09.08.2022 Förderung der Marburger Frauen- und Gender-Forschung

Philipps-Universität erhält insgesamt 160.000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Im Rahmen der Förderrunde „Dimensionen der Kategorie Geschlecht – Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“ für 2022 stellt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) der Philipps-Universität Marburg insgesamt über 160.000 Euro bereit. Wissenschaftler*innen verschiedener Fachdisziplinen der Universität Marburg können sich damit in vier Projekten unter anderem der Untersuchung antifeministischer Politik und Menschenrechtsverletzungen von LSBTIQ*-Personen im globalen Süden widmen. Auch ein bereits bestehendes Projekt zur Analyse von Diskriminierungserfahrungen von Studierenden an der Philipps-Universität wird weitergefördert.

Insgesamt stellt das HMWK 300.000 Euro in der Förderlinie bereit. Hessenweit wurden 15 Anträge eingereicht. Nach der Begutachtung wurden von der Auswahlkommission zwei Fortsetzungsanträge zur Weiterförderung und zwei Neuanträge der Philipps-Universität Marburg zur Förderung empfohlen:

Diese Projekte können weitergeführt werden:

Das Projekt „Diskriminierung und geschlechtsbasierte Gewalt im Hochschulkontext am Beispiel der Philipps-Universität Marburg“ untersucht, inwiefern Marburger Studierende, insbesondere Angehörige marginalisierter Gruppen (Frauen, LSBTIQ*-, ethnisierte/rassifizierte Personen, Menschen mit Disability, sozial benachteiligte Studierende), im akademischen Bereich von geschlechtsbasierter Gewalt und Diskriminierung durch Peers betroffen sind. Prof. Dr. Annette Henninger vom Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung und ihr Team analysieren hierbei auch, welche Rolle Fachkulturen dabei spielen und wie Betroffene, Zeug*innen und die Universität als Institution mit diesen Vorfällen umgehen.

„LSBTIQ*-Rechte in Mehrebenen-Governance Systemen“ lautet der Titel des Projektes von Dr. Mariel Reiss vom Zentrum für Konfliktforschung. Das Thema ist die Aushandlung von Menschenrechten, insbesondere von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren (LSBTIQ*)-Personen in verschiedenen Staaten im südlichen Afrika und auf transnationaler Ebene. Im Mittelpunkt des Vorhabens stehen Entscheidungsprozesse zu rechtlichen Praktiken und gesellschaftlichen Normen. Das Projekt leistet einen Beitrag zu gesellschaftlichen und politischen Debatten um die Rechte von LSBTIQ*-Personen in den beforschten Ländern sowie auf einer normativen Ebenen zur Gleichstellung von LSBTIQ*-Personen generell.

Diese neuen Projekte werden gefördert:

Prof. Dr. Annette Henninger und ihr Team untersuchen im neuen Projekt „Organized Anti-feminism and Authoritarianism in the Middle East: The Case of Turkey” die antifeministische Politik autoritärer Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika. Das Forschungsvorhaben verortet sich an der Schnittstelle zwischen dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung und dem Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Philipps-Universität Marburg. Die Türkei dient als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen zum Thema Anti-Feminismus und Autoritarismus in der Region. Zeitlich konzentriert sich das Projekt auf die Phase autoritären Wandels seit Regierungsantritt der Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (Adalet ve Kalkınma Partisi, AKP) unter der Führung von Präsident Erdoğan. Ziel der Untersuchung ist es, die unterschiedlichen, miteinander verflochtenen gesellschaftspolitischen Prozesse, die für die Gestaltung und Umsetzung antifeministischer Politik von zentraler Bedeutung sind, aufzudecken und zu erklären.

Im neuen Projekt „LSBTIQ* und Menschenrechte – Selbstorganisation und Empowerment in postkolonial queeren Bewegungskontexten in Ostafrika mit Fokus auf Ruanda und Tansania“ setzt sich Prof. Dr. Susanne Maria Weber vom Fachbereich Erziehungswissenschaften gemeinsam mit Laura Kaluza damit auseinander, in welcher Form LSBTIQ* in den ostafrikanischen Ländern Tansania und Ruanda von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind und welche diskursiven historischen und gesellschaftspolitischen Kontexte dies mitbestimmen. Ziel ist eine diskursanalytische Erarbeitung des Problem- und Spannungsfeldes der postkolonialen Lebenssituation und Herausforderungen von LSBTIQ* im globalen Süden, speziell hier die Situation in Ostafrika, aufgrund der besonders diversen und widersprüchlichen Zusammenhänge in dieser Region.