17.07.2020 Emotionen in der Ökonomie

DFG fördert Forschungsprojekt in der Soziologie der Philipps-Universität

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Foto: Christina Jenewsky

Angst, Wut, Liebe und Leidenschaft – starke Gefühle, die Entscheidungen auch in der Ökonomie beeinflussen können. Gefühle und Emotionen von Menschen sind ein bekannter Forschungsgegenstand. Weitgehend unerforscht ist dagegen, welche Relevanz Emotionen in ökonomischen Feldern haben. Bilden sich hier spezifische „emotionale Regime“ heraus, die das Feld – seine Strukturen, die vorherrschenden Machtverhältnisse und Entwicklungsperspektiven – bestimmen und sogar strategisch genutzt werden? Im Projekt „Das Regime der Emotionen als Strategie?“ gehen die Marburger Soziologinnen Prof. Dr. Maria Funder (Foto) und Nina Hossain der Frage nach, wie Emotionsregime entstehen und welche Auswirkungen sie haben. Zwei Felder werden dabei beispielhaft untersucht: die Automobil- und die Kreativbranche. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt an der Philipps-Universität Marburg für eine Laufzeit von drei Jahren mit insgesamt rund 400.000 Euro.

Das Forschungsinteresse an Gefühlen und Emotionen hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Dies spiegele sich in den Sozialwissenschaften in einem „emotional turn“ wider, erklärt Hossain. Das Interesse sei eng verbunden mit der Veränderung moderner Industriegesellschaften in Richtung Spätmoderne. Vor allem Arbeits- und Geschlechtersoziologinnen und -soziologen untersuchen, welche Bedeutung Emotionen in der Arbeitswelt haben. Was heißt es etwa für Beschäftigte, wenn sie nicht nur Fachwissen, sondern auch sich selbst, ihre „ganze Person“, einschließlich ihrer Emotionen und Gefühle in den Arbeitsprozess einbringen müssen?

„Wir wollen untersuchen, welche Bedeutung Emotionen sowohl in traditionellen ökonomischen Feldern wie der Automobilindustrie haben, als auch in Feldern wie der Kreativbranche, die als Vorreiter der spätmodernen Arbeitswelt gelten. Uns treibt vor allem die Frage um, ob und inwieweit Emotionen ökonomische Felder bestimmen, ob sie strategisch genutzt werden und welche Folgen das für die Arbeits- und Geschlechterverhältnisse hat“, erklärt Funder.

Das Projekt will Aufschluss über Emotionen und emotionales Kapital in der spätmodernen Arbeitswelt aus einer Geschlechterperspektive geben. Zentrale Fragen sind, ob und wie in ökonomischen Feldern „Regime der Emotionen“ entstehen, welche Charakteristika sie aufweisen und ob sie instrumentalisiert werden, zum Beispiel um Leidenschaft und ein Klima der Innovation zu erzeugen. Darüber hinaus interessiert die Forscherinnen, ob und wie feldspezifische Emotionsregime die Arbeits- und Geschlechterverhältnisse prägen.

Ansprechpersonen:

Prof. Dr. Maria Funder
Institut für Soziologie
Philipps-Universität Marburg
E-Mail:

Nina Hossain
Institut für Soziologie
Philipps-Universität Marburg
E-Mail: