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13.04.2016

Banditen im Kaukasus gestern und heute

Zeit: 12.05.2016 18:15 h - 12.05.2016 19:45 h
Ort: DHS 3, 1.OG

Referierende/Beteiligte:

PD Dr. Florian Mühlfried

Weitere Informationen:

Gebirgsregionen wie die des Kaukasus stellten so gut wie überall auf der Welt den Rückzugs- und Operationsraum von Banditen dar. Häufig handelte es sich bei diesen Banditen um Flüchtlinge aus dem Flachland oder solche, die einer Blutfehde zu entgehen trachteten. In den Bergen leben sie abseits, sind aber dennoch mit der sie umgebenden Bevölkerung z.B. über Handelsbeziehungen verbunden.

Im 19. Jahrhundert bildet sich im Kaukasus der Topos des gerechten Räubers heraus, der mit der Lokalbezeichnung abrek belegt wird. Solche Abreken genossen recht hohen Respekt unter der einfachen Bevölkerung und waren häufig Gegenstand von Heldengedichten und Lobliedern. Sie waren für einen Ehrenkodex bekannt, der nicht zuletzt auf dem Widerstand gegen die anrückenden russischen Kolonisatoren beruhte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich das Profil des Banditen im Kaukasus zu wandeln. Einige von Ihnen schlossen sich den Sozialrevolutionären an und ebneten der Oktoberrevolution den Weg. Andere wurden Teil der Diebeswelt des Flachlandes. Letztere organisierten sich in der frühen Sowjetzeit zur Gruppe der sogenannten Diebe im Gesetz. Diese verfügten über einen eigenen Ehrenkodex, der Ihnen die Involvierung in staatliche und familiäre Strukturen untersagte, einen eigenen „Schatz“ sowie eine effiziente Vernetzung.

Diese beiden Gruppen – die Abreken und die Diebe im Gesetz – stehen im Vordergrund dieses Vortrages. Durch die Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden soll die Frage erörtert werden, ob Abreken und Diebe im Gesetz eine gemeinsame Genealogie haben oder sich genuin unterscheiden. Die theoretische Einbettung der beschriebenen Phänomene findet über die Begriffe Vertrauen und Misstrauen statt.

Veranstalter:

Fachgebiet Kultur- und Sozialanthropologie

Kontakt:

Anja Bohnenberger

Zuletzt aktualisiert: 11.10.2016 · Roeriga

 
 
 
Fb. 03 - Gesellschaftswissenschaften und Philosophie

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Tel. +49 6421/28-23749, Fax +49 6421/28-22140, E-Mail: ethno@staff.uni-marburg.de

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