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Geschichte des Behringwerks oHG und der Behringwerke G.m.b.H.

Allgemeines zum Bestand "Werkskorrespondenz" (Korrespondenz der Behringwerke und Protokolle der Aufsichtsratssitzungen)

2010 wurden bei Recherchen im Behring-Archiv Marburg mehrere Aktenordner mit Briefen aus dem Umfeld der 1904 gegründeten Behringwerke aufgefunden. Die 1914 gegründeten Behringwerke G.m.b.H. Bremen und Marburg wurde zu Lebzeiten Behrings nach außen durch ihn repräsentiert, er war Vorsitzender des Aufsichtsrates. Der Bestand „Werkskorrespondenz“ enthält Briefe und Geschäftskorrespondenz von Behring, seinen Mitarbeitern und seinen Geschäftspartnern in Marburg und Bremen und dokumentiert plastisch den damaligen Aufbau eines pharmazeutischen Betriebes, die zunehmende Expansion und aus der politischen Perspektive die Erweiterung der Produktpalette während des Ersten Weltkriegs, beispielsweise durch gesteigerte Produktion von Tetanusserum zur Bekämpfung des Wundstarrkrampfs bei den Soldaten an der Front. 

Erschlossen wurde der Zeitraum von 1904 (Gründung des Behringwerks oHG Marburg) bis 1917 (Behrings Todesjahr). Es handelt sich um circa 880 Schriftstücke [Bestand EvB/B 194], zu denen auch die Korrespondenz zwischen den beiden Geschäftsführern, dem Apotheker Dr. Carl Siebert in Marburg und dem Juristen Dr. William Söder in Bremen, gehört. Dieser fast täglich stattfindende Briefkontakt gibt einen Einblick in die alltäglichen Produktionsabläufe, in die Fortschritte und Rückschläge, die im ersten Kriegsjahr durch die Engpässe bei Material, Produktionsmittel (Pferden!) und Personen (Tierärzte, Packerinnen) bestimmt werden. Außerdem existiert ein gesonderter Bestand von Dokumenten und Briefen von Carl Siebert. Diese 68 Dokumente enthalten wichtige Informationen über die geschäftlichen Interaktionen der Behringwerke und erweisen sich für das Verständnis der Werkgeschichte als eminent wichtig, da sie wegen der Verbindung Sieberts zu Behring und seiner Ehefrau eine private Färbung tragen und damit einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Die Geschäftsbriefe Behrings dokumentieren aber auch Behrings Streben nach Geld, Macht und Einflussnahme, das den Geschäftspartnern, die sich oftmals "wie die dummen Jungen" behandelt fühlten (C. H. Cremer an Behring, Brief vom 13.04.1915), Großmut abverlangte und ihnen Geduldsproben auferlegte. Insbesondere der langjährige Marburger Kompagnon Siebert wurde dabei das Opfer der Behringschen Schachzüge und häufig überzogenen Expansionspläne.

Die Werkskorrespondenz wurde im Oktober 2012 durch eine Fremdfirma digitalisiert und steht seit März 2013 online zur Verfügung.

(Ulrike Enke, 05.12.2012, Überarb. 03/2014)

 

Zur Geschichte der Marburger Behringwerke (1904-1917)

Vorgeschichte

Schlossberglaboratorium
Das Schlossberglaboratorium am Marburger Schlossberg,
später Institut für Experimentelle Therapie
(Behring-Archiv, EvB/L 85)
Nachdem Behring 1895 einem Ruf an die Universität Marburg gefolgt war, richtete er 1896 am Schlossberg am »Breiten Weg« ein für seine Zeit sehr modernes Privatlaboratorium (siehe Bild links) ein, für das die Farbwerke, ehemals Meister Lucius & Brüning in Höchst 37.000 Mark beigesteuert hatten. Hier widmete er sich nun  insbesondere der Erforschung der Tuberkulose, während er die Versuche zur Optimierung des Diphtherie- und Tetanusheilserums im Hygienischen Institut der Marburger Universität, dessen Direktor er war, fortsetzte. Für diese Experimente erhielt Behring von den Farbwerken in Höchst eine Unterstützung von jährlich 20.000 Mark.
Laut Vertrag von 1894 übernahmen die Farbwerke die Herstellung und den Vertrieb des Diphtherieheilserums; Behring wurde als wissenschaftlicher Berater verpflichtet.

Wegen Produktionsschwierigkeiten im Sommer 1902 kam es allerdings zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und dem Höchster Produktionsleiter Arnold Libbertz (1843–1916). Diese Meinungsverschiedenheiten konnten bald wieder beseitigt werden, indes waren sie für Behring Anlass, den bis 1904 geschlossenen Vertrag mit den Farbwerken Hoechst nicht zu verlängern. Ein weiterer Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit bestand darin, dass Behring hoffte, als Ergebnis seiner Forschungen zu Tuberkuloseseren ein Antituberkulosemittel auf den Markt bringen zu können. Die Farbwerke arbeiteten aber auf diesem Gebiet bereits mit Robert Koch (1843–1910) zusammen, zu dem Behring inzwischen in einem gespannten Verhältnis stand. Außerdem gab es Pläne, ein staatliches Zentralinstitut zur Serum- und Impfstoffherstellung zu errichten, dessen Leiter Behring werden sollte. Die Gespräche mit dem hierfür zuständigen Ministerialdirektor Friedrich Althoff (1839–1908) blieben jedoch ergebnislos, wie auch Verhandlungen mit Carl  Duisberg (1861–1935) bezüglich einer Zusammenarbeit mit der Firma Friedrich Bayer. Aus diesen Gründen ging Behring eine Verbindung mit dem Marburger Unternehmen »Dr. Siebert und  Dr. Ziegenbein oHG« ein, das bereits ab dem 15. August 1903 den Vertrieb des Tetanusheilserums und des Bovovaccins, eines Tuberkuloseimpfstoffs für Rinder, übernahm.

Gründer dieser Firma war der Marburger Apotheker Dr. Carl Siebert (1863–1931), der 1902 die elf Jahre zuvor von seinem Vater, dem Marburger Apothekenbesitzer und Bürgermeister Friedrich  Siebert (1831–1918), übernommene Apotheke »Zum Schwan« verkauft hatte. Gemeinsam mit  dem physiologischen Chemiker Hans Ziegenbein (1867–1920) gründete er die »Dr. Siebert &  Dr. Ziegenbein oHG« als offene Handelsgesellschaft mit Sitz in Marburg in der Kasseler Straße  zur Fabrikation und zum Verkauf chemischer Präparate. Das Bestehen der Gesellschaft war zunächst auf fünf Jahre festgelegt. Siebert hatte sich bereit erklärt, sein Kapital von 50.000 Mark  einzubringen, und Ziegenbein wollte den gleichen Betrag zur Verfügung stellen.

Gründung des Behring-Werks in Marburg


Der 9. Juli 1904 gilt als Gründungsdatum des »Behring-Werkes Marburg (Lahn)«. Am 7. November 1904 erfolgte die Eintragung der Gesellschaft unter dem Namen »Offene Handelsgesellschaft Behring-Werk, Inhaber von Behring und Siebert« in das Handelsregister. Die Behringwerke beschäftigten zu dieser Zeit zehn bis zwölf Mitarbeiter, darunter zwei Institutsdiener, einen Kaufmann, einige Arbeiter, einen Privatassistenten Behrings und einen planmäßigen Assistenten des Hygieneinstitutes. Eine auf dem Behringschen Gutshof in Marbach befindliche Rinderherde diente der Erforschung der Tuberkulose. Ab 1909 war Siebert alleiniger Geschäftsführer der Behringwerk OHG ("Complementar und persönlich haftender Gesellschafter"), Behring fungiert als "stiller Gesellschafter". Im Jahr 1911 kaufte Behring Ländereien nördlich von Marburg, die er nach seiner Frau "Elsenhöhe" nannte; eine Scheune mit Stallungen für die Serumtiere wurde ebenfalls errichtet. Zudem erwarb Behring 1913 die alte Ziegelei im Marbacher Hinkelbachtal.

Die Behringwerke G.m.b.H. Bremen und Marburg

Gründung der Behringwerke Bremen und Marburg Seite 1
Vertrag über die Gründung der Behringwerke Bremen und Marburg vom 19. April 1914, Deckblatt



Die geplante Erweiterung der Produktion von Diphtherieserum erforderte eine Vergrößerung des Kapitals. Auf Drängen Sieberts nahm Behring Kontakt zu Kapitalgebern aus Bremen auf, darunter zu dem Bankier August Strube (1871-1947) und dem einflussreichen Kaufmann Carl Hubert Cremer (1858-1938). Nach Vorbesprechungen im Hotel Pfeifer in Marburg fand am 16. April 1914 die Gründungsversammlung im Sitzungssaal der Deutschen Nationalbank zu Bremen statt, das Stammkapital betrug 675.000 Mark. Die Gründung der BehringwerkeBremen und Marburg  G.m.b.H mit den Geschäftsführern Dr. William Söder (Bremen) und Dr. Carl Siebert (Marburg) datiert auf den 19. April 1914. Die Produktpalette umfasste Bovovaccin (ein Mittel gegen die Rindertuberkulose), Hepin, Tetanusheilserum, Tetanustoxin, Tuberkulin und Tuberkulinpräparate, haemolytisches Trockenserum und Diphtherieheilserum. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgte am 3. Juni 1914. 

Während des Ersten Weltkriegs kam es zu Änderungen in der Produktpalette, insbesondere mussten größere Mengen Tetanusserum und Seren gegen Dysenterie und Gasbrand sowie Impfstoffe gegen Typhus und Cholera hergestellt werden, um den Heeresbedarf zu decken. Im März 1915 produzierten die Behringwerke zwei Millionen Dosen Tetanusserum für das deutsche Heer. Von 79 Serumpferden standen zu diesem Zeitpunkt 62 Tiere zur Gewinnung von Tetanusserum, elf für Diphtherieserum und drei für Dysenterieserum zur Verfügung, wobei die Zementhalle der Ziegelei im Hinkelbachtal als Stall benutzt werden konnte.  

Im Mai 1915 beschäftigten die Behringwerke 47 Personen, darunter drei kaufmännische Angestellte, Instituts- und Hilfsdiener, acht Pferdewärter und 25 Packerinnen. Bis 1917 stieg das Personal auf 200 Mitarbeiter.

Während Carl Siebert im gesamten Zeitraum (bis 1921) als Geschäftsführer der Behringwerke fungierte, wirkte Behring als wissenschaftlicher Leiter. Nach Behrings Tod am 31. März 1917 zeichnete Siebert auch für die wissenschaftliche Arbeit verantwortlich. Am 9. Mai 1921 gab Siebert seinen Austritt vom Vorstand der Behringwerke bekannt. William Söder hatte das Werk wegen Dissonanzen bereits 1916 verlassen müssen.

(Ulrike Enke 2014, nach Ch. Friedrich 2011)

 




Chronologie - tabellarische Übersicht

 

1902  

Dr. Carl Siebert und Dr. Hans Ziegenbein gründen in Marburg eine Firma zur Herstellung von Digitalis- und Strophantuspräparaten.

15.08.1903  

Behring überträgt der Firma Siebert & Ziegenbein den Alleinvertrieb für ein Tetanusserum und für das Tuberkuloseschutzmittel „Bovovaccin“ für Rinder.

7.11.1904  

Eintragung in das Handelsregister beim Registergericht des Amtsgerichts Marburg zur Gründung einer Offenen Handelsgesellschaft (oHG).

1909–1913  

Siebert ist alleiniger Geschäftsführer der Behringwerk oHG, Behring fungiert als stiller Gesellschafter.

1911  

Behring kauft Ländereien nördlich von Marburg, die er nach seiner Frau "Elsenhöhe" nennt; eine Scheune mit Stallungen wird errichtet. 

1913  

Auf den Grundstücken "Unter der Kirchspitze" und "An der Haustatt" wird ein Laboratorium gebaut.

1913  

Behring kauft die alte Ziegelei im Marbacher Hinkelbachtal. Die Zementhalle wird später als Pferdestall verwendet.

Januar 1914

 

 

16.02.1914


Treffen zwischen Behring, Carl Siebert und William Söder in Marburg. Nach Ansicht Söders sind „Bremenser Kapitalisten mit Leichtigkeit zur Hergabe von Kapitalien für ein Unternehmen wie das unserige zu bestimmen, wenn der Sitz des Geschäfts nach Bremen verlegt oder eine Filiale dort errichtet würde“. (Aus einem Brief Carl Sieberts an William Söder vom 8. Januar 1914, BAM)  Behring gewinnt während des Treffens in Marburg den Eindruck, dass Söders Mitwirkung „dem geschäftlichen Teil des Marburger Behringwerks nur förderlich“ sein könne. (Quelle: Brief Behrings an William Söder vom 16.01.1914.)

Treffen in Marburg, um "die beabsichtigte Gründung Ihres Unternehmens zu besprechen“. (Quelle: Brief William Söders an Carl Siebert vom 11.02.1914.)

 Suche nach neuen Gesellschaftern zur Finanzierung des Vertriebs von T. A. (Diphtherietoxin in Kombination mit Heilserumantitoxin).

April 1914



10.05.1914

Gründung der Behringwerke G.m.b.H. Bremen und Marburg mit den Geschäftsführern Dr. William Söder (Bremen) und Dr. Carl Siebert (Marburg). Behring ist Vorsitzender des Aufsichtsrates. - Mitglieder des ersten Aufsichtsrates sind neben Behring Carl August Fritze, Otto August Fritze, Walther Freudenberg und Carl Heinrich Hubert Cremer. (Quelle: Gründungsprotokoll über die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Bremen, 16.04.1914, Behring-Nachlass, Marburg)

Mietvertrag zwischen Emil von Behring und den Behringwerken, betreffend den auf dem Schlossberg befindlichen Grundbesitz Behrings, wozu das Wohnhaus „Bunter Kitzel“, ein Stallgebäude, eine Waschküche und der Reitplatz mit Stall auf der Tierwiese gehören. Der jährliche Mietzins beträgt 1700 Mark.

Mai 1914: Die Bremer Geschäftsstelle mietet Büroräume am Altenwall 21.

1914 

Juni 1914

Aufgaben der Behringwerke GmbH: Herstellung und Vertrieb des neuen Diphtherieschutzpräparats und sowie des Diphtherie- und Tetanusserums.

Der Umsatz der Behringwerke beträgt im Juni 2606,14. Verkauft werden Tetanusheilserum, Tuberkulin, Hepin, Bovovaccin und Diphtherietestgift.

1914 

Sept. 1914

08.-10.1914

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs steigt der Bedarf an Tetanusserum stark an; die Produktion wird ausgeweitet.

 

 

Der Umsatz der Behringwerke beträgt im September 14.415,20 Mark. Verkauft werden Tetanusheilserum, Tuberkulin, Diphtherieheilserum und Hepin.

In den Monaten August, September und Oktober 1914 verkaufen die Behringwerke für 28.000 Mark Tetanusserum. (Quelle: C. Siebert an W. Söder, 09.11.1914)

Das Personal in Marburg umfasst im November 1914 mehr als 20 Mitarbeiter. (Quelle: C. Siebert an W. Söder, 27.11.1914)

1914  

Die Behringwerke GmbH besitzen knapp 40 Serumpferde.

Ende 1914


Jan. 1915 

Einführung der vorbeugenden Serumeinspritzung gegen Tetanus. - In den acht Monaten des geschäftlichen Betriebs wurde ein Umsatz von 50.000 Mark erwirtschaftet. Die Unkosten betrugen 25.000 Mark. (Quelle: W. Söder an C. Siebert, 9.12.1914)

 

Am 06. Januar 1915 werden 550 Heildosen Tetanusserum an das Hauptsanitätsdepot in Berlin geliefert. Täglich werden in den Behringwerken 60.000 A.E. (= 10 Liter 6faches Serum) Tetanusserum abgefüllt, wovon ein erheblicher Prozentsatz aus Behrings eigenen Pferden gewonnen wird. (Quelle: C. Siebert an W. Söder, 06.01.1915)

Febr. 1915

 

21.05.1915 

 

24.05.1915

 

 01.06.1915

Der Umsatz der Behringwerke G.m.b.H. beträgt im Februar 1915 79.168 Mark, wovon der ganz überwiegende Teil durch den Verkauf von Tetanusheilserum (43.488 Mark) und Cholera- und Typhusimpfstoff (35.539 Mark) erzielt wird. Die Umsätze für Hepin, Diphtherieheilserum und Tuberkulin bewegen sich nur im zweistelligen Bereich.

Zu neuen Mitgliedern des Aufsichtsrates werden gemäß Protokoll der Aufsichtsratsitzung der Behringwerke vom 21.05.1915 der Arzt Prof. Dr. med. Ludolph Brauer und der Bankier Dr. jur. August Strube, Bremen, gewählt.

Die Behringwerke beschäftigen 47 Mitarbeiter. Das Marburger Werk besitzt 79 Serumpferde; von ihnen werden 62 Tiere zur Gewinnung von Tetanusserum, elf zur Gewinnung von Diphtherieserum und drei zur Gewinnung von Dysenterieserum genutzt. Für die Produktion des Dysenterieserums ist der Tierarzt Dr. Rüther zuständig. Im Laboratorium auf Elsenhöhe soll nach Umbaumaßnahmen auch Cholera- und Typhus-Impfstoff hergestellt werden. (Quelle: Protokoll der Aufsichtsratsitzung vom 24.05.1915, Behring-Nachlass, Marburg)

Am 1. Juni 1915 wird gemäß Mietvertrag die Zementhalle der Ziegelei angemietet. Der Vertrag ist auf fünf Jahre angelegt. Die Halle wird zur Einstellung von Serumpferden verwendet und bietet auch die Möglichkeit, einen Wärterraum einzurichten. Darüber hinaus kann auf dem Heuboden Heu gelagert werden.

1915  

Die Versorgungsengpässe bei der Herstellung des Tetanusantitoxin sind überwunden, anfängliche Dosierungsfehler wurden korrigiert. Dank der erfolgreich durchgeführten Tetanusimpfung sinken die Krankenzahlen dramatisch.

15.10.1915  

Aufgrund seiner Verdienste um die Tetanusimpfung erhält Behring als „Retter der Soldaten“ das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am weißen Bande mit schwarzer Einfassung. (Quelle: Besitzzeugnis, ausgestellt von der Generalkommission in Angelegenheiten der Königlich Preußischen Orden. Behring-Archiv Marburg, Sign. 2327, Stand: L-I.)

16.01.1916

 

 

 

16.01.1916

 

29.05.1916

 

 

 

 

 

 

13.08.1916

11.1916

12.1916

16. Januar 1916: Aufsichtsratsitzung in Marburg. Beschluss der Umwandlung der Behringwerke G.m.b.H. in eine Aktiengesellschaft unter Protest der Geschäftsführer Carl Siebert und William Söder. (Der Beschluss kommt nicht zur Ausführung!)

Für den Verkauf von Diphtherieserum werden im Januar 1916 21.505,58 Mark erzielt. (Zum Vergleich: Im April 1915 betrugen die Einnahmen 7486,80 Mark.) Der Reingewinn vom Diphtherieserumverkauf betrug von 01.04.1915 bis 31.01.1916 39.310,40 Mark. (Quelle: Abrechung über das Geschäft in Diphtherieheilserum, BAM)

Die Zahl der Serumpferde beträgt 80 Pferde, davon werden von Carl Siebert 39 Tetanuspferde und 10 Diphtheriepferde als "brauchbar" bezeichnet. (Quelle: Protokoll der Aufsichtsartsitzung vom 16.01.1916).

 

Die Behringwerke haben knapp 200 Beschäftigte. Die Zahl der Serumpferde beträgt 300 Tiere. (Quelle: Ch. Friedrich).

 

Der Aufsichtsrat der Behringwerke G.m.b.H. beschließt, William Söder „mit sofortiger Wirkung auf Grund des Paragraph 38 aus Ihrem Amte als Geschäftsführer zu entlassen“. (Quelle: Brief Carl Hubert Cremers an William Söder, Bremen, 29.05.1916.)

Der Umsatz der Behringwerke G.m.b.H. beträgt vom 1. April bis 31. Juli 259.770 Mark. Hiervon entfallen auf Tetanusserum 217.225 Mark und auf Diphtherieserum 40.081 Mark. In Behandlung sind 37 Tetanuspferde und 17 Diphtheriepferde. (Quelle: Bericht für die Aufsichtsratssitzung am 13.08.1916, BAM.)

Die Zahl der Serumpferde beträgt 54, davon 37 Tetanuspferde und 17 Diphtheriepferde. Dazu kommen noch ein Rind und zwie Schafe für die Produktion von Diphtherieserum. (Quelle: Protokoll der Aufsichtsratsitzung vom 13.08.1916, EvB/B 193/31)

Umsatzzahlen für August 1916: Diphtherieheilserum: 10.368 Mark, Tetanusheilserum: 79.982 Mark, Dysenterieserum: 9616 Mark. (Quelle: Besprechungsprotokoll vom 13.09.1916, EvB/B 193/33)

November 1916: Das Hauptsanitätsdepot bittet um monatliche Lieferung von 70.000 Dosen Tetanusserum bis 1. April 1917. (Quelle: Besprechungsprotokoll vom 30.10.1916 mit Nachschrift vom 02.11.1916, EvB/B 193/34)

Dezember 1916: Plan, zur Tetanusserumproduktion weitere 70 Pferde einzustellen (Unterkunft im Maschinengewehrstall) (Quelle: Besprechungsprotokoll vom 19.12.1916, EvB/B 193/35)

1917  

Februar 1917: Der Umsatz steigert sich auf 850.000 Mark, darunter 709.000 Mark für Tetanusserum und 124.000 Mark für Diphtherieserum. Der Gewinn beträgt 450.000 Mark (Quelle: Protokoll der Aufsichtsratsitzung vom 18.03.1917, EvB/B 193/38)

März 1917: Plan, die G.m.b.H. in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen "E. v. Behring A.G." umzuwandeln. (Quelle: Protokoll der Aufsichtsratsitzung vom 18.03.1917, EvB/B 193/38)

Die Produktion von Diphtherieheilserum liegt bei 429 Litern und steigert sich bis 1919 auf 774 Liter. 

31.03.1917

 

Behring stirbt an den Folgen einer Lungenentzündung in seinem Haus in Marburg. Nach seinem Tod zeichnet Siebert bis 1921 für die wissenschaftliche Arbeit verantwortlich.


 


Literatur:

Christoph Friedrich: Die Anfänge der Behringwerke unter der Geschäftsführung  von Dr. Carl Siebert (1863–1931) – ein Werkstattbericht, in: Perspektiven der Medizingeschichte Marburgs  Neue Studien und Kontexte, hg. von Irmtraut Sahmland und Kornelia Grundmann (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, Bd. 162)  Marburg / Darmstadt: Hessische Historische Kommission Darmstadt  und  Historische Kommission für Hesse, 2011, S. 87-102.

Dokumentation zur Ausstellung "100 Jahre Behringwerke im Wandel der Zeit" 08.11.2004 - 11.11.2004, hg. von Pharmaserv, Standort-Management und Services.

Dokumente des Bestandes "Behringwerk Korrespondenz", 1904 - 1917 (alte Sign. 961/1-268, Sign. 962/117, Sign. 1233, 1526-1529, 2293) sowie "Sitzungsprotokolle der Behringwerke" (EvB/B 193/ 1-41).  Bearbeitung der Dokumente sowie Zusammenstellung der Chronologie und tabellarischen Übersicht von Ulrike Enke.

 

Zuletzt aktualisiert: 04.07.2016 · evb

 
 
 
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