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Die Ferienkurse in Vergangenheit und Gegenwart


Zusammen mit namhaften Lehrkräften aus allen Bereichen (Komponisten, Theaterfachleute, Musikkritiker, Musikwissenschaftler) und der Unterstützung von Musikverlagen und Rundfunkanstalten entwickelten die „Darmstädter Ferienkurse“ ein Profil, das in dieser Form einmalig war und wie ein Exot aus der konventionellen musikkulturellen Landschaft hervorstach.

Dass Steinecke mit diesem Konzept nicht auf taube Ohren stieß, veranschaulichen die Teilnehmerzahlen. Bereits im ersten Jahr bewarben sich mehr Interessenten als aufgenommen werden konnten. Außerdem nahm die Internationalität der Ferienkurse um ein Vielfaches zu, so dass in den 60er Jahren der Anteil ausländischer Teilnehmer sogar überwog.

Alle Strömungen der Neuen Musik fanden in Darmstadt ihren Kulminationspunkt, wenn nicht sogar ihre Geburtsstunde. Die Ferienkurse wurden zum Umschlagsplatz neuer Ideen und Ausdrucksformen. Zwölftonmusiker trafen auf serielle Musiker, „musique concrète“ auf elektronische Musik. Die jungen Komponisten und Musiker fanden sich zusammen und tauschten sich aus, suchten den Diskurs mit Theoretikern und Ästhetikern.

Nicht-Serielle, Serielle, Serialismusüberwinder: v. l. Luc Ferrari, Franco Evangelisti, György Ligeti, Yoritsume Matsudaira, Luigi Nono (1957)
©IMD - www.imd.darmstadt.de
Hinterm Zaun: Mary Bauermeister, Stockhausen; rechts davor: Boulez, vorne Clementi im Profil (1962)
©IMD
www.imd.darmstadt.de
Theodor W. Adorno, links neben ihm Else Stock-Hug und Everett Helm (1955)
©IMD - www.imd.darmstadt.de

So war u. a. Theodor W. Adorno ein gern gesehener Gast. Wie Strahlen durch einen Brennspiegel bündelten sich die Strömungen aus aller Welt in Darmstadt und entfachten den Geist der Neuen Musik. Kurzum: Die Neue Musik kam um Darmstadt nicht herum. Die Ferienkurse entwickelten ein System, das über Jahre hinweg in sich funktionierte, dergestalt, dass ehemalige Teilnehmer, wie Karlheinz Stockhausen oder Luigi Nono, zu Dozenten avancierten.
Serielle Komponisten (v. l. Nono, Goeyvaerts, Stockhausen)
©IMD
www.imd.darmstadt.de

Bis weit in die 60er Jahre hinein wurde in Darmstadt Musikgeschichte geschrieben, doch bei aller proklamierten Offenheit der Neuen Musik verblieben die Ferienkurse in sich isoliert und hermetisch auf einen kleinen Kreis von Avantgardisten begrenzt. Inwieweit auch heute noch innovative Signale aus Darmstadt entsandt werden, ist ungewiss. Eine Entwicklung, die sich auf eine übersteigerte Art und Weise immer pluralistischer und dadurch unübersichtlicher darstellt, und eine weit verbreitete „Anything-goes“-Mentalität halten mehr und mehr Einzug in Darmstadt. Innovative Ideen und Ansätze, die beispielsweise die neuen multimedialen Möglichkeiten mit einbeziehen oder aus Kulturen okzidentfremder Länder gespeist werden, gibt es nach wie vor in Hülle und Fülle. Der künstlerische Output lässt aber bisweilen eine notwendige Differenzierung und Reflexion vermissen. Den Raum nach Open-Stage-Manier so weit zu öffnen, dass der drohende Einsturz der Grundfeste dabei sang- und klanglos hingenommen wird, kann nicht Sinn und Zweck der einstigen Idee und Philosophie der Sache sein.

Zuletzt aktualisiert: 25.09.2008 · Uwe Henkhaus

 
 
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