„Konservatismus, ästhetische Avantgarde und Ideologisierung"

Das Wissen der Deutschlehrergenerationen zwischen 1945 und 1970 - Vortrag im Studium Generale im Wintersemester 2018/19

Veranstaltungsdaten

05. Dezember 2018 20:15

Audimax im Hörsaalgebäude (+2/0010), Biegenstraße 14, 35037 Marburg

Ausgegangen wird von gegenwärtigen Beobachtungen zum scheinbaren Bedeutungsverlust fachlichen Wissens von Lehrkräften: Der kaum beachteten Debatte um neue curriculare Festlegungen, etwa eines Lektürekanons für die Abiturprüfung im Fach Deutsch, steht eine gleichzeitig abseits großer bildungspolitischer Aufmerksamkeit sich abspielende Debatte über eine deutsche „Leitkultur“ zur Seite. Dieser – fast ließe es sich sagen – professionellen „Entmächtigung der Lehrkräfte" stehen Ergebnisse jüngerer Lehrerkompetenzforschung gegenüber, die sich mit dem Verhältnis zwischen unterschiedlichen Aspekten und Formen des „Lehrerwissens“ bzw. der Fähigkeiten von Lehrkräften befasst. Die Ergebnisse zeigen – möglicherweise anders als erwartet – die offensichtlich nicht unbedeutende Rolle des „fachlichen“ Wissens von Lehrkräften auch und gerade im Hinblick auf ihre Lehrfähigkeiten.

Im Vortrag soll ausgehend von diesen Befunden anhand einer Episode aus der deutschen Schul- bzw. Professionsgeschichte gezeigt werden, wie „Wissensumgebungen“ von auszubildenden Lehrkräften zu beschreiben sind, wie sich „Lehrerwissen“ und Lehrerhabitus an Universitäten und im Umgang mit fachlichen Wissensangeboten bilden können. Beschrieben und charakterisiert werden Deutschlehrkräfte zwischen 1945 und 1970, die möglicherweise in unterschiedlichen Generations- und Milieulagerungen – oft in konservativer Grundhaltung und teilweise gleichzeitig einem „modernen“ Ästhetizismus huldigend – jedenfalls fachlich engagiert, und „ermächtigt“ zur „Modernisierung“ des Deutschunterrichts beigetragen haben. Es wird so ein Plädoyer für die Wiederaufnahme didaktischer Traditionen in der Erziehungswissenschaft (z.B. für die Rezeption der französischen „Transposition didactique“) und für eine von dieser Tradition angeleitete, (wissens)historische und ethnographische Schul- und Unterrichtsforschung gehalten, die sich der Frage des fachlichen Lehrerwissens widmet.

Referierende

Prof. Dr. Sabine Reh (Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, DIPF, Berlin)

Veranstalter

Zentrum für Lehrerbildung

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