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13.07.2017 Stufenmodell erleichtert verantwortungsvolles Forschen

Fachübergreifendes Team legt Buch zur Bioethik vor

Frau schaut durch ein Mikroskop.
Foto: Thomas Ernsting
Genau hinschauen, verantwortungsvoll forschen: Im wissenschaftlichen Fokus des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie stehen Bakterien, Pilze und andere Einzeller. (Foto: Thomas Ernsting für „Hessen schafft Wissen“; die Aufnahme darf nur in Zusammenhang mit der Berichterstattung über die angezeigte Publikation verwendet werden)

„Leben vom Reißbrett“, „Ingenieure des Lebendigen“ – hoffnungsvolle Erwartungen und ängstliche Bedenken prallen aufeinander, wenn es um die Beurteilung der Synthetischen Biologie geht. Wie sich die ethische Bewertung des Forschungsgebietes versachlichen lässt, zeigt der Marburger Sozialethiker Professor Dr. Friedemann Voigt in seiner jüngsten Publikation. Er legt darin ein Stufenmodell vor, das von der Beschreibung zur ethischen Einordnung führt: Friedemann Voigt (Hg.): Stufenmodell zur ethischen Bewertung der Synthetischen Biologie (TTN-Studien 6), Baden-Baden (Nomos) 2017, ISBN 978-3-8487-4038-3, 109 Seiten, 29 Euro.

Spielen Wissenschaftler Gott, wenn sie sich als Designer neuartiger Organismen versuchen? Lassen sich ihre Schöpfungen noch beherrschen? Bergen die Lebewesen aus der Retorte unabsehbare Risiken? „Die Aufgaben forschungsbegleitender Ethik liegen darin, Vorurteile abzubauen, aber auch die Übernahme konkreter Forschungsverantwortung zu ermöglichen“, sagt Herausgeber Friedemann Voigt. Der Theologe begleitet seit Jahren die wissenschaftliche Arbeit am Marburger „LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie“ (SYNMIKRO), dessen Arbeitsgruppe Bioethik er leitet.

Die ethische Bewertung von Forschungsarbeiten im Grenzgebiet zwischen molekularbiologischer und biotechnischer Forschung ist nicht anders als interdisziplinär möglich – durch ein Zusammenwirken ethischer Ansätze und fachwissenschaftlicher Perspektiven. „Die ethische Aufgabe besteht häufig zunächst einmal darin, die Fachperspektive durch andere Blickweisen zu ergänzen“, erklärt Voigt,  „und so eine andere Sichtweise auf die Forschung zu erzielen, in der diese als Beitrag zur humanen Lebenspraxis verstanden und beschrieben wird.“

Eine Besonderheit des Buches besteht denn auch in seinem interdisziplinären Ansatz: Der Sammelband fasst die Ergebnisse der Diskussionen zusammen, die ein Expertenkreis zur Bewertung der Synthetischen Biologie am LOEWE-Zentrum geführt hat. Zu den beteiligten Disziplinen gehören neben der Ethik auch Biologie, Biochemie, Mikrobiologie und Virologie sowie Physik und Informatik.

Der Band beginnt mit einführenden Kapiteln, die den Stand der fachwissenschaftlichen und ethischen Forschung skizzieren. Dann wird das Stufenmodell vorgestellt, das dazu dient, die Forschung in unterschiedliche Stufen ethischer Verantwortung einzuordnen – „je höher die Stufe, desto stärkere ethische Bedenken machen sich geltend“, erläutert Voigt.

Den Ausgangspunkt für die schrittweise Beurteilung bildet dabei stets die konkrete Beschreibung der einzelnen Forschungsvorhaben; daher schließt der Band mit vier Fallstudien, an denen die ethische Bewertung exemplarisch durchgeführt wird; die Fallbeispiele stammen aus der Molekulargenetik, der Virologie und der Mikrobiologie.

Professor Dr. Friedemann Voigt lehrt Sozialethik am Fachbereich Theologie der Philipps-Universität und gehört dem Steuerungskomitee des Marburger LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie an.

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