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Die Philosophie der Ferienkurse


Nachdem 1945 erste kulturelle Schritte im wiedererstarkenden Darmstadt getätigt wurden, machte sich Steinecke 1946 an den ‚großen Wurf’. Ihm schwebte eine Akademie vor, ähnlich der Salzburger Festspiele, die sich einerseits aus einem Festivalprogramm und andererseits aus einem pädagogisches Programm zusammensetzen sollte. Jedoch sah sein Konzept vor, nicht etwa klassische Musik zum Inhalt seiner Akademie zu machen. Steinecke wollte vielmehr eine Nische ausnutzen, die in Deutschland noch keine bedeutsame Plattform gefunden hatte; die Neue Musik. Ein traditionsorientiertes Programm wäre sicherlich einer sehr viel stärkeren Konkurrenz ausgesetzt gewesen, der sich Darmstadt längerfristig gesehen nur schwer hätte gegenüber behaupten können. So aber rief Steinecke die ersten „Ferienkurse für internationale Neue Musik“ ins Leben.


Vom 25. August bis zum 20. September 1946 fanden die ersten „Ferienkurse“ im Jagdschloss Kranichstein statt. Nach zwei Probejahren, 1946 und 1947, gründete die Stadt im Folgejahr das „Internationale Musikinstitut Schloss Kranichstein“, das heutige „Internationale Musikinstitut Darmstadt“.
Jagdschloss Kranichstein (1948), Schauplatz der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik von 1946 - 1948
©IMD
www.imd.darmstadt.de
Wolfgang Steinecke
©IMD
www.imd.darmstadt.de

Ein von Steinecke verfasstes Faltblatt, das im Rahmen der ersten „Ferienkurse“ dem Programmheft beigefügt worden ist, zeigt eindrucksvoll die hinter der Institution stehende Philosophie. Steinecke sah in den „Ferienkursen“ eine Art Rettungsring für das Musikleben in Deutschland, das – unter den reaktionären Strukturen der Nazis – nahezu zum Erliegen kam. Immer wieder erwähnt er die perspektivlose Junge Generation, die zum Ideal der Marschlieder und Feiermusiken aufwachsen musste, und der niemals die Möglichkeit eingeräumt wurde, die Entwicklungen in der Musik außerhalb des restriktiven Regimes zur Kenntnis zu nehmen. Steinecke spricht davon, die Junge Generation an die internationale Neue Musik heranzuführen, um einen lebensrettenden Anstoß für die Entwicklung der Musik in Deutschland zu geben.
Deutschlands Musikkultur läge mehr oder weniger brach, die internationalen Entwicklungen seien verpasst worden, und nun wäre es an der Zeit, mit großen Schritten aufzuschließen und Verpasstes und Unterdrücktes nachzuholen, damit aus einer stagnierenden, rückwärts gewandten Entwicklung wieder eine dynamische würde. Die „Ferienkurse“ hätten es sich zur Aufgabe gemacht, Deutschland ein Stück weit aus der kulturpolitischen Isolation zu befreien, die alten reaktionären Strukturen abzuschütteln, sich der Welt zu öffnen, Signale ins Ausland zu senden und an den sich stetig verändernden Bahnen der Entwicklung wieder maßgebend mitzuwirken.

[weiter: Die Ferienkurse in Vergangenheit und Gegenwart]

Zuletzt aktualisiert: 25.09.2008 · Uwe Henkhaus

 
 
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