06.01.2026 Bericht zum dritten Workshop des Projekts AESOH in Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Der dritte Workshop in Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen vertiefte die Thematik aus unserem ersten Workshop im Museum für Sepulkralkultur in Kassel (2024) und brachte viele spannende Einblicke.
3. Workshop des Projekts AESOH:
„Human remains in Ausstellung und Präsentation“
Der dritte Workshop des BMFTR-geförderten Projektes „Agency und Ethik: Sensible Objekte in Hochschulsammlungen“ (AESOH) fand am 13.10. und 14.10.2025 im Anna-Reiss-Saal des Museums für Weltkulturen (D5) der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim statt.
Einblicke in naturwissenschaftliche Forschung und Perspektiven aus verschiedenen Sammlungstypen
Zum Workshop begrüßten der Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Prof. Dr. Wilfried Rosendahl und Prof. Dr. Edith Franke (Philipps-Universität Marburg). Den Auftakt bildete die erste Keynote Lecture „Der benutzte Mensch – Der Mensch als Objekt anthropologischer und musealer Auseinandersetzung“ von Jamie Dau (rem Mannheim). Dau zeichnete den historischen Kontext zu unseren aktuellen musealen Seh- und Ausstellungspraktiken nach und warf gleichzeitig philosophische Fragen zum Menschsein auf.
Panel 1: Der Mensch als Schauobjekt
Das erste Panel beschäftigte sich mit dem Oberthema „Der Mensch als Schauobjekt“. Dabei wurde einerseits an die vorangegangene Keynote angeknüpft und das Thema andererseits aus der Perspektive verschiedener Sammlungstypen beleuchtet.
Prof. Dr. Wilfried Rosendahl (rem Mannheim) vermittelte vielfältige Eindrücke zu den Ausstellungsweisen von archäologischen Human remains in diversen Museen und Sammlungen. Rosendahl betonte die Wichtigkeit der Untersuchung archäologischer (Grab-)Kontexte, da sie unerlässliche Quellen für Kenntnisse der Entwicklung des Menschen, verschiedener Kulturen, Lebensumstände und weiterer Aspekte wie z.B. Krankheiten darstellen. Er wies dabei darauf hin, dass das Zeigen von archäologische Human remains in Ausstellungen in der Regel keine Debatte auslöse und als unproblematisch empfunden werde. Eine differenzierte Betrachtung der Herkunft, des Alters und der Aussagekraft verschiedener Human remains sei daher notwendig.
In seinem zweiten Vortrag stellte Jamie Dau (rem Mannheim) die Foto- und Abguss-Sammlungen als indirekt betroffene Institutionen vor. Trotz des Umstandes, dass dort keine physischen Überreste aufbewahrt werden, beinhalten sie aktuell zwei- und dreidimensionale Abbildungen von Menschen, die teils noch Anhaftungen von z.B. Haaren aufweisen oder auch unter Gewalteinwirkung erzeugt wurden. Ein weiterer Abschnitt seines Vortrags ging auf die ethnographische Sammlung ein, deren Human remains aber weitestgehend nicht mehr gezeigt würden.
Zum Abschluss des Panels beleuchtete Leslie Zimmermann (rem Mannheim) Online Sammlungen, vor allem in Hinblick auf die Einflüsse der KI. Er ermutigte zur Zusammenarbeit von IT-Spezialisten und Sammlungsmitarbeitern, um eine ethisch vertretbare Digitalisierung von (sensiblen) Sammlungsbeständen zu erreichen. Die Diskussionen profitierten von den verschiedenen fachlichen Blickwinkeln und Expertisen.
Panel 2: Barcamp
In diesem Panel stellten die AESOH-Teilprojektmitarbeiter Vanessa Obermair (TP 1), Lars Feuer (TP 2), Dr. Rainer Brömer (TP 3) und Ricarda Gericke (TP 4) in Form von Blitzlichtvorträgen erste Überlegungen und grafische Konzepte für die Erstellung der geplanten Praxishilfe zum Thema „Umgang mit sensiblen Objekten“ vor. Entsprechend der verschiedenen thematischen Schwerpunkte der Teilprojekte wurde sich auf Sensibilität und Agency von Objekten, Unrechtskontexten in lokalen Umgebungen sowie Möglichkeiten zur Erleichterung der Entscheidungsfindung fokussiert. Im Anschluss wurden die Zuhörenden um schriftliches Feedback auf Flipcharts gebeten.
Panel 3: Human remains und naturwissenschaftliche Forschung
Auch der zweite Workshop-Tag wurde durch herzliche Einführungsworte von Prof. Dr. Wilfried Rosendahl eröffnet. Für die zweite Keynote Lecture konnte der renommierte Mumienforscher Prof. Dr. Albert Zink (Eurac Research, Institute for Mummy Studies Bozen) gewonnen werden. In seinem Vortrag „Forschungen am Menschen – das Institut für die Erforschung von Mumien und den Eismann“ gab Zink Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Instituts für Mumienforschung und die dort durchgeführten Forschungsarbeiten, inklusive den dort entwickelten Konservierungsmethoden.
Naturwissenschaftliche Methoden
Im Anschluss an die Keynote Lecture wurden die bereits erwähnten naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden von Spezialisten/Experten vorgestellt.
Den Anfang machte Ronny Friedrich (CEZA rem), indem er die 14C-Datierungsmethode erklärte und über den Einfluss von Ethik im Laboralltag reflektierte. Corina Knipper (CEZA rem) tat dies ebenfalls für die Isotopenanalyse, mit der Rückschlüsse auf Ernährung und Mobilität von Individuen geschlossen werden können. Die nicht-invasiven Untersuchungsmethoden der physischen Anthropologie wurden durch Stephanie Zesch (rem Mannheim) vorgestellt. Sie erlauben die Wiedergewinnung einer Vielzahl an Informationen zu den früheren Menschen, u.a. zum biologischen Geschlecht, zum Sterbealter (Schätzung), zur Körpergröße und zu Aktivitätenmustern. Albert Zink übernahm die Vorstellung der aDNA-Analyse, durch die Aussagen zum genetischen Geschlecht, Phänotyp, genetischer Disposition für Krankheiten, Verwandtschaftsverhältnisse und das Mikrobiom gemacht werden können. Die jeweils anschließenden Diskussionen zeigten das große Interesse am Verständnis der naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden und -möglichkeiten sowie an der Vereinbarkeit von Forschung unter ethischen Aspekten.
Laborbesichtigung CEZA
Unterstrichen wurden die Erklärung der 14C-Datierungsmethode auch durch die Besichtigung der CEZA-Labore (Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie). Hierdurch konnten die theoretischen Erklärungen eindrucksvoll nachvollzogen werden.
Auch der dritte Workshop hat fruchtbare Diskussionen und einen regen Austausch für alle Beteiligten hervorgebracht. Wir, das AESOH-Projekt, möchten uns nochmals für die großartigen Vorträge, Expertisen und wichtigen Forschungseinblicke bedanken. Ein ganz besonderer Dank gilt dabei unseren Kooperationspartner*innen von den Reiss-Engelhorn-Museen.