16.06.2026 Erste Gastwissenschaftlerinnen bei Workshop über Antifeminismus und Krisennarrative von GenDem
Im Juni begrüßte der LOEWE-Schwerpunkt GenDem mit Dr. Tutku Ayhan und Prof. Magdalena Grabowska seine ersten internationalen Gastwissenschaftlerinnen zu einem gemeinsamen Workshop.
Am 11. und 12. Juni diskutierten die Gäste gemeinsam mit den GenDem-Mitarbeitenden zum Thema „Antifeminism in Times of Crisis“. Ausgangspunkt war die in der Forschung verbreitete Annahme, dass antifeministische Mobilisierungen insbesondere in Krisenzeiten entstehen und anschlussfähig an gesellschaftliche Unsicherheiten sind. An diese Überlegungen knüpft auch der Forschungsschwerpunkt GenDem an.
Im Mittelpunkt des Workshops stand die Frage, wie unterschiedliche Akteur:innen Krisen verstehen und erzählen, auf welchen geschlechtsspezifischen sowie sozioökonomischen Grundlagen diese Krisennarrative beruhen und welche Funktionen sie im Kontext antifeministischer Mobilisierungen erfüllen.
Der erste Workshop-Tag widmete sich den theoretischen Grundlagen verschiedener Krisenkonzepte. Prof. Annette Henninger und Dr. Funda Hülagü von GenDem führten in das politikwissenschaftliche Konzept der Polykrise sowie in die in den Gender Studies verbreitete Annahme von Krisen der Gender-Regime ein. Anschließend präsentierten die Gastwissenschaftlerinnen ihre aktuellen Forschungsarbeiten: Dr. Tutku Ayhan vom Institut Barcelona d'Estudis Internacionals (IBEI) stellte ihre Forschung zur Situation in der Türkei vor, während Prof. Magdalena Grabowska von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau Einblicke in aktuelle antifeministische Bewegungen in Polen gab.
Ausgehend von diesen Fallbeispielen erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam eine mehrstufige Krisenmatrix. Auf der Makroebene wurden globale politische Entwicklungen verortet, auf der Mesoebene Themen wie Moderne, Staatlichkeit, Kapitalismus, Demokratie, Autoritarismus und Wirtschaft. Die Mikroebene umfasste gesellschaftliche Gruppen, kollektive und individuelle Akteur sowie soziale Krisenerfahrungen.
Diese Systematisierung bildete die Grundlage für die vertiefende Diskussion am zweiten Workshoptag. Die Teilnehmenden ergänzten die Krisenmatrix zunächst in Kleingruppen um weitere Perspektiven und analysierten anschließend unterschiedliche Ebenen antifeministischer Mobilisierungen – mit einem Schwerpunkt auf staatlichen beziehungsweise gesellschaftlichen Dynamiken. Die Ergebnisse wurden abschließend zusammengeführt und diskutiert.
Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die Erkenntnis, dass Krisen auf unterschiedlichen Ebenen analysiert werden müssen und insbesondere die individuellen Krisenerfahrungen künftig stärker in den Blick genommen werden sollten. Gleichzeitig zeigte die gemeinsame Arbeit an der Krisenmatrix, dass Forschungsprojekte nicht alle Krisenebenen gleichermaßen abdecken müssen, sondern sich gezielt auf einzelne Analyseebenen konzentrieren können.
Der Besuch der beiden Gäste verlief im Rahmen eines von der EU-COST-Aktion CA 23149 „Antigender-Politics“ mitfinanzierten wissenschaftlichen Gastaufenthaltes. Prof. Magdalena Grabowska sprach zudem am 11. Juni bei der Ringvorlesung, die GenDem im Sommersemester 2026 gemeinsam mit dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung zum Thema „ANTIFEMINISM & NATIONALISM“ ausrichtet. Ihr Beitrag zu „Reproducing Life, Reproducing the Nation: Social Reproduction Abortion and Nationalism in Poland“ kann hier nachgehört werden.
Dr. Tutku Ayhan wird im Zuge der Ringvorlesung am 18. Juni einen Vortrag zum Thema „Anti-Gender Politics as Authoritarian Governance: The Case of Türkiye“ halten.
Die Zusammenarbeit wird im Herbst 2026 mit einem gemeinsamen Blogbeitrag für den politikwissenschaftlichen Blog „The Loop: Gendering Democracy“ der European Consortium for Political Research (ECPR) fortgesetzt.