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Marburger Professorenkatalog online

Einzeldatensatz

Hessen-Kassel, Friedrich II. Landgraf von

* 14.8.1720 Kassel, † 31.10.1785 Weißenstein (Wilhelmshöhe) bei Kassel Schloss, Begräbnisort: Kassel Katholische Kapelle am Friedrichsplatz, evangelisch-reformiert; katholisch
Offizier, Generalfeldmarschall, Landgraf
Wirken

Werdegang

  • Erziehung und Ausbildung durch den Obristen August Moritz von Donop
  • übernahm an seinem siebenten Geburtstag die Würde des Rector magnificentissimus der Universität Marburg, die er bis zu seinem Tod bekleidete
  • 1749 katholisch
  • 1749-1750 Parisreise
  • Königlich-Preußischer Generalfeldmarschall
  • seit 1760 Landgraf von Hessen-Kassel
  • 30.11.1776 Reiseaufbruch nach Italien

Funktion

  • Marburg, Universität, Rektor, 1727-1785
Familie

Vater

Hessen-Kassel, Wilhelm VIII. Landgraf von, 1682–1760

Mutter

Sachsen-Zeitz, Dorothea Wilhelmine Prinzessin von, 1691–1743

Partner

Verwandte

Nachweise

Quellen

Literatur

Bildquelle

Wikimedia Commons: Johann Heinrich Tischbein - Retrato del Landgrave Federico II de Hesse-Kassel, beschnitten, CC0 1.0

Zitierweise
„Hessen-Kassel, Friedrich II. Landgraf von“, in: Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg <https://www.uni-marburg.de/uniarchiv/pkat/details?id=6360> (Stand: 9.8.2020)
Leben

Der zweite Sohn Landgraf Wilhelms VIII., der nach dem frühen Kindstod des Bruders Karl (1718–1719) geboren wurde, war der einzige männliche Hessen-Enkel Landgraf Karls, der den 1730 gestorbenen Großvater überlebte. Seine Kindheit war überschattet durch die psychische Erkrankung der Mutter, die man früh vom Hof entfernt hatte. Eine engere Beziehung zu dem nüchternen, soldatischen Vater entwickelte der sensible Erbprinz offensichtlich nicht. Der Tod der Schwester Maria Amelia, die – erst 23-jährig – während ihrer Verlobungszeit in Berlin verstarb, nahm ihm die engste und vielleicht einzige wirkliche Vertraute, die er je hatte. Friedrichs sorgfältige Erziehung und Ausbildung lag unter anderem in den Händen des bewährten Obristen August Moritz von Donop (1694–1763), der ihn 1732 auch während des vergleichsweise langen, rund fünfjährigen Studienaufenthaltes an der Genfer Universität begleitete. Nach Kassel zurückgekehrt, erteilte der renommierte Historiker-Bibliothekar Johann Herrmann Schmincke (1684–1743) dem künftigen Thronfolger Unterricht in hessischer Geschichte.

Die 1740 geschlossene Ehe des gutaussehenden und gebildeten Erbprinzen mit der englischen Königstochter Maria hatten deren Eltern schon ein Jahrzehnt zuvor mit Landgraf Wilhelm VIII. vereinbart. Die Heirat sollte die schon seit Generationen gepflegten Beziehungen zu Großbritannien festigen, zu denen insbesondere die für Hessen-Kassel lukrativen Subsidiengeschäfte gehörten. Das junge Paar blieb sich jedoch fremd, zumal man in den ersten Ehejahren nur wenige Monate zusammen war. Seit September 1740 Generalmajor, 1744 Generalleutnant und ab 1747 schließlich General der Infanterie, nahm Friedrich als Kommandeur der hessischen Truppen auf englischer Seite am österreichischen Erbfolgekrieg teil. Er führte seine Truppen auf den Kriegsschauplatz nach Bayern, dann nach Brabant und Flandern und 1746 schließlich gegen die Aufständischen in Schottland. Bis zum Aachener Frieden stand er dann wieder in Flandern. Vertieft wurde die Entfremdung durch die zahlreichen Affären des Erbprinzen, die er auch nach dem Krieg und auf seinen ausgedehnten Reisen an die europäischen Höfe fortsetzte. Dennoch kamen zwischen 1741 und 1747 vier Söhne zur Welt: neben dem früh verstorbenen Erstgeborenen Wilhelm (1741–1742) der künftige Erbprinz Wilhelm IX. und seine Brüder Karl und Friedrich, der Begründer der heute noch blühenden Linie des Landgrafenhauses.

Bereits 1742 kam Friedrich (II.) in Kontakt mit dem Kölner Kurfürst-Erzbischof Clemens August von Bayern (1700–1761), dem Bruder Kaiser Karls VII., der wohl Bekehrungsversuche unternahm bzw. veranlasste. Friedrichs zunächst geheim gehaltener Übertritt zum Katholizismus erfolgte 1749. Welche Rolle dabei die Beziehung zu einer gewissen Gräfin Hatzfeld, die in Aussicht gestellte Kandidatur bei der nächsten Königswahl in Polen und möglicherweise persönliche Beweggründe spielten, ist nicht ganz klar. Die gravierenden Konsequenzen sind indes offenbar. Als die Konversion 1754 öffentlich bekannt wurde, bedeutete dies zum einen den endgültigen Bruch mit seiner religiösen, tief protestantisch überzeugten Gattin, die er bis zu deren Tod im Jahre 1772 nicht mehr wiedersehen sollte. Zum andern sicherte Landgraf Wilhelm VIII. mit der von den protestantischen Mächten und dem Corpus Evangelicorum auf dem Reichstag garantierten Assekurations-Akte den Konfessionsstand seiner Enkel und des Landes. Für Friedrich bedeutete dies, was ihn allerdings nicht weiter berührt zu haben scheint, die Trennung von Frau und Kindern. Zu deren angemessener Versorgung bestimmte Wilhelm VIII. die 1736 an Hessen-Kassel gefallene Grafschaft Hanau, die verwaltungsmäßig bislang ohnehin selbstständig geblieben war und dies bis zu Friedrichs Tod 1785 als quasi-souveräne Herrschaft des ältesten Sohnes, Erbprinz Wilhelm (IX.), auch bleiben sollte.

Da erste Versuche Friedrichs, außerhalb Hessens eine Bestallung im preußischen oder auch österreichischen Militär zu erlangen, ohne Ergebnis blieben, lebte er zunächst fast wie ein Gefangener in Hersfeld. Erst mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges bekam er 1756 dann ein Patent als preußischer Generalleutnant und Vizegouverneur in Wesel und machte in den nächsten Jahren die Feldzüge in Schlesien, Böhmen und Mähren mit. Beim Tod des Vaters war er preußischer General der Infanterie und Gouverneur von Magdeburg. Nach anfänglichem Schwanken zu Beginn seiner Regierung blieb er bis zum Kriegsende auf der englisch-preußischen Seite. Nicht zuletzt die englischen Subsidien ermöglichten ihm nach dem Friedensschluss eine vergleichsweise erfolgreiche Aufbaupolitik. Bei der Durchführung seines ehrgeizigen Bauprogramms, etwa der Anlage des Königs- und Friedrichsplatzes an der Stelle der seit 1767 niedergelegten Festungswerke in Kassel, wurde er von dem Architekten Simon Louis du Ry (1726–1799) unterstützt.

Die wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Projekte Landgraf Friedrichs II. atmeten ganz den Geist der Aufklärung. Sie reichten vom 1779 eröffneten „Fridericianum“ als erstem genuinen Museumsbau auf dem Kontinent über zahlreiche Wohltätigkeits-, Fürsorge- und Bildungsinstitutionen bis zur Einrichtung der Kasseler Kunstakademie (1775/76). Die schon von Vater und Großvater gepflegten Sammlungen wurden beträchtlich erweitert; der Ausbau der Antikensammlung war Ergebnis einer längeren Rom-Reise 1776/77. Das Geld für diese kostspieligen, aber prestigeträchtigen und daher nur schwer vermeidbaren, sowie das Land im durchaus positiven Sinne nachhaltig prägenden Unternehmungen stammte zu einem Großteil aus dem Subsidienvertrag mit dem englischen König Georg III. vom Januar 1776, zu dessen Erfüllung bis 1783 annähernd 20.000 hessische Soldaten zum Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nach Übersee verschifft wurden. Die hier erzielten Einkünfte machten Landgraf Friedrich zu einem der reichsten Landesherren seiner Zeit, so dass er dem am „Soldatenhandel“ ebenfalls beteiligten Sohn und Nachfolger, mit dem er sich 1782 ausgesöhnt hatte, einen wohl gefüllten Staatsschatz hinterließ, als er 1785 in der katholischen Hofkapelle St. Elisabeth beigesetzt wurde.

Noch in den letzten Lebensjahren versuchte Friedrich II., durch sein Engagement im Fürstenbund den alten Traum seines Hauses zu verwirklichen und die Kurwürde zu erlangen. In den Verhandlungen mit Preußen spielte seine 1773 in Berlin geschlossene Zweit-Ehe mit Prinzessin Philippine von Brandenburg-Schwedt, einer Nichte des Preußen-Königs Friedrich II., eine gewisse Rolle. Die kinderlos gebliebene Ehe erwies sich indes als ebenso glücklos wie Friedrichs Traum vom Kurhut. Von Anfang an lebten die Partner nebeneinander her: Friedrich machte seine großen Reisen stets allein, und Philippine weilte öfter und immer länger bei ihrer Schwester im damals württembergischen Mömpelgard (Montbéliard) oder bei der Verwandtschaft in Berlin. Nach Friedrichs Tod bezog sie zwar ihren Witwensitz in Hanau, lebte aber die meiste Zeit in ihrem Palais in Berlin. 1796 ging sie schließlich eine morganatische Ehe mit ihrem Oberhofmeister Graf Georg Ernst Levin von Wintzingerode (1752–1834) ein, den sie 1800 zu ihrem Universalerben einsetzte.

Holger Th. Gräf

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 129-131)

Zuletzt aktualisiert: 11.08.2020

 
 
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