltäglichen Beruf des Baurechtsanwalts. Dabei habe ich festgestellt, dass das zuvor im Rahmen der Vorlesungen der Zusatzqualifikation Erlernte in jeder Weise einen praxisnahen Bezug aufweist. Nicht zuletzt wird das auf die Dozenten der Zusatzqualifikation zurückzuführen sein, die – soweit für mich ersichtlich – ausnahmslos großen Bezug zur Baupraxis aufweisen oder in ihrer beruflichen Laufbahn aufgewiesen haben. Gleichzeitig kam dabei die gebotene wissenschaftliche Dogmatik, die nach meiner Auffassung auch ein guter Baujurist verinnerlicht haben sollte, nicht zu kurz.

 

Das Seminar

Um das Zertifikat erhalten zu können, musste ich noch ein Seminar absolvieren. Hier stellte sich für mich die Frage, ob ich die Seminararbeit zugleich für meinen universitären Schwerpunktbereich des Rechts der Privatperson schreiben sollte. Dafür sprach natürlich klar der zeitliche Gewinn, den ich haben würde, wenn ich die „zwei Fliegen“ (die Seminararbeit für den Schwerpunktbereich sowie die Arbeit für die Zusatzqualifikation) „mit einer Klappe schlagen“ würde. Dagegen sprach, dass ich noch keinerlei Erfahrungen mit dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten hatte. Mir war klar, dass sich eine Hausarbeit, die ich für die „kleinen“ und „großen“ Scheine zu schreiben hatte, von einer Seminararbeit stark unterscheidet. Ausschlaggebend für das Schreiben der Seminararbeit ausschließlich im Rahmen der Zusatzqualifikation war letztlich die – seitens des Instituts von Herrn Prof. Dr. Voit – angebotene Möglichkeit der Vorkorrektur der Arbeit.

Das Thema meiner Seminararbeit lautete „Die Beurkundungsbedürftigkeit des Bauvertrages im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Grundstücks“. Meine Arbeit wurde dann von dem damals dafür zuständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter vorkorrigiert. Dabei erhielt ich wertvolle Verbesserungsvorschläge und Tips, wodurch mir auch die Anfertigung der Arbeit für meinen Schwerpunktbereich deutlich leichter fiel. In diesem Zusammenhang ist das fabelhaft ausgestatte Baurechtsabteil der juristischen Unibibliothek im Savignyhaus hervorzuheben. Dieses ist stets aktuell und mit der relevantesten Baurechtsliteratur, die am Markt erhältlich ist, ausgestattet. Ermöglicht wird dies durch einige großzügige Verlage, die die Zusatzqualifikation unterstützen.

 

Résumé

Aufgrund meiner in der Vergangenheit geführten, zahlreichen Gespräche mit Rechtsanwälten, Richtern und Unternehmensjuristen, bin ich mir sicher, dass der Markt für Baujuristinnen und Baujuristen bei weitem nicht gesättigt ist. Im Gegenteil: Sehr viele Kanzleien und Rechtsabteilungen von Unternehmen suchen händeringend nach Nachwuchs in diesem Bereich. Die universitäre Ausbildung behandelt trotz der enormen praktischen Relevanz das private Baurecht nach wie vor extrem stiefmütterlich. Hinzu kommt meiner Einschätzung nach eine – woher auch immer stammende – Berührungsangst vieler Juristen mit dem Bereich des privaten Baurechts. Durch das erfolgreiche Absolvieren der Zusatzqualifikation im privaten Baurecht grenzt man sich in erheblicher Weise von der Masse ab. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Tatsache, dass die Zusatzqualifikation im privaten Baurecht und der Name des für sie mitverantwortlichen und leitenden Professors Voit deutschlandweit bei Baujuristen bekannt sind. Mein Eindruck ist zudem, dass die Dozenten der Zusatzqualifikation die vorhandene Kommentarliteratur wesentlich mitprägen. Die Möglichkeit, auf das breite Netzwerk „des Vereins zur Förderung von Forschung und Lehre im privaten Baurecht an der Philipps-Universität in Marburg“ zurückgreifen zu können, ermöglicht auch den Kontakt zum potentiell zukünftigen Arbeitgeber. Eine Mitgliedschaft in diesem Verein ist allein aus diesem Grunde meiner Meinung nach jeden Beitragscent wert. Alumni der Zusatzqualifikation sind darüber hinaus automatisch in dem Alumni-E-Mail-Verteiler der Zusatzqualifikation eingetragen, durch den regelmäßig interessante Stellenangebote vermittelt werden.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass sich für mich persönlich die Zusatzqualifikation im privaten Baurecht bereits jetzt in vielerlei Hinsicht ausbezahlt hat. Am wohl relevantesten war die optimale unterstützende Vorbereitung für mein erstes Staatsexmanen insbesondere im Bereich des Zivilrechts. Die Ausbildung förderte mein Selbstvertrauen, auch mir unbekannte Fallkonstellationen lösen zu können Darüber hinaus hat mir die Teilnahme die Tür zur Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Herrn Prof. Voit sowie die Möglichkeit zur Promotion bei ihm eröffnet. Auch meine Arbeit bei einem überregional bekannten Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht hätte ich ohne die Zusatzqualifikation wohl kaum wahrnehmen können.

Ich kann die Teilnahme an der Zusatzqualifikation im privaten Baurecht mit gutem Gefühl allen Studierenden, Referendaren und auch jungen Assessoren empfehlen. Für mich ersichtlich gibt es keine bessere Möglichkeit, sich hiermit einen guten Start in die Berufstätigkeit zu ermöglichen und die Aufstiegschancen zu erhöhen.

Zuletzt aktualisiert: 06.04.2016 · Lenzed

 
 
 
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