28.03.2018 Patinnen und Paten für Wildpflanzen gesucht

Bürger-Projekt zur Stärkung der Pflanzenvielfalt startet am 7. April 2018

Heidenelke
Foto: Alexander Ruppel
Die Heidenelke ist eine der Pflanzen, die im Projekt „Urbanität und Vielfalt“ gefördert werden.

Wildpflanzen wie Golddistel, Schillergras oder Sandglöckchen sind im Landkreis Marburg-Biedenkopf stark gefährdet. Bürgerinnen und Bürger können dem nun entgegenwirken, indem sie eine Patenschaft für Wildpflanzen übernehmen. Bis zu drei Arten können sie in Pflege nehmen und im heimischen Garten oder auf dem Balkon kultivieren. Damit unterstützen sie das Projekt „Urbanität und Vielfalt“, an dem der Botanische Garten der Philipps-Universität Marburg beteiligt ist.

50 typische und teils besonders gefährdete Wildpflanzen der Weidewiesen des Marburger Landkreises haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für das Projekt ausgewählt. Aus den Samen dieser Pflanzen werden im Neuen Botanischen Garten der Universität Marburg Jungpflanzen herangezogen. Von den Zöglingen können Bürgerinnen und Bürger dann ihre „Patenkinder“ mit nach Hause nehmen und im Garten oder auf dem Balkon kultivieren. Buntes Vergissmeinnicht, Augentrost und Katzenpfötchen sollen so gehegt, gepflegt und nach Möglichkeit zur Samenreife gebracht werden. Danach überbringen die Marburger Patinnen und Paten ihre geernteten Samen dem Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg, der aus diesen wieder Jungpflanzen für populationsstützende Maßnahmen heranzieht. In Rücksprache mit den Fachbehörden werden die Nachzuchten neben den Naturstandorten auch in neu geschaffenen Lebensräumen ausgebracht. Bei Interesse können sich die Paten auch an den Ausbringungs-Aktionen aktiv beteiligen.

Auf speziell angelegten Schauflächen im Alten und Neuen Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg werden die Jungpflanzen ab April 2018 ausgepflanzt. Bürgerinnen und Bürger können sich dann über deren Gefährdung und eine mögliche Patenschaft informieren. An speziellen Ausgabetagen können die Pflanzen dann abgeholt werden. Die erste Ausgabe erfolgt im Rahmen des Marburger Frühlings vom 7. bis 8. April 2018 mit einem Stand in der Oberstadt.

Ab Frühling 2018 wird es zusätzlich die Möglichkeit geben, an geführten Exkursionen und Pflegeeinsätzen zu den Naturstandorten der Wildpflanzen teilzunehmen.

Hintergrund

Die natürlichen Lebensräume von Wildpflanzen gehen stetig zurück. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf trifft es besonders Pflanzen der sauren Magerwiesen und -weiden. Diese nährstoffarmen, oft am Hang gelegenen Wiesen waren für den Ackerbau nicht geeignet und wurden daher seit Jahrhunderten mit Schafen oder Kühen bewirtschaftet. Dank der landwirtschaftlichen Industrialisierung ab 1960, dem daraus erwachsenen und stetig zunehmenden Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln, konnten große Teile dieser Weidewiesen in Ackerland oder zum Anbau von Energiepflanzen umgewandelt werden. Im Vogelsbergkreis lag der Anteil der Weidewiesen in den 1960er Jahren noch bei ca. 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Grünlandfläche, was einer Fläche von etwa 4250 Hektar entspricht. Heute sind davon noch etwa 80 Hektar übrig, was einem Rückgang von mehr als 98 Prozent entspricht. Dementsprechend nimmt die Aussterberate der Pflanzenarten, die sich an diesen Flächentypus über die Jahrhunderte angepasst haben, stetig zu. Auch die blütenbesuchenden Insekten, die für die Bestäubung und erfolgreiche Vermehrung dieser und gleichzeitig unserer Nahrungspflanzen verantwortlich sind, werden hierdurch bedroht.

„Urbanität und Vielfalt“

Das Verbundprojekt „Urbanität und Vielfalt“ wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit 1,6 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind die Botanischen Gärten der Universitäten Marburg und Potsdam, das Späth-Arboretum der Humboldt Universität Berlin sowie das Umweltzentrum Dresden. Auf den Marburger Projektteil entfallen rund 300.000 Euro. Die Stadt Marburg fördert das Marburger Projekt zusätzlich mit 20.000 Euro.

Weitere Informationen:

Verbundprojekt Urbanität und Vielfalt

Bundesamt für Naturschutz: Projektbeschreibung Urbanität und Vielfalt

Kontakt

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