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Teilprojekt A02
Kreuzfahrerherrschaften: Grundlagen, Rahmenbedingungen und Regularien zur Herstellung von 'Sicherheit' zwischen Christen und Nichtchristen, Lateinern und Nichtlateinern in den Kreuzfahrerherrschaften (12. bis 14. Jahrhundert)

1. Förderphase (2014-2017)

Das Teilprojekt widmet sich Aspekten von Versicherheitlichung in den lateinischen Kreuzfahrerherrschaften des Nahen Ostens vornehmlich im 12. und 13. Jahrhundert Fragen nach Sicherheitsakteuren und ihren Praktiken sowie nach den Ambivalenzen von Versicherheitlichung nehmen dabei breiten Raum ein. Als Sicherheitsakteure begegnen neben dem Königtum, dem Adel und der Lateinischen Kirche auch die im Königreich Jerusalem privilegierten italienischen Seerepubliken und die Geistlichen Ritterorden.

Die lateinischen Könige von Jerusalem bzw. der Hof treten maßgeblich als Sicherheitsakteure auf, wenn sie als Gesetzgeber, als Aussteller von Urkunden und als Vertragspartner tätig werden. Die lateinische Kirchenhierarchie betreibt zum einen eine offensive Latinisierung der kirchlichen Verhältnisse: Griechische Bischöfe werden verdrängt, die griechischen Christen der byzantinischen Reichskirche werden „zwangsintegriert“. Andererseits gibt es mit den armenischen und syrischen Christen zum Teil weitgehende Kompromisse und Formen der Anerkennung eigener Kirchlichkeit. Aus dieser „Doppelstrategie“ erwächst eine variantenreiche Politik, die deshalb unter dem Aspekt der Versicherheitlichung zu untersuchen ist, da sie sich deutlich von dem starken Latinisierungs- und Vereinheitlichungsdruck abhebt, den die römische Kirche in allen anderen Teilen Lateineuropas ausübt.

Der lateinische Adel betreibt im Rahmen des Lehnsrechts eigene Herrschaftsbildung. Als Sicherheitsakteure treten adlige Herrschaftsträger sowohl militärisch-politisch als auch siedlungspolitisch auf: Sie unterstützen als neue Grundherren die Ansiedlung lateinischer Kolonisten in der Nähe von christlichen Dörfern und sie regulieren das Leben der muslimischen Landbevölkerung. Dabei variieren ihre Strategien zwischen „Toleranz“ und Repression. Die Geistlichen Ritterorden entwickeln sich zu exklusiven militärischen Sicherheitseliten, die  insbesondere königliche Burgen übernehmen und ausstatten. Templer und Johanniter treten seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts auch als politisch agierende Sicherheitseliten auf, zum Teil in Konkurrenz zueinander.

Die italienischen Seerepubliken Pisa, Genua und Venedig schließlich werden bereits im frühen 12. Jh. von den lateinischen Königen privilegiert und übernehmen Funktionen zur Herstellung von Sicherheit an den Küsten und auf den Hochseerouten (Kampf gegen Piraterie). Mit den ihnen übertragenen Stadtvierteln in den großen Hafen- und Küstenorten der Kreuzfahrerstaaten übernehmen sie auch Sicherheitsaufgaben in den Städten. 

Der Autoritätsverlust der Krone und die Abwesenheit der Könige im 13. Jh. stärkt die Bedeutung des lateinischen Hochadels, der Ritterorden und der italienischen Seerepubliken, die sich allerdings in verschiedene Fraktionen aufspalten und das Königreich zu einem ‚failing state‘ werden lassen. Die Krone wird nur noch als abstrakte Instanz, vertreten durch die Regenten und als Garant für das Lehns- und Gerichtsrecht in der Rechtsbuchliteratur, in Anspruch genommen. In diesem Kontext sind vor allem die Ambivalenzen von Versicherheitlichung zu untersuchen.

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