30.06.2026 Antifeminismus: Annette Henninger im Gespräch mit "Forschung & Lehre"
Prof. Annette Henninger stellte sich den Fragen von F&L zu Gleichberechtigung und antifeministischen Tendenzen
In der Juni-Ausgabe zu "Gleichstellung" der Zeitschrift Forschung & Lehre spricht Prof. Dr. Annette Henninger, Sprecherin des LOEWE-Schwerpunkts GenDem, über aktuelle Entwicklungen rund um Antifeminismus, autoritäre Bewegungen und Geschlechtergerechtigkeit.
Im Interview erläutert sie, wie autoritäre Bewegungen demokratische Errungenschaften und Fortschritte bei der Gleichstellung zunehmend infrage stellen. „Es ist empirisch nachweisbar, dass sich autoritäre Regime oft auf antifeministische Weltanschauungen und Politiken stützen“, so Henninger. Dies zeige sich etwa unter den Regierungen von Donald Trump in den USA, Javier Milei in Argentinien oder Jair Bolsonaro in Brasilien.
Henninger beschreibt zudem, wie Antifeminismus, Rassismus und autoritäre Ideologien zusammenwirken und gesellschaftliche Polarisierung verstärken. Gleichberechtigung sei kein abgeschlossener Prozess: Zwar habe Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten wichtige Fortschritte erzielt, zugleich seien antifeministische Positionen und Angriffe auf die Geschlechtergerechtigkeit wieder deutlich sichtbarer geworden. Antifeministische Forderungen fänden sich etwa auch in den Programmen der AfD. Soziale Medien und multiple Krisen begünstigten diese Entwicklung zusätzlich.
Für eine zukunftsfähige Demokratie plädiert Henninger für eine intersektionale Gleichstellungspolitik und mehr demokratische Teilhabe. Ziel müsse eine Gesellschaft sein, in der das Geschlecht nicht über die Lebens- und Teilhabechancen von Menschen entscheidet.