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15.08.2016

Baltische Bildungsgeschichte(n)

Internationale und interdisziplinäre Tagung in Tartu (Dorpat, Estland), 19.-22.09.2016

Mit großzügiger Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien veranstaltet Prof. Dr. Jürgen Joachimsthaler gemeinsam mit der dortigen Kollegin Prof. Dr. Silke Pasewalck in Tartu (Dorpat, Estland) vom 19.-22.9.2016 eine große internationale Tagung „Baltische Bildungsgeschichte(n)“ mit über 60 Vorträgen.

Für das Thema „Bildung“ stellt das Baltikum eine Schlüsselregion von besonderem exemplarischen Wert dar: Im Zuge von Handelskontakten, Christianisierung, Ordenskriegen und Rechtsimport gerieten die autochthonen Völkerschaften des baltischen Raums unter kulturelle, sprachliche und politische Einflüsse unterschiedlichen Gewichts. Sie wurden dadurch Formierungsprozessen ausgesetzt, die immer wieder mit kolonialen Prozessen verglichen werden. Auf Seite der Eroberer (v.a. Deutsche, aber auch Dänen, Polen, Schweden und Russen) hatte dies ein beträchtliches Aufgebot an wirtschaftlichen, juristischen, religiösen und kulturellen Einrichtungen zur Folge. Aufgrund des Muttersprachengebots seit der Reformation mussten die Träger der dominanten sich zudem mit den dominierten Kulturen und Sprachen beschäftigen, was in Publizistik, Literatur und Wissenschaft zu einer verstärkten Reflexion über die baltischen Sprachen und Ethnien sowie über das asymmetrische Spannungsgefüge zwischen jeweils überlegener und unterlegener Kultur führte. Gesetzgebung und kulturelle Arbeit sollten zugleich das soziale und kulturelle Überleben der herrschenden Minderheiten sichern. Diese Situation führte zu einer zeitweise in ganz Europa sichtbaren außergewöhnlichen Dichte an Bildungsanstrengungen im Baltikum mit weitreichenden Folgen auch für die deutsche Geistesgeschichte. Wenn es eine tief verankerte koloniale Dimension der deutschen Kulturgeschichte gibt, dann hier. In die kulturelle Sphäre der Mächtigen hineinsozialisierte Gelehrte oft bäuerlicher indigener Herkunft begannen schließlich von den dominanten Bildungswelten aus und mit deren Mitteln, aber gegen sie Konzepte einer ‚eigenen‘ Kultur der jeweiligen baltischen Sprachgemeinschaften zu erarbeiten. Damit einher ging eine innere Formierung der baltischen Völker seit der Zeit des ersten „nationalen Erwachens“, die oft ihrerseits Symptome einer „inneren Kolonisation“ zeigen.

Das Programm finden Sie hier.

Kontakt

Prof. Dr. Jürgen Joachimsthaler
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 15.08.2016 · grossmi

 
 
 
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